Die Gründer von GMX sind mit einem neuen Startup zurück

Das Startup ist als Aktiengesellschaft organisiert, wobei die 70 Aktionäre aus einigen Mitarbeitern, vor allem aber aus Freunden und Familienmitgliedern der Gründer bestehen. Deswegen lastet auf den Gründern ein besonderer Erfolgsdruck. Das Ding vor die Wand zu fahren sei keine Option, sagt Dolatre. Dann könnte er seiner Familie nicht mehr in die Augen schauen.

Mittlerweile arbeiten bei Brabbler etwa 60 Leute aus 20 Nationen an einer Kommunikationsplattform mit dem Namen Ginlo (ein Anagramm von „Login“), die es ihren Nutzern erlauben soll, Kurznachrichten, Mails, Dokumente, Videos und Fotos auszutauschen sowie Termine abzustimmen, ohne dass die NSA oder sonst jemand Zugriff auf die Daten hat. Anders als die Messenger-Anbieter aus dem Silicon Valley wollen die Brabbler-Gründer von ihren Nutzern keine persönlichen Daten verlangen, sondern Geld. 3 Euro im Monat soll die Benutzung von Ginlo kosten oder 30 Euro im Jahr. Andere Firmen bieten ähnliche Services und das billiger oder kostenlos und tun sich trotzdem schwer, gegen Whatsapp zu bestehen.

Doch die Brabbler-Gründer glauben an ihr Produkt: „Unser Businessplan ist extrem konservativ“, sagt Dolatre.

Sie zielen zunächst nur auf den europäischen Markt. „Wenn wir in den nächsten Jahren einen schönen siebenstelligen Nutzerstamm haben, sehen wir das schon als Erfolg“, sagt Schramm. Zum Vergleich: Whatsapp hat mehr als eine Milliarde Nutzer.

Es wird immer später

Eigentlich sollte Ginlo längst live sein, die Betaversion im vergangenen Herbst starten. Aber der Launch verzögert sich. Schramm sieht es gelassen. „Softwareentwicklung ist eine Art Kunst, und Künstler brauchen Freiräume“, sagt er. Auch den zweiten angepeilten Starttermin im Frühjahr 2017 haben sie gerissen. Nun soll die Betaphase im Sommer beginnen.

Zur Verzögerung hat auch beigetragen, dass sie ihre Verschlüsselungstechnologie geändert haben und von PGP auf Elliptische-Kurven-Kryptografie umgestiegen sind. Zudem hatte Brabbler Probleme, geeignete Mitarbeiter zu rekrutieren. In München konkurrieren sie mit Konzernen wie Microsoft und Siemens. Und der dortige Wohnungsmarkt ist mittlerweile so angespannt, dass es schwierig ist, neue Kräfte in die Stadt zu holen. Aktuell sind 20 Stellen unbesetzt.

Auch die vier Gründer des Rentner-start-ups mussten lernen, dass der Aufbau eines IT-Startups heute anders läuft als in den 90ern. Scrum zum Beispiel. Keiner hatte Erfahrung damit. Schramm fiel es anfangs nicht leicht, sich an die agile Projektmanagementmethode zu gewöhnen, gibt er zu. Und er glaubt, Scrum beschränke die Kreativität mancher Entwickler. „Ich sehe das schon ein bisschen wehmütig“, sagt er. Aber die jungen IT-Profis würden nun mal drauf bestehen.

Ihr eigener Anspruch hat sich ebenfalls geändert: Es gehe hier nicht darum, das Unternehmen nach wenigen Jahren wieder zu verkaufen, so wie sie es mit GMX gemacht haben. „Das ist ein Herzensprojekt“, sagt Brabbler-CEO Dolatre. „An diesem Unternehmen sollen auch unsere Kinder und Enkel noch Spaß haben und es weiterführen.“ Sprich: Er will aus seinem Rentnerstartup ein Familienunternehmen machen.

Der Text stammt aus der aktuellen Ausgabe 03/2017. Titelgeschichte: “Besser als Tindern. Mitgründerin Whitney Wolfe verließ Tinder im Streit. Jetzt bekämpft sie mit der Dating- und Networking-App Bumble Sexismus.“ Mehr Infos gibt es hier.


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