Nie wieder Tomatensaft: Warum Metro-Tochter “NX-Food“ auf Flugzeug-Food setzt

Verpflegung im Flugzeug ist oft öde und ungesund. Die Metro-Tochter NX-Food peppt die Speisekarten in 10 000 Metern Höhe auf und serviert Startup-Snacks.

Es ist jedes Mal das Gleiche: Man hat sich auf den allerletzten Drücker durch die Sicherheitskontrolle gedrängelt, einen kurzen Zwischenspurt zum Gate eingelegt, den allerletzten Aufruf gehört und im Flugzeug Platz genommen – da meldet sich Kollege Hunger. Massiv. Blick ins Bordmenü: Limonade, Schokolade, Chips, Bier. Superungesund. Und immer, immer dieselben Produkte. Was nun, den öden Murks in sich reinschaufeln? Oder weiterhungern?

„Reisende sind eine sehr vielschichtige Kundengruppe. Sie steigen ja nicht mit der Absicht ins Flugzeug, etwas einzukaufen.“

Dank Clément Tischer wird das bald nicht mehr die Frage sein, zumindest auf den Flügen von Euro- wings. Tischer, der für die Metro-Tochter NX-Food arbeitet, hat gemeinsam mit der Fluglinie und dem Bordverpflegungsdienstleister Retail in Motion einen Wettbewerb ins Leben gerufen, der ab August Abwechslung in die Bordverpflegung bringen wird. Die Idee: Food-Startups können sich mit ihren Produkten bei NX-Food bewerben; wenn die Snacks und Getränke flugtauglich sind und ins Sortiment passen – worüber eine Jury entscheidet –, können sich die Startups mit ihren Produkten vier Monate lange zwei Millionen Fluggästen auf 20 000 Flügen präsentieren.

„Reisende sind eine sehr vielschichtige Kundengruppe“, sagt Tischer. Aber eines eine alle: „Sie steigen ja nicht mit der Absicht ins Flugzeug, etwas einzukaufen.“ Es werde darum sehr interessant sein zu beobachten, wer auf welches der Produkte anspricht. Weil der Mensch eine Gewohnheitstier ist, bekommen die Startups außerdem die Chance, sich und ihre Produkte etwas ausführlicher vorzustellen.

Neuland in den Wolken

Das ist auch notwendig: Sowohl die Energy Balls von Karl Karlo und der Energydrink 2Kiq Energieliebe als auch das Funktionsgetränk Nouri Boost Shot und das Popcorn von Wildcorn sind so speziell und spezialisiert, dass sie etwas Erklärung bedürfen. Alle vier Produkte folgen zwei aktuellen Großtrends des Foodmarkts: Einerseits ist das Funktionsernähung, die wacher, konzentrierter oder energetischer macht, ohne schlicht auf Ko ein oder Zucker zu setzen. Und andererseits leichte Snacks für nebenbei, die weder fettig noch kohlehydratreich sind. Clément Tischer glaubt: genau das, was ernährungsbewusste Reisende bisher an Bord vermissen.

Auch für Tischer und NX-Food sind die Produkttests in der Luft Neuland. Zwar sammelt die Metro-Tochter bereits in Testmärkten des Mutterkonzerns über mit Neuheiten bestückte Regale Erfahrungen und Daten für den Markteintritt, doch ein komplettes Flugzeug als Fokusgruppe? Das ist sowohl für NX-Food als auch den Projektpartner Eurowings eine Premiere.

Denn die Airlines haben ein großes Interesse daran, das Flugerlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten – und dazu gehören auch innovative Foodprodukte. Aber nicht nur das: Wenn die Produkte im Flugzeug gut gegen Limonade und Snacks „benchen“, wie Tischer es formuliert, haben sie auch die Chance, ins reguläre Sortiment von Retail in Motion aufgenommen zu wer- den. Um dann eventuell bei anderen Airlines im Menü zu landen. Und abgehetzten Reisenden, die in letzter Sekunde in ihren Sitz fallen, ein bisschen bessere Laune und weniger Food-Koma zu bescheren.


Daniel Erk

Daniel Erk hat Politikwissenschaften und Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Göttingen und Berlin studiert. Er arbeitet als freier Journalist, wohnt in Berlin und schreibt, neben Business Punk, unter anderem auch für ZEIT Campus, Neon und DIE ZEIT.

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