Bewerbungsgespräch mit Julia Engelmann

Was unterscheidet Sie von anderen Menschen?

Erstaunlich wenig. Ich glaube, tatsächlich, dass ich mich eben nicht viel von anderen unterscheide. In der Uni hatte unser Statistikprofessor uns mal gefragt: Im Vergleich zu Ihren Kommilitonen halten Sie sich für schlauer, weniger schlau oder gleich schlau? 80 Prozent haben gesagt, dass sie sich für schlauer halten. An dem Tag habe ich gelernt, dass ich eben nicht schlauer bin als andere.

Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?

Emphatisch. Faible für mittel-anspruchsvolle Scherzfragen. Konfetti-Liebhabend. Und eine gute Freundin.

Welche drei positiven Charaktereigenschaften fehlen Ihnen? 

Durchgängige Ordnung bewahren. Und was man natürlich in einem Bewerbungsgespräch sagen sollte: Dass ich perfektionistisch bin (lacht).

Sie haben mal gesagt: „Gute Menschen sind die, denen man bedingungslos vertrauen kann.“ Wie stellen Sie möglichst schnell Ihre Vertrauenswürdigkeit in einem neuen Team unter Beweis?

Das ist auf jeden Fall etwas, das Zeit braucht. Ich würde sagen, da gibt es keinen Trick. Es setzt sich eher zusammen aus richtig vielen Sachen: Wie einfühlsam man mit dem Leben und den Informationen anderer Menschen umgeht. Wie aufmerksam man ist.

Was ist Ihnen wichtig an anderen Menschen?

An deren Gedanken teilhaben zu können – Empathie. Über philosophische Fragen sprechen zu können. Dass jemand das Spektrum von SpongeBob bis Kant irgendwie drauf hat.

Julia Engelmanns Poetry Slam „Eines Tages, Baby“ ging 2013 viral.

Was können Sie so absolut gar nicht?

Turnen. Ich erinnere mich an Turnen bei den Bundesjugendspiele in der siebten Klasse: Da bin ich einfach weggelaufen und habe mich auf der Toilette versteckt.

Was war bisher Ihr größter Misserfolg?

Das ist fast schon eine philosophische Frage, wie man Misserfolg definiert. Ich habe mich mal an einer Schauspielschule beworben und das hat nicht geklappt. Das hat sich damals als totaler Misserfolg angefühlt. Aber im Nachhinein: Erfolg und Misserfolg ergibt sich eher daraus, wie man mit Situationen umgeht.

Wovor haben Sie am meisten Angst?

Meine Zeit nicht richtig zu nutzen. Ich habe heute Morgen angefangen „The Opposite of Loneliness“ zu lesen. Zeit beschäftigt mich sehr – wie eben bei dem „Eines-Tages“-Konzept.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie von ihren Eltern gelernt haben?

Mich zu trauen, ich selber zu sein. Ich glaube ich war viel unglücklich, wenn ich dachte, ich bin nicht so cool wie andere. Ich bin nicht im gleichen Golf-Club, habe nicht die gleichen Klamotten an, bin nicht so gut im Party machen wie die anderen. Einfach ich selber bleiben.

Mit Ihren Auftritten und 200.000 Likes auf Facebook stehen Sie auch im Blickfeld der Öffentlichkeit. Sehen Sie sich als Vorbild?

Es gibt diesen Satz im Schauspiel: Den König spielen immer die anderen. Ich glaube es würde nicht funktionieren, wenn ich mich auf ein Podest stelle und rufe: Leute, ich mach was vor, so solltet ihr das auch machen! Ich glaube, es ist eher wie eine Beziehung. Ich gebe was von mir preis und dann gibt es Leute die sagen: Ok, das ist interessant, wie sie denkt. Und in den Emails, die ich bekomme, sagen mir schon Leute: Oh man, das hat mich voll ermutigt. In der Hinsicht, dann schon. Wenn ich ein Vorbild für andere sein kann, was gute Eigenschaften angeht, dann finde ich das schön.

Inwiefern beeinflusst Sie das?

Es bestärkt mich höchstens. So ehrlich wie möglich zu sein und zu leben und so wahrhaftig wie möglich zu versuchen, man selber zu sein und auch anderen zu zeigen, dass das ok ist.

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