Das Unternehmen Botswatch spürt Fake Accounts im Netz auf

Spätestens seit der US-Wahl sind Social Bots ein hochbrisantes Thema. Dabei handelt es sich um automatisierte Fake-Accounts, die sich als Menschen ausgeben. In sozialen Netzwerken wie Twitter posten, sharen, kommentieren und liken sie Inhalte. Sie bauen sich ein Netzwerk auf, folgen realen Nutzern und schreiben ihnen Nachrichten. Kurz: Sie sind ein einfaches Werkzeug, um Meinungsmache zu betreiben.

Botswatch hat sich auf die Identifikation von Social Bots und deren Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung spezialisiert. Das Unternehmen hat ein Tool entwickelt, das soziale Netzwerke – insbesondere Twitter – in Echtzeit scannt. Es ist quasi „ein Röntgenblick ins Internet“, wie es Geschäftsführerin Tabea Wilke erklärt. Vor allem, wenn die Stimmung in der Bevölkerung angeheizt ist, etwa in Wahlperioden oder nach Terroranschlägen, nehmen Social Bots so richtig Fahrt auf, so Wilke. Das Tool arbeitet mit unzähligen Kriterien, um Fake Accounts zu erkennen.

Rechtzeitig gegensteuern

Botswatch betreibt permanente Datenanalyse und IT-Forensik. Das heißt: Es werden Accounts erfasst, analysiert und ausgewertet, die Unregelmäßigkeiten aufweisen. Was für Unregelmäßigkeiten das genau sind, und wie das Tool genau funktioniert, möchte Botswatch nicht preisgeben.

Was Botswatch so attraktiv für Dritte macht: Das Unternehmen erkennt die Aktivitäten von Social Bots schon sehr früh. So früh, dass sie Nachrichtenagenturen und auch Medienunternehmen rechtzeitig Auskünfte darüber geben können, ob es sich bei bestimmten Accounts um zuverlässige Quellen handelt oder nicht.

Aber auch Firmen profitieren von der frühzeitigen Erkennung von Social Bots, um Reputationsschäden, wie Wilke sie nennt, zu vermeiden. Erkennt eine Firma frühzeitig Social Bots, kann diese eine Kommunikationsstrategie entwickeln, um auf etwaige – gefakte – Meinungsmache zu reagieren. Die Fake Accounts löschen kann Botswatch nicht, das muss Twitter tun – und das kann bekanntlich dauern.

Auf einen Blick: Wie viel Prozent der Meinungsäußerungen entfallen auf Fake Accounts? Credit: Botswatch

„Die Technologie von Social Bots ist an sich nichts Schlechtes. Es kommt darauf an, wie die Bots eingesetzt werden“, sagt Wilke. Und das ist das Problem: Social Bots werden oft zu Manipulationszwecken eingesetzt. Ihre Ziele seien „die Spaltung der Gesellschaft voranzutreiben und Unzufriedenheit zu schüren“, so die Geschäftsführerin. Gerade im politischen Kontext werden viel und gerne Social Bots eingesetzt. Hier setzt das Unternehmen an und untersucht, wie groß die Beteiligung von Social Bots an politischen Diskussionen ist.

Social Bots seien also die Fake-News-Schleuder schlechthin, die nicht nur Reichweite, sondern auch Impact erzielen, meint Wilke. Schließlich würden die Bots Themen auf die Agenda setzen, die gegebenenfalls von Journalisten in den Medien gepusht werden und so Raum in der weiten Öffentlichkeit finden. Das sei dann gefährlich. Andere messen Social Bots eine geringere Bedeutung bei, da bloßer Reach nicht gleich Impact bedeute: Nur, weil Fake-Inhalte über den Feed vieler Nutzer laufen hieße das nicht, dass zum Beispiel das Kreuz auf dem Wahlzettel davon beeinflusst wird.

Tabea Wilke betont auch, dass Social Bot nicht gleich Social Bot sei. Nicht alle werden als Manipulatoren eingesetzt. Andere streuen zum Beispiel nur Informationen über eine Firma oder über gewisse Themen, um die Sichtbarkeit im Netz zu erhöhen.

Ran an die Börse

Erst Mitte März war Botswatch auf der SXSW in Austin für den „Interactive Innovation Award 2018“ in der Kategorie „Privacy und Security“ nominiert. Als nächsten Schritt möchte das Unternehmen sich zusätzlich auch den Finanzsektor vorknüpfen. „Der Finanzbereich ist für uns natürlich auch sehr spannend. Gerade an der Börse, wo es um Aktienkurse geht, finden auch viele Manipulationen statt“, so Wilke.

 

 


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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