Prinz Pi: „Ich bin froh, dass ich eine Außenseiterposition habe“

Großer Output, sozialkritische Texte, Anti-alles-Haltung. Mit dieser Formel erarbeitete sich Prinz Pi in den letzten 20 Jahren den Respekt der Deutschrap-Szene. Inzwischen ist seine Musik sehr viel zugänglicher und erobert die Charts. Mit seinem neuen 14. Album, welches am 3. November 2017 erscheint, will der Berliner noch mehr: Endlich so grundsolide werden, wie es die D-Mark einmal war.

Friedrich, du hast zwei Jahre an „Nichts war umsonst“ gearbeitet, länger als an allen Alben zuvor. Was kommt da?

Ich habe das Album mit zwei langjährigen Freunden gemacht. Die haben gesagt: „Lass uns das ultimative Prinz-Pi-Album machen, das dich als Musiker auf den Punkt bringt, das deine klassischen Themen, deine Steckenpferde nach vorn stellt und irgendwie zeitlos klingt.“ Und das haben wir gemacht.

Okay, die Klischeefrage drängt sich auf: Bist du jetzt angekommen?

Ja, voll. Mein vorletztes Album „Kompass ohne Norden“ war ein Coming-of-Age-Album. Und das danach, „Im Westen nix Neues“, war irgendwie ein Depressionsalbum, vielleicht die letzte Stufe einer Suche. Aber jetzt weiß ich ganz gut, wo ich im Leben stehe, wer ich sein will und vor allem auch, wer ich nicht sein will.

Wer willst du denn sein?

Ich bin total froh, dass ich eine Art Außenseiterposition in der Gesellschaft habe. Das Thematisieren von Anderssein und Andersdenken ist ja auch in meiner Musik ein roter Faden. Wenn du zum Außenseiter gemacht wirst, empfindest du das erst als negativ. Irgendwann kommt aber ein Punkt, da entscheidest du ganz frei darüber. Du hast die Möglichkeit, BWL zu studieren und eine Karriere zu verfolgen, oder du sagst: Ich will was anderes. Dann entscheidest du dich bewusst dafür, Außenseiter zu sein. Ich bin mit dieser Entscheidung sehr glücklich.

Prinz Pi sitzt am Fenster
© Roberto Brundo

Du hast 13 Alben veröffentlicht, die drei jüngsten erreichten Platz eins in den Charts. Aber du hältst dich noch immer für einen Außenseiter?

Es gibt Leute, die sind tausendmal erfolgreicher als ich, aber trotzdem absolute Außenseiter. Zum Beispiel Lady Gaga oder Michael Jackson. Die haben oder hatten mit dem Rest der Popwelt nichts zu tun. Bei mir ist das auch so. Ich habe mit der Musikbranche, speziell der Rapbranche, nicht allzu viel am Hut. Das sind andere Leute als ich. Die haben eine ganz andere Geisteshaltung, die interessieren sich für andere Dinge.

Zusätzlich zum Songwriting arbeitest du an den Produktionen, am Artwork, an der Lichtshow. Warum mischst du überall mit?

Ich glaube, wenn du selbst richtig involviert bist, vertrittst du das mit einer anderen Vehemenz, als wenn man dir die Dinge einfach vorlegt. Und mein Beruf, wenn man so will, ist es halt, an all dem zu arbeiten. Das ist eine supererfüllende Tätigkeit, weil sie sehr abwechslungsreich ist. Es wird nie langweilig, und das hält einen interessiert. Ich will auch gar nicht so festgefahren sein, ich will mir eine geistige Beweglichkeit bewahren.

Du hast mal erzählt, dass du auch an einem Roman arbeitest. Ist das noch aktuell?

Der ist schon fertig. Letztes Jahr habe ich auch ein Kinderbuch geschrieben. Aber ich habe es nicht geschafft, mich darum zu kümmern, die Bücher rauszubringen, weil ich so mit meiner Musik beschäftigt war. Und ich finde es immer doof, wenn man etwas nur halbherzig macht.

Zurück zum neuen Album: Auf dem Cover ist eine 1-D-Mark-Münze mit deinem Konterfei abgebildet. Was hat das zu bedeuten?

Die Mark auf dem Cover steht einerseits für die zwei Seiten einer Münze. Denn eine Hauptnachricht des Albums ist, dass alles zwei Wertigkeiten hat. Alles Negative, das man erlebt, ist ein Lehrstück. Und auch alles Positive ist im Endeffekt Zeit, die das Leben kürzer macht. Außerdem war die D-Mark eine sehr starke, wertstabile Währung. Darum steht die Mark auch für Beständigkeit oder dass man sich auf was verlassen kann. Das möchte ich auch den Hörern mit meinem Album geben.

Beständigkeit und Verlässlichkeit?

Es gibt Künstler, die machen gestern das und morgen das und übermorgen wieder irgendwas anderes. Du kannst dich auf wenige Leute verlassen. Aber dieses Album soll für meine Hörer eine Stütze sein, eine Säule, an der sie sich festhalten und sagen können: Egal, was auf der Welt passiert, wie viele krasse Sachen abgehen – auf den Typen, den ich als Künstler mag, und auf seine Musik kann ich mich verlassen, die ist irgendwie da.

Das Interview mit Prinz Pi stammt aus der aktuellen Ausgabe 05/2017. Titelgeschichte: Gestartet als durchgeknalltes Kondom-Startup berät Einhorn Products jetzt milliardenschwere Konzerne. Mehr Infos gibt es hier.


Tanja Lemke

Tanja ist ehemalige Print-Redakteurin bei Business Punk. Wenn sie nicht gerade über Startups oder Musik schreibt, tingelt sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch irgendein asiatisches Land.

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