Betterpoints und Wertewandel: Punkte sammeln für die Nachhaltigkeit

Was würde dich motivieren, das Auto stehen zu lassen und stattdessen in den Bus oder aufs Fahrrad umzusteigen? Ein kostenloses Bier? Oder ein Kinogutschein? Klingt ja verlockend.

In Bologna wurde in zwei Testläufen versucht, die Menschen genau mit solchen Angeboten zu umweltbewussten Verhalten zu motivieren. Mit der App „BetterPoints“ konnten die Bewohner protokollieren, wie sie von A nach B kommen und bekamen dafür Belohnungen bei der Eisdiele, der lokalen Bar und insgesamt 85 Unternehmen. Dabei galten Fuß- und Fahrradwege, Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und Fahrgemeinschaften als nachhaltig.

Statt Bestrafungen für unnachhaltiges Verhalten, sollte gutes belohnt werden. Die zwei Testphasen liefen von April bis September 2017 und im gleichen Zeitraum 2018. Marco Amardori ist der Kampagnenmanager des Projekts „Bella Mossa“, das die App in Leben gerufen hat. Der Ingenieur berichtet vom Haupterfolg des Projekts: „Menschen, die früher nicht Fahrrad gefahren sind oder den Öffentlichen Nahverkehr nutzten, haben es nun – dank der Incentives – ausprobiert und konnten feststellen, dass es nicht so schwer ist, ihr Verhalten zu verändern.“ In der ersten Testphase nahmen insgesamt 15 000 Bewohner teil und legten 3,7 Millionen nachhaltige Kilometer zurück. Die zweite wurde noch nicht abschließend ausgewertet.

Payback in gut

Das Team von Wertewandel

Auch in Deutschland gibt es ein Projekt, das versucht, nachhaltiges Verhalten mit Gamification-Elementen zu inzentiveren. Wertewandel funktioniert wie Payback, aber nur für nachhaltige Produkte. Mit der Kundenkarte kann man in nachhaltigen Geschäften Punkte sammeln, die dann als Gutscheine eingelöst werden können oder an gemeinnützige Projekte gespendet werden. Alternativ ist es möglich, den Kassenbon abzufotografieren und einzuschicken.

Der Gründer Sebastian Schulz beschreibt, dass zu Beginn hauptsächlich nachhaltig denkende Menschen die App genutzt haben, der Anspruch ist aber, „nicht nur ein Programm für überzeugte Ökos zu sein, sondern auch eines für die breite Masse zu werden.“ Gerne würden Wertewandel auch, wie in Bologna, nachhaltigen Verkehr einbeziehen. Die Nutzung von Bike-Sharing-Angeboten könnte beispielsweise belohnt werden: „Wir verhandeln in dieser Branche bereits mit verschiedenen Anbietern.“ Da die Bonuspunkte von den Unternehmen gezahlt werden, kann die Nutzung des eigenen Fahrrads bisher nicht einbezogen werden. Der Marktstart von Wertewandel war im Mai 2017, in Zukunft sollen noch mehr Partnergeschäfte an dem Bonusprogramm teilnehmen. Man darf also gespannt sein, was wir in Zukunft noch davon hören werden.


Nele Spandick

Nele hat nichts mit Medien studiert und versucht es trotzdem. Verheddert sich häufig in philosophischen Gedankenspielen und politischen Diskussionen. Entheddert sich dann mit wirtschaftlichem Pragmatismus, down-to-earth Trashkultur-Konsum und gutem Essen.

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