Dreck des Mitbewohners als Kunst: Die Werke der “Passive Aggressive Art Gallery“

Menschliches Miteinander ist ja ein sehr komplexes Thema. Vor allem dann, wenn es um die verschiedenen Formen des Zusammenlebens geht. „Willst du mit mir zusammenziehen?“ Ganze Beziehungskrisen und Trennungen resultieren aus dieser einfach anmutenden Frage. Im Idealfall weiß man vorher, ob der Partner auch wohntechnisch zu einem passt. Wer aber zum Mitbewohnercasting eingeladen wird, weiß oft nicht, auf was er sich einlässt. Da gibt es die Zweck-WG, die Mädels- oder Jungs-WG oder die Kuschel-WG. Und dann gibt es noch die unordentlichen bis schmutzigen WGs. Pech hat, wer die erwischt. So auch der amerikanische Comedian Justin Cousson, der wohl einen solchen schmutzigen Mitbewohner hat.

Und was macht man, nachdem das anfängliche Tolerieren, alle freundlichen Hinweise und später auch die ernster gemeinten nichts helfen? Entweder man wird laut, streitet sich, zieht vielleicht sogar aus. Oder man macht es wie Justin Cousson und bedient sich der hohen Kunst des passiv-aggressiven Humors und der Prangerfunktion des Internets, um den Mitbewohner zur Einsicht zu bringen. Er erklärte den ganzen Schmutz einfach kurzerhand zur Kunst und eröffnete eine „Kunstgallerie“ mit den Fotos der Werke im Internet. Da ist zum Beispiel das Werk mit dem Titel „Forgotten Milk, Left to Actively Go Rancid in Fridge Far Beyond Sell-By Date“ für 900 Dollar. „Sour cream covered spoon, left in sink before leaving town for four days“ ist für 3400 Dollar zu haben. Etwas billiger, obwohl aufwendiger ist „Clothes Left in Dryer Overnight, Then Another Night, Then…“ für 1395 Dollar.

Die beträchtliche Anzahl der kontinuierlich aktualisierten Gallerie auf Instagram wirft dann doch die Fragen auf, ob der Mitbewohner überhaupt lernfähig ist und wieso Cousson noch immer dort wohnt. Aber alle Künstler brauchen eben ihre Muse. John Lennon hatte seine Yoko Ono, Dalí seine Gala, Diego Rivera seine Frieda Kahlo. Insofern bleibt wohl nur zu hoffen, dass sein Mitbewohner weiterhin so unordentlich bleibt. Wie anders könnte aus Justin Cousson, wie die Daily Mail schreibt, sonst der neue Marcel Duchamp werden?


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