Out of Germany: Warum sich Marek Hanusch für Südafrika entschieden hat

In unserer Serie „Out of Germany“ stellen wir Expats vor, die mit ihrem Beruf in die Ferne gezogen sind. Über das Wie und Warum sprechen wir diesmal mit Senior Economist Marek Hanusch, der seit 2015 in Johannesburg lebt.

Marek Hanusch arbeitet bei einer internationalen Entwicklungsorganisation in Südafrika. Nach dem Studium in Essex, Oxford und Harvard arbeitete als Direktor im Finanzministerium von Lesotho, bevor er sich dann auf den Posten als Senior Economist in Südafrika bewarb. Obwohl sein Office in Pretoria ist, lebt er lieber in Johannesburg und pendelt, denn „Johannesburg ist einfach viel spannender.“

Warum hast du dich entschieden, in einem anderen Land zu arbeiten?

Seit meinem Wehrersatzdienst im Libanon wollte ich mich in die Entwicklungsarbeit einbringen und damit die Welt ein kleines Stückchen besser machen. Ich lebe nun seit 16 Jahren im Ausland und seit etwas mehr als zwei Jahren in Südafrika. Dieses Land fasziniert mich seit langem. Als wir in den 1990ern unsere Wende hatten, hatte Südafrika die Freilassung Nelson Mandelas. Es ist ein interessantes und vielfältiges Land mit ebenso viel Potenzial wie Herausforderungen.

Was ist dort besser ist als in Deutschland? 

Südafrikaner erscheinen mir zumeist lockerer als viele Deutsche, mit einer positiven und freundlichen Grundeinstellung. Ich habe schnell gelernt, dass man nicht für alle Fälle planen und sich nicht für alles versichern muss. Ausserdem ist Südafrika ein Land der Kontraste, allein mit seinen 11 offiziellen Sprachen. Es gibt immer unglaublich viel Neues zu entdecken.

Und was sind die Pain Points dort?

Einer der Kontraste, der mir und anderen besonders auffällt, ist die enorme Ungleichheit: Südafrika ist das Land mit der am weitesten auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich. Das geht einher mit hoher Kriminalität und manchmal auch Gewissensbissen bei einem selbst, wenn man sieht, welches Glück man im Leben hatte. Außerdem sind die Winter kälter als die meisten Südafrikaner zugeben. Da kommen dann die Decken raus und man geht mit laufender Nase ins Büro.

Dein „favorite place to work“ in Johannesburg?

Ich arbeite in Pretoria und pendele täglich. Johannesburg ist einfach so viel lebendiger, die vielleicht dynamischste Stadt Afrikas. An Tagen, an denen ich nicht ins Büro muss, arbeite ich gerne in einem der jungen und hippen Cafés in der Grant Avenue in meinem Stadtteil Orange Grove.

Und wo trifft man spannende Leute zum Netzwerken?

Spannende Leute trifft man hier an jeder Ecke. Zum Netzwerken habe ich alltäglich die Chance durch meine Arbeit. Darüber hinaus halte ich mich damit relativ zurück.

Was vermisst du aus Deutschland?

Brötchen natürlich! Und meine Familie. Ich versuche, sie mindestens zweimal im Jahr zu besuchen. Und die langen Tage im Sommer, hier wird es immer sehr früh dunkel. Und, was mir die wenigsten glauben werden: Regen. Wenn immer die Sonne scheint, wird das nämlich auch langweilig.

Business Do´s und Dont´s in Johannesburg?

Obwohl die Apartheid eine Generation zurückliegt ist Hauptfarbe noch sehr in den Köpfen verankert und kann Einfluss darauf haben wie dein Gegenüber interpretiert, was du sagst, was du tust, und was dir widerfährt. Das erfordert eine gewisse Sensibilität.

Könntest du dir vorstellen wieder nach Deutschland zurückzukommen?

Natürlich. Es ist immer noch zu Hause. Besonders die großen Städte finde ich interessant.


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