Dieser Comedian bietet Standup-Workshops an – und Microsoft hat schon zugeschlagen

Wie bringt man seinen Mitarbeitern freies Reden und selbstbewusstes Auftreten dabei und stärkt nebenbei noch den Teamgeist? Ganz einfach, mit einem neuseeländischen Comedian und Standup-Skills. Genau das bietet Com4Com an. Was das genau ist, haben wir uns mal angeschaut:

Flachwitze für das nächste Einhorn?

Die Atmosphäre erinnert ein bisschen an den ersten Schultag: Keine der drei Frauen oder der sechzehn Männer kennt sich, im Stuhlkreis der jungen Gründer herrscht erwartungsvolle Anspannung. Das soll sich in den nächsten Minuten ändern.

Dafür sorgen der Neuseeländer Willy und der Brite Jim, die Erfinder von Com4Com, kurz für Comedy for Company. Die beiden touren durch Europa und haben ihren Workshop schon für Studenten, für Flüchtlinge, Wohltätigkeitsorganisationen und natürlich Unternehmen angeboten. Heute sind sie in Berlin, genauer bei Microsofts Startup-Inkubator ScaleUp. Hier sollen innerhalb von vier Monaten Mitarbeiter und Gründer von elf Tech-Startups lernen, zusammenarbeiten und gemeinsam wachsen. Heute, an ihrem ersten Tag, reißen sie aber erst einmal Witze.

Denn die Idee hinter Com4Com ist folgende: Techniken aus der Standup-Comedy sollen den Teilnehmern helfen, freier zu reden, sich besser darzustellen und die Kollegen mal von einer anderen Seite zu sehen. Für die Comedy ist Willy verantwortlich, während Jim darauf achtet, dass Zeiten eingehalten werden und alles nach Plan läuft. Oder in Willys Worten: „If it’s just me, it takes six hours. Just him, and it’s not funny.“ Beide lachen, denn etwas derber darf es ruhig zugehen, darauf verweist Willy schon am Anfang des Workshops.

Auftreten ist alles

Wirklich los geht es dann mit kurzen Witzen, jeder Teilnehmer trägt einen vor. Die Witze sind zwar wirklich flach – „My penis was in the Guinness book of world records. But then the librarian told me to take it out.“–, erfüllen aber ihren Zweck: die Gründer werden lockerer. Bald erfüllt angeregtes Tratschen den Raum.

Schon während der Erläuterung des Tagesablaufs lässt Willy beiläufig die vielleicht wichtigste Lektion fallen: Deliverance makes the comedian, not the joke. Sprich: Auftreten ist alles.

Dann startet der eigentliche Workshop. Die Gründer sollen sich in Kleingruppen Startups ausdenken und sie am Ende als Powerpoint-Karaoke präsentieren. Die Konzepte, die am Ende dabei herauskommen, würden wohl keinen Investoren überzeugen. Dafür klappt etwas anderes um so besser: das Kennenlernen. Die Leute quatschen und haben Spaß. Es bilden sich eigene Mini-Workshops, bei denen sich die Gründer austauschen. Die Lautstärke im Raum hat sich deutlich erhöht.

Com4Com
Die Teilnehmer hatten offensichtlich Spaß (Foto: Max Reibert)

Auch Profis können noch was lernen

Was vielleicht daran liegen könnte, dass die Gründer alle bereits gut laufende Unternehmen mit 20-50 Mitarbeitern haben – dementsprechend fokussieren sie sich aufs Socializen statt aufs freie Reden, was viele hier schon wunderbar beherrschen. Zumindest wenn es um Business geht. Die im nächsten Schritt selbst geschriebene Comedynummer hingegen fordert die Gründer. Fast alle sind ein bisschen nervös, waren sie schon vorab, als sie ihre Nummer geschrieben und überarbeitet haben und konzentrierte Stille das Networking unterbrach. Jetzt müssen sie ihre Nummer auf die Bühne bringen. Das liegt nicht jedem, trotzdem geben alle ihr Bestes, einige vormals Verschlossene kommen richtig aus sich raus.

Am Rand des Halbkreises aus Stühlen, in dem die Teilnehmer schon fast vergessen haben, dass der Spaß auch einen Lerneffekt haben soll, steht Willy. Während die Leute ihre Jokes erzählen, schaut er zu und man merkt: Er ist stolz auf die Teilnehmer – da ist es auch egal, wenn es zu Beginn noch etwas holprig läuft.

Nach den Comedynummern ist der Workshop auch schon fast zu Ende. Sicher haben die Gründer in Sachen freier Rede und selbstbewusstem Auftreten noch etwas lernen können. Hier können weniger gut Geübte aber bestimmt noch mehr mitnehmen. Eins steht jedoch fest: In einem halben Tag sind aus zurückhaltenden Gründern offene Kollegen geworden, die mit Freude zusammenarbeiten. Und das, so sagt mit ScaleUp Chef Iskender Dirik, sei schließlich auch das Ziel.

 


Ernst Jordan

Ernst schreibt gelegentlich für den Postillon. Ansonsten bespielt er noch einen ausgesprochen wenig erfolgreichen Twitteraccount (@DasErnstBeste) ausgesprochen lieblos. Dann noch ein bisschen Utopien lesen und der Tag ist gefüllt.

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