Work & Winning Mehr arbeiten? Die Deutschen schuften – nur nicht nach Söders Stechuhr

Mehr arbeiten? Die Deutschen schuften – nur nicht nach Söders Stechuhr

Markus Söder fordert eine Stunde Mehrarbeit für alle. Doch die Debatte trifft einen immer kleineren Teil der Realität vorbei: Denn Wissensarbeit kennt keinen Feierabend.

Wieder einmal wird über den angeblich mangelnden Fleiß der Deutschen diskutiert. Zu wenig Arbeit, zu viel Freizeit, zu wenig Leistung. Diesmal ausgelöst durch Markus Söder, der in seiner Zukunfts-Agenda mit einer Stunde Mehrarbeit für alle um die Ecke kommt..

Fakt ist: Die Deutschen arbeiten viel. Nur eben anders. Laut OECD lag die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in Deutschland 2022 bei rund 1.340 Stunden – weniger als in den USA oder Griechenland oder Polen, aber bei gleichzeitig noch immer guter Produktivität pro Stunde. Deutschland gehört da zu den Top-Industrienationen weltweit, gemessen an Wertschöpfung und Exportleistung. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von Arbeit und Gehirnschmalz.

Dazu kommt: Die Lebenswirklichkeit hat sich für viele längst vom Acht-Stunden-Tag verabschiedet. Wissensarbeit endet nicht um 17 Uhr. Mails, Calls, Präsentationen, Deadlines – sie laufen abends, am Wochenende, im Urlaub. Wer heute Verantwortung trägt, arbeitet nicht nach Stechuhr, sondern nach Ergebnis. Das gilt in einer Dienstleistungsgesellschaft noch mehr als in einer Industrienation. Und das gilt für Selbstständige, Führungskräfte, Gründer – und Politiker. Auch Markus Söder kommt nicht mit einer 40-Stunden-Woche über die Runden. Nicht, weil er muss. Sondern weil Verantwortung so funktioniert. Genau das gilt auch für Millionen Leistungsträger in diesem Land.

Die Debatte um Arbeitszeiten verkennt den Kern. Deutschland hat kein Fleißproblem. Deutschland hat ein Messproblem. Wir zählen Stunden statt Output. Anwesenheit statt Wirkung. Bürozeit statt Wertschöpfung. Damit riskieren Söder und Co., die Leistungsträger weiter zu demotivieren. Deren Wirklichkeit sieht längst nicht mehr aus wie ein Lochkartenritual aus den Siebzigern. Und das ist kein Zeichen von Faulheit. Sondern von Fortschritt.

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