Work & Winning Wer manipuliert, wird befördert: Studie entlarvt toxische Karriere-Logik

Wer manipuliert, wird befördert: Studie entlarvt toxische Karriere-Logik

Eine Trierer Studie zeigt: Skrupellose Mitarbeiter haben 31 Prozent höhere Aufstiegschancen. Machiavellisten sabotieren, manipulieren — und werden dafür befördert. Das Problem: Unternehmen fördern toxisches Verhalten aktiv.

Wer nett ist, verliert. Klingt zynisch? Ist aber wissenschaftlich belegt. Forscher der Universität Trier haben analysiert, welche Persönlichkeitstypen es ins Management schaffen und die Ergebnisse sind ernüchternd. Menschen mit machiavellistischen Zügen, also berechnende Egoisten ohne Skrupel, haben eine um 31 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, in Führungspositionen aufzusteigen als ihre kooperativen Kollegen. Die Studie basiert auf repräsentativen deutschen Paneldaten von 2016 bis 2020 und wurde bei Sage Journals veröffentlicht.

Sabotage als Karrierebooster

„Beförderungen basieren oft nicht nur auf produktiver Leistung, sondern sind ein Wettbewerb unter Kollegen. Sabotage oder die Verweigerung von Kooperation können die eigenen Chancen also verbessern“, erklärt Studienautor Uwe Jirjahn laut t3n. Machiavellisten. benannt nach dem Renaissance-Philosophen Niccolò Machiavelli, manipulieren strategisch, brechen Versprechen und nutzen Kollegen aus, wenn es dem eigenen Fortkommen dient.

Der entscheidende Unterschied zu Narzissten und Psychopathen: Sie agieren langfristig und verschleiern ihr unethisches Verhalten geschickter. „Narzissten und Psychopathen handeln impulsiver, denken kurzfristiger“, so Co-Autor Mehrzad Baktash. Das Ergebnis: Der Machiavellismus-Score bei Managern liegt 14,5 Prozent über dem von Nicht-Managern. Dabei schließen die Forscher aus, dass erst die Führungsposition Menschen zu Machiavellisten macht — die Persönlichkeitsstruktur existiert vorher.

Das System macht mit

Das eigentliche Problem liegt tiefer: Unternehmen belohnen toxisches Verhalten systematisch. Exzessive Bonuskulturen, fehlende Kontrolle durch Betriebsräte und der Wettbewerbscharakter von Beförderungsprozessen schaffen ideale Bedingungen für skrupellose Aufsteiger.

Eine Studie der Wharton School zeigt parallel, dass narzisstische Führungskräfte Homeoffice ablehnen, nicht aus Produktivitätsgründen, sondern weil Remote Work ihnen die direkte Kontrolle und Anerkennung entzieht, wie t3n berichtet. Die Folgen für Unternehmen sind gravierend: Machiavellistisch geprägte Chefs brechen häufiger Versprechen, beuten Mitarbeiter aus und ignorieren ethische Standards. Die Mitarbeiterzufriedenheit sinkt, die Fluktuation steigt. Trotzdem fördern klassische Karrieresysteme genau diese Typen.

Business Punk Check

Die Trierer Studie demaskiert ein unbequemes Wahrheitsgebot der Arbeitswelt: Moral ist kein Karrierefaktor, sie ist ein Hindernis. Während HR-Abteilungen von „Werteorientierung“ schwadronieren, belohnen reale Beförderungsprozesse Manipulation und Sabotage. Die Lösung? Strukturen ändern statt Symptome beklagen.

Vorgesetztenbeurteilungen durch Teams, transparente Beförderungskriterien und der Abbau von Winner-takes-all-Kulturen könnten gegensteuern. Aber seien wir ehrlich: Solange Vorstände selbst zu 14,5 Prozent über dem Machiavellismus-Durchschnitt liegen, fehlt der Wille zur Veränderung. Unternehmen bekommen die Führungskräfte, die ihr System hervorbringt. Wer Arschlöcher belohnt, sollte sich nicht wundern, wenn sie oben ankommen.

Quellen: t3n, Manager Magazin, SWR, Universität Trier, WirtschaftsWoche Blog, idw-online, Antenne Trier

Das könnte dich auch interessieren