gesundheit! · Bitcoin

Zu Unrecht gelten Bitcoins als ökologische Dreckschleudern. Die Branche ist heute schon grün – teils wird mit 100 Prozent Wasserkraft geschürft 

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Lesezeit4 Min · 772 Wörter

Gastbeitrag von Valentine Pleser, Co-Founder Green Mining Dao

Auf Kryptowährungen setzt die Finanzbranche große Hoffnungen. Doch in puncto Nachhaltigkeit wirken sie wie ein Fossil. Nach landläufiger Meinung haben Bitcoins und vor allem deren Entstehungsprozess – das Schürfen – die Umweltbilanz eines chinesischen Kohlekraftwerks und den Energieverbrauch mittelgroßer Staaten. Ein Image, das falsch ist und selbst früher in dieser Absolutheit nicht gestimmt hat. Die Bitcoin-Branche ist um Lichtjahre sauberer als ihr Ruf und der wohl grünste globale Wirtschaftszweig überhaupt. Fast 55 Prozent der neu geschürften Bitcoins werden via Erneuerbaren Energien gewonnen, ja Mining treibt sogar den Ausbau von Wind- und Solarkraft an. Generell kann der Bitcoin auf alle 17 UN-Nachhaltigkeitsziele – im wahrsten Sinne des Wortes – einzahlen. Zeit also, neben den unbestreitbar praktischen und innovativen Aspekten auch die Reputation des Bitcoins völlig neu zu bewerten. 

Natürlich kommen dieser Fortschritt und die vielleicht selbst für viele Businesspunk-Leser großartigen Neuigkeiten nicht von ungefähr. Vielmehr steht die Bitcoin-Community, allen voran die Miner, an der Spitze der Bewegung und haben kräftig investiert. Unsere Firma, Green Mining DAO, schafft das Schürfen sogar mit 100 Prozent erneuerbaren Energien. 2023 haben wir auf diese Weise 25 Bitcoins kreiert. Wie packen wir das als Berliner Fintech? 

100 Prozent Wasserkraft 

Leider noch nicht durch Energie- und Windenergie aus Deutschland – wir arbeiten allerdings daran. Stattdessen stehen unsere Rechnerzentren in Paraguay. Sie speisen sich durch das Wasserkraftwerk Itaipú an der Grenze zu Brasilien, eines der größten seiner Art weltweit. Unsere Großrechner ziehen den Strom dabei nicht nur aus 100 Prozent nachhaltiger Energie. Sie ist auch besonders günstig, verglichen mit den globalen Durchschnittskosten bei der Produktion von Kryptowährungen. Unser Strompreis liegt bei nur 4 bis 5,5 Cent pro Kilowattstunde. 

Die Erzeugung eines Bitcoins kostet uns nach dem Halving Ende April 35.000 bis 42.000 US-Dollar Energie, je nach Difficulty-Grad. Ende Juni lag der Bitcoin-Preis bei 61.200 Dollar. Da Strom den Löwenanteil unserer Gesamtkosten ausmacht, können wir derzeit rund 30 Prozent unter Marktpreis generieren. Anders als andere Produzenten, die nach dem Halving nicht mehr effizient Bitcoins schürfen können – da dies den Mining-Aufwand auf einen Schlag verdoppelt hat. Die Marktbereinigung ist in vollem Gange. 

Mangos und Mining: Eine süße Kombination 

100 Prozent erneuerbare Energie erscheinen bereits unschlagbar. Doch es geht noch besser: Beim Mining produzieren die Rechner unglaublich viel Wärme. Diese blasen wir nicht einfach so in die ohnehin schon tropisch heiße Luft. Stattdessen verwenden wir sie energieeffizient weiter: Wir trocknen so Mangos und vermarkten sie als Bitcoin-Mango. Damit vermeiden wir zusätzlich jenen CO2-Ausstoß, der im traditionellen Trocknungsprozess von Dörobst entsteht: Bei Nutzung der Abwärme eines Megawatts unserer Mining-Anlage sind das pro Monat 2,5 Tonnen CO2. 

Aber nehmen wir nicht Einheimischen die Energie weg? Nein, auch hier gehen wir behutsam vor. Ohnehin verbraucht Paraguay nur einen kleinen Teil selbst. Wir planen ab Q3 2024 nur dann zu schürfen, wenn Menschen oder Unternehmen in der näheren Nachbarschaft gerade weniger Strom benötigen, als zur Verfügung steht. Ziel hierbei ist, dass kein Strom ungenutzt bleibt und zugleich kein Versorgungsengpass entsteht. Die Anlagen können diesen Rhythmus gut bewerkstelligen. Genauso machen es auch einige andere Miner weltweit. 

Ökologie mit Profit

30 Prozent unter Verkaufspreis produzieren. Mehr als 100 Prozent ökologisch. Wäre es nicht toll, direkt dabei zu sein und die gesamte Bitcoin-Bilanz noch ein wenig besser zu machen? An unserer Idee, natürlich auch ein Geschäftsmodell zum Geldverdienen, kann man sich beteiligen. 

Wir wollen Bitcoins für Privatpersonen und Kleinanleger bereits beim Miningprozess zugänglich machen, allerdings auf fairer Art und Weise: eins zu eins zu den Produktionskosten. Bei uns bekommt man reale Anteile an der Firma, die die Bitcoins schürft, eine Gesellschaft nach Schweizer Recht. Dafür erhält man Security Token, die die Firmenanteile darstellen, auf die wiederum vierteljährlich eine Dividende gezahlt wird. Der Profit ergibt sich aus dem Umsatz, also den von uns geschürften Bitcoins, abzüglich Stromkosten, weiterer Geräte- und ähnlicher Kosten, Abschreibung und Betriebskosten. Wir erheben keinerlei Gebühren, weder offiziell noch versteckt, sondern verdienen nur an unserem 20-prozentigen Firmenanteil und den entsprechenden Dividenden. 

Mining treibt Ausbau erneuerbarer Energien

Mining ist also schon heute nachhaltig. Ja Rechnerfarmen weltweit sorgen sogar für einen massiven Ausbau erneuerbaren Energien, da deren Betreiber so jederzeit ihren Strom loswerden – den sie bei Überkapazitäten mitunter mit Zuzahlungen verkaufen müssten. Es ist daher Zeit, die Legende auszurotten, dass Bitcoins und Ökologie so unvereinbar wie Feuer und Wasser sind. Wer in die richtigen Konzepte investiert, beteiligt sich nicht nur an einer bahnbrechenden Zahlungsform, sondern macht die Bitcoin-Zukunft noch ein bisschen grüner. 

Portrait Valentine Pleser

Valentine Pleser

Valentine Pleser, Co-Founder Green Mining Dao