Leadership & Karriere 80 Millionen Kursverlust für einen Rücktritt: Niehage wirft bei FlatexDegiro hin

80 Millionen Kursverlust für einen Rücktritt: Niehage wirft bei FlatexDegiro hin

Obwohl der Onlinebroker bei Umsatz und Ergebnis vorankommt, gab es zwischen CEO Frank Niehage und Großaktionär Bernd Fötsch Ärger um die richtige Strategie. Jetzt hat sich der Haupteigentümer erst einmal durchgesetzt. Die Aktionäre reagieren entsetzt.

Paukenschlag zum Wochenauftakt. Beim Onlinebroker FlatexDegiro wirft der Vorstandsvorsitzende Frank Niehage das Handtuch und erklärt seinen Rücktritt zum Monatsende. Die Gründe dafür seien „unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Entwicklung und zum Wohle des Unternehmens“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns. Einen Nachfolger hat das Unternehmen auf die Schnelle noch nicht. „Der Aufsichtsrat der Gesellschaft hat die Suche nach einem passenden Nachfolgekandidaten eingeleitet“, heißt es in der Pressemitteilung. Bis auf weiteres sollen Finanzvorstand Benon Janos sowie Technologievorstand Stephan Simmang als Co-CEOs das Unternehmen leiten.

An der Börse sorgte die Nachricht für einen Kursrutsch. Die Börsennotiz von 10,50 zur Eröffnung fiel bis zur Mittagszeit auf Werte von 9,70 Euro. Rechnerisch sind damit durch den Rücktritt an einem Vormittag etwa 80 Millionen Euro vernichtet worden.

Hintergrund der spektakulären Unruhe: Die ungewöhnlich aktivistische Kritik von Großaktionär Bernd Förtsch. Der Investor aus Kulmbach hatte öffentlich allerlei Kritik am Unternehmen geäußert und angekündigt, Niehage und Aufsichtsratschef Martin Korbmacher auf der Hauptversammlung im Juni nicht zu entlasten. Förtsch ist mit rund 19 Prozent der größte Aktionär von FlatexDegiro.

Niehage weicht dem Machtkampf mit Förtsch nun offenbar vor der Hauptversammlung aus. In der Presseerklärung kündigt er zugleich aber an: „Ich werde FlatexDegiro auch weiterhin als Aktionär verbunden bleiben.“

Der Aufsichtsrat wiederum dankt Niehage demonstrativ „für seine überaus erfolgreiche Arbeit in den vergangenen zehn Jahren. Unter seiner Führung ist FlatexDegiro zu Europas größtem Online-Broker aufgestiegen.“ Die Pressemitteilung kündigt zugleich an, dass man „für das Jahr 2024 „erneut Rekordwerte“ beim Umsatz und Konzernergebnis erwarte. Niehage sei es gelungen, „in einer Phase herausragenden organischen und anorganischen Wachstums ist es ihm gelungen, sowohl die Kundenbasis auf mittlerweile über 2,8 Millionen Kundenaccounts zu verzwanzigfachen und das verwaltete Kundenvermögen von 4 Milliarden Euro auf 58 Milliarden Euro zu steigern als auch das Unternehmen hochprofitabel für weiteres Wachstum aufzustellen.“ Frank Niehage dankt den Mitarbeitern offiziell so: „Ihr habt Großartiges geleistet und seid ein starkes Team, um Europas am schnellsten wachsender Online-Broker zu bleiben.“Niehage war 2014 von der Investmentbank Goldman Sachs   als Vorstandschef zu Flatex  gekommen. Unter seiner Ägide kaufte Flatex den niederländischen Konkurrenten Degiro. FlatexDegiro sprach am Montag von einer „Phase herausragenden organischen und anorganischen Wachstums“ in seiner Ära.

Unklar ist nun, wie es bei FlatexDegiro genau weiter gehen wird. In wenigen Tagen werden die neuen Quartalszahlen veröffentlicht. Wer wird neuer CEO? Macht Förtsch das womöglich selbst? Wie verhalten sich die großen Aktionärsgruppen? Wie reagiert die Bafin? Was bedeutet die Betonung von Niehage, er werde Aktionär bleiben? Wird Flatex womöglich zum Übernahmekandidaten? Der Broker steht vor einem heißen Sommer.

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