Alter Meister: Drei Erfolgsprinzipien des Leonardo da Vinci

Was können wir von einem Game-Changer aus der Renaissance für die eigene Karriere und das Business lernen? Laut einem Buchautor einiges.

Für viele ist Leonardo da Vinci das ultimative Universalgenie. Der von 1452 bis 1519 lebende Maler, Architekt, Ingenieur und Philosoph setzte in vielen Bereichen ganz neue Akzente. Heute würde man sagen: Er war als Game Changer extrem erfolgreich.

Jens Möller, der als Berater und Innovationsexperte für Konzerne wie SAP oder die Deutsche Bank arbeitete, hat über den berühmten Italiener und Schöpfer der „Mona Lisa“ ein Buch verfasst: „Die Da-Vinci-Formel. Die sieben Erfolgsgesetze für innovatives Denken.“ Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage: Was können wir heute von dem großen Gelehrten lernen? Und: Welche Benefits lassen sich in Bezug auf beruflichen Erfolg und Karriere aus seinem Denken ableiten?

Im Folgenden präsentieren wir euch einen Auszug aus dem Buch. Konkret drei Kapitel aus dem Abschnitt „Leonardos Erfolgsprinzipien, die euch hoffentlich ein wenig inspirieren werden.

1. Prinzip: Umgib dich mit inspirierenden Menschen

Lasse dir vom Abakus-Meister zeigen, wie ein Dreieck zu quadrieren ist. Lasse dir von Messer Fazio die Proportionen zeigen. Bringe den Mönch aus Brera dazu, dir „De ponderibus“ (einen Text zur Mechanik) zu zeigen. Frage Giannino, den Geschützfabrikanten danach, wie man den Turm von Ferrara fugenlos aufgemauert hat.

Diese Passage stammt aus einem Notizbucheintrag und entstand etwa um das Jahr 1489, als Leonardo am Mailänder Hof lebte und arbeitete. Im Original ist der Text sogar noch dreimal länger – eine lange Liste mit unterschiedlichsten Namen von Experten, Büchern und Dingen, die Leonardo unbedingt treffen beziehungsweise stu­dieren wollte. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel für Leonardos uner­sättliche Neugier und seinen Wunsch nach persönlichem Austausch, denn er war sein Leben lang an den Ideen und Werken anderer Künst­ler und Wissenschaftler interessiert. Er wollte von ihnen lernen und sich von ihnen inspirieren lassen – am liebsten aus erster Hand (…).

Für Leonardo war sein unmittelbares Umfeld von enormer Bedeu­tung und er schien damals schon instinktiv gewusst zu haben, was später durch die moderne Wissenschaft bestätigt wurde: wie wich­tig das richtige soziale Netzwerk für die persönliche Entwicklung ist. Oder, anders gesagt: Du bist, mit wem du dich umgibst – offline wie online (…).

Sein ganzes Leben lang suchte Leonardo ganz gezielt den Kontakt zu den wichtigsten Persönlichkeiten, Künstlern, Wissenschaftlern und Lite­raten seiner Zeit. Auf diese Weise konnte er direkt und indirekt von den außergewöhnlichen Ideen, dem umfassenden Wissen und den fortschrittlichen Einstellungen seiner Kontakte profitieren. Er schuf sich ein Umfeld, das es ihm ermöglichte, seine bereits vorhandenen Fähigkeiten optimal zur Entfaltung zu bringen. Oder, anders formu­liert: Leonardos Netzwerke halfen ihm dabei, noch weiter über sich hinauszuwachsen.

2. Prinizip: Klaue gute Ideen – und perfektioniere sie

Armselig der Schüler, der seinen Meister nicht übertrifft.

Lange Zeit waren Wissenschaftler der Überzeugung, dass Leonardos Ideen das Resultat seines außergewöhnlichen Erfindergeists waren, der seiner Zeit in Sachen Originalität und Einfallsreichtum um Jahr­ hunderte voraus war – eine Einschätzung, die auch Sigmund Freud teilte. In seiner Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci zitiert er den russischen Schriftsteller Mereschkowski, der Leonardo als einen Menschen beschrieb, der zu früh in der Dunkelheit erwachte, wäh­rend alle um ihn herum noch schliefen. Da Vincis revolutionäre Er­findungen, so die weitverbreitete Meinung, ragten wie Monolithen aus den eher unbedeutenden Leistungen seiner Zeitgenossen heraus.

Die Erkenntnis, dass auch ein großartiger Erfinder wie Leonardo seine Entdeckungen nicht im »luftleeren Raum« gemacht haben konnte, sondern den Einflüssen und Ideen seiner Epoche unter­lag, setzte sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts durch. Bei ihren Recherchen entdeckten immer mehr Forscher, dass viele von Leo­nardos Ideen im Original gar nicht von ihm, sondern von anderen stammten. So lassen sich zahlreiche seiner Konstruktionen in ähn­licher Form bereits in älteren Notizbüchern anderer Renaissance­erfinder wie Francesco di Giorgio Martini aus Siena oder Roberto Valturio aus Verona finden. Leonardo scheute sich also nicht davor, auf fremde Ideen zurückzugreifen und sie für sich zu nutzen.


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