Work & Winning Yusaku Maezawa: Unternehmer, Milliardär und Weltraumtourist

Yusaku Maezawa: Unternehmer, Milliardär und Weltraumtourist

Aber da sind wir ja wieder bei den Zahlen, zu denen Maezawa eigentlich lieber schweigt. Versuchen wir es anders: Ist er als Kunst liebender Mensch am Ende vielleicht davon beseelt, dass sein Konzern derart aufgestellt ist und geführt wird, dass er am Ende Kunst ist – sollte er dann der Logik des Gründers zufolge nicht auch zum Weltfrieden beitragen? Maezawa überlegt kurz, nickt. „Ja.“ Wie denn? „Die Produkte, die wir machen, müssen den Leuten wirklich etwas bringen. Ich würde nichts produzieren, was nicht echt innovativ ist. Bloßer Preiskampf mit der Konkurrenz interessiert mich nicht.“ Ihn interessiert vielmehr der Prozess, durch den etwas Großartiges entsteht. Etwa sein Konzern, der groß und größer wird. Oder schlichtweg Kunst.

Wenn Maezawa verkündet, Künstler mit in den Orbit zu nehmen, meint er es ernst. Er hat einen beeindruckenden Track Record als Sammler, kaufte auf Auktionen immer wieder teure Objekte. Im Mai 2017 gönnte er sich bei einer Auktion ein Werk des früh verstorbenen New Yorker Graffiti- und Zeichenkünstlers Jean-Michel Basquiat. Den Preis kennt Maezawa ganz genau, stolz sagt er, der ansonsten auf Japanisch kommuniziert, ihn auf Englisch: „110 Mio. Dollar!“ Plötzlich aufgerichtet in seinem Stuhl, die Augen aufgerissen, gesteht er: „Als ich das Bild in den Händen hielt, zitterte ich am ganzen Körper.“ Die große Geste ist Maezawa alles andere als fremd. Vielleicht mit Kalkül: Ein Sprecher des Unternehmens sagte in einem Interview mit „Forbes Japan“, dass sein Chef bei seinen teuren Ersteigerungen oder eben auch dem Trip Richtung Mond sein Image kultiviere. Je bekannter er selbst wird, desto wuchtiger soll das Bild vom Unternehmen Zozo werden.

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Maezawa sagt: „In letzter Zeit denke ich viel an die Mondreise.“ Als er den Kontakt zu Musk herstellte, sei alles ziemlich schnell gegangen. Mitbewerber um die Tickets seien nicht das Problem gewesen. „Elon war froh über meine Anfrage und meine Idee mit den Künstlern.“ Zuvor habe Yusaku Maezawa nie sonderlich über den Mond nachgedacht, nicht mehr als jeder andere Mensch, der ihn abends am Himmel sehe. Aber als er von der Möglichkeit einer Reise dorthin hörte, war ihm nichts zu teuer. Wie viel Geld er für die Expedition hingelegt hat, bleibt geheim. Deutlich mehr als die 110 Mio. Dollar für das Bild von Basquiat müssen es aber schon gewesen sein, denn die Reise ins All, heißt es, sei seine bisher größte persönliche Ausgabe.

Der Furz im All

Vielleicht wird daraus demnächst mal ein Museum in seiner Heimatregion Chiba östlich von Tokio entstehen. Darin sollen einige der Kunstwerke zu sehen sein, die er bereits erworben hat. Erzeugnisse von der Mondreise könnten dazukommen. Er will unbedingt teilen. „Erfolg bedeutet heute doch teilen“, sagt er. Man betrachte die Geschäftsmodelle von Facebook und Google, die, wenn auch keineswegs uneigennützig, auf der Idee der Sharing Economy beruhen. Maezawa will die Kunst zugänglich machen, in die er viel Geld investiert hat. Und will auf diese Weise eben neue Ideen provozieren.

Was könnte ihm selbst einfallen, wenn er erst einmal im All ist? Maezawa sagt: „Furzen.“ Warum gerade das? „Ich habe einige Berichte der Nasa gelesen. Die beschreiben ausführlich die verschiedensten Dinge und Vorgänge. Aber ich weiß noch nicht, was da oben aus einem Furz wird.“ Okay. Also das Spiel mitspielen: Was, wenn er in der Schwerelosigkeit von seiner Verdauung im Stich gelassen wird? Hat er etwa einen speziellen Diätplan, damit da bei seinem geplanten Experiment auch auf gar keinen Fall etwas schiefgeht? Maezawa winkt ab, den braucht er nicht: „Ist egal, was ich esse. Ich habe sowieso den ganzen Tag Blähungen.“

Das also ist der Mann, der bald vom Raumschiff aus zu uns auf die Erde herunterschauen wird. Waren die ersten Weltraum-Touris noch staunende Millionäre, kreisen bald die noch Reicheren, die Lauten, die Irren, die Seltsamen, die nie so richtig Greifbaren um den Mond. Maezawa und Musk, zwei Typen, die wissen, dass es wieder mal eng wird für die Menschheit. Die sicherlich auch eine ganz genaue Vorstellung davon haben, wem das Drehbuch die Rolle der Weltenretter zugedacht hat.

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