Leadership & Karriere Studie zeigt: Arbeitszeugnisse werden “lieblos zusammengeschustert” und nur “oberflächlich zur Kenntnis genommen”

Studie zeigt: Arbeitszeugnisse werden “lieblos zusammengeschustert” und nur “oberflächlich zur Kenntnis genommen”

Brauchen wir heute noch Arbeitszeugnisse? Ausgestellt bekommt man den wohlwollenden Leistungsnachweis nach einer Kündigung in jedem Fall, denn dazu ist der Arbeitgebende verpflichtet. Doch wie sinnvoll ist das überhaupt?

Verbringt man ein wenig Zeit mit der Jobsuche, dann stellt man – je nach Branche, Wohnort und Position – schnell fest: Besonders wichtig scheinen Arbeitszeugnisse heute nicht mehr zu sein. Über viele Bewerbungsmasken kann man die Zeugnisse heute gar nicht mehr bei den Personalverantwortlichen einreichen und im darauf folgenden Bewerbungsprozess kräht meist auch kein Hahn mehr danach.

Tatsächlich zeigt eine Studie, dass die Erstellung von Arbeitszeugnissen meist sinnfreie Rituale sind, deren Wichtigkeit immer weiter abzunehmen scheint. Bereits zum Zeitpunkt der Studie im Jahr 2016 nutzte jedes zweite Unternehmen bei der Personalauswahl die Arbeitszeugnisse gar nicht oder nur weniger intensiv – es ist anzunehmen, dass dieser Wert heute noch höher liegt. Doch warum ist das so und wo liegt überhaupt das Problem?

Arbeitszeugnisse schreiben muss nicht gelernt sein

Das Problem beginnt dabei, wer die Zeugnisse überhaupt schreibt – und wie sie geschrieben werden. Jede zweite Person, die Zeugnisse erstellt, hat nie eine Schulung für diese Tätigkeit erhalten. In kleinen Unternehmen sind es sogar acht von zehn Verantwortlichen. Da stellt sich natürlich die Frage: Verfügt die Person dann tatsächlich über die Fähigkeit, ein faires, sinnvolles Arbeitszeugnis zu erstellen?

Auf der anderen Seite ist das vielleicht auch egal, betrachtet man die Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Zeugnisauswerterinnen und Zeugnisauswerter nie gelernt hat, wie die Analyse überhaupt richtig funktioniert…

Fehlende Individualität und der Konflikt des Wohlwollens

In der Realität werden Zeugnisse noch dazu kaum individuell verfasst – vielleicht auch weil die Schreibenden ja auch gar nicht genau wissen, wie das überhaupt geht? Lediglich 7,3 Prozent der Zeugnisse sind individuell angefertigt. Der Rest wurde mithilfe von Zeugnisgeneratoren und Textbausteinen aus eigener Produktion, aus der Literatur oder aus dem Internet erstellt.

Doch wenn das Zeugnis nicht individuell erstellt wird, sagt es dann wirklich etwas über die individuelle Arbeitsleistung aus? Noch dazu stellt viele Unternehmen das gesetzlich geregelte Wohlwollen der Zeugnisse und die damit verbundene Angst vor rechtlichen Konsequenzen vor die Herausforderung, dass sie schwache Leistungen oder negatives Verhalten im Text gar nicht thematisieren. Auch das spiegelt wieder, wie eingeschränkt der Sinn dieser Zeugnisse ist. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass nur jedes zweite Unternehmen die Aussagekraft der selbst erstellen Zeugnisse als hoch einschätzt.

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