Leadership & Karriere Watchlist 2019: Diese zehn Menschen verbessern unsere Gesellschaft

Watchlist 2019: Diese zehn Menschen verbessern unsere Gesellschaft

Eine Nation in der Blockchain, ein Ministerium als Denkfabrik: Politik, NGOs und Verwaltung werden sich radikal ändern. Unsere Watchlist zeichnet im Bereich „Social & Policy“ in diesem Jahr zehn Pioniere aus, die dabei vorangehen. Mit dabei sind unter anderem Sebastian Gallander von der Nebenan.de-Stiftung und Carolin Silbernagl vom Betterplace Lab.

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#10 Erik Vollstädt, Bit Nation

Was Verwaltungen können, kann die Blockchain besser, dachten sich Erik Vollstädt und seine Mitstreiter der Bit Nation. Und disrupten nun das staatliche Monopol. Erste Bit-Nation-Reisepässe werden vergeben, „Anfang 2019 sollen über die Bit Nation auch Verträge abzuschließen sein“, sagt Vollstädt. Auch wenn das noch sehr experimentell ist – für Menschen aus korrupten Ländern und Diktaturen ist es die Hoffnung.

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#9 Moritz Ritter, Liquid Democracy

2011, während des Piraten-Hypes, galt Liquid Democracy als Zukunft der Demokratie. Seit dem Niedergang der Partei wurde das Mitbestimmungstool weiterentwickelt. Heute nutzen es Kommunen zur Bürgerpartizipation, die SPD diskutiert darüber ihre Zukunft. Plan 2019: „Mit der Plattform Beteiligung.in wollen wir eine Lösung für kleinere und mittlere Kommunen etablieren“, sagt Liquid-Democracy-Geschäftsführer Ritter.

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#8 Michael Schönstein, Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft

Meist reagieren Ministerien auf Probleme, wenn sie da oder zumindest absehbar sind. Schönstein, Leiter Strategische Vorausschau und Analysen der vor Kurzem gegründeten Denkfabrik des Bundesarbeitsministeriums, geht einen Schritt weiter, arbeitet eng mit der Wissenschaft zusammen, entwickelt Zukunftsszenarien und Lösungen für Probleme, die es noch gar nicht gibt.

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#7 Matthias Burgbacher, Plan/Kooperativ

Der größte Feind einer funktionierenden Stadt ist die geschlossene Tür. Deshalb geht der Soziologe und Stadtforscher Matthias Burgbacher mit seiner Agentur Plan/Kooperativ raus in die Städte, rein ins Netz und versucht, Strukturen aufzubrechen. Mit seinem Projekt Amt für unlösbare Aufgaben durchleuchtet er zudem kommunale Verwaltungen. „Hier schlummern so viele Potenziale“, sagt Burgbacher.

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#6 Katrin Dribbisch, Public Service Lab

Warum ist es komplizierter, einen Reisepass zu beantragen, als Schuhe im Netz zu bestellen? Das fragten sich Katrin Dribbisch und ihre Mitstreiterinnen vom Public Service Lab. Ihr Ziel: Verwaltung digitaler und nutzerfreundlicher machen. „Es gibt gute Ansätze, die wollen wir stärken und befähigen“, sagt Dribbisch. Im April 2019 findet das Lab in Düsseldorf statt, außerdem ist ein Buch mit Best Cases in Planung.

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#5 Julia Kloiber, Prototype Fund

Als eine Art Early-Stage-Investor in die Zukunft der Demokratie pusht der von Kloiber gegründete Prototype Fund Open-Source-Projekte auf den Feldern Civic Tech, Data Literacy, Datensicherheit und Software-Infrastruktur. Mit Erfolg: Gerade versechsfachte das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Budget auf 8 Mio. Euro. „Damit können wir in den nächsten Jahren an die 200 Projekte fördern“, sagt Kloiber.

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#4 Chloé Pahud, Civocracy

Die große Frage der Politik lautet: Was wollen die Menschen wirklich? Klingt einfach, ist es aber nicht. Deshalb erarbeitet das von Benjamin Snow, Nicolas Reynolds und Chloé Pahud gegründete Berliner Startup Civocracy komplexe Bürgerdialoge, mit Interviews und Onlineumfragen. Bislang wurde Civocracy in Nizza, Lyon und belgischen Regionen eingesetzt, neu im Portfolio ist Monheim am Rhein. 2019 will das Startup vermehrt in Deutschland aktiv werden.

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#3 Damian Böselager, Volt Europa

In Zeiten des Rechtspopulismus, dachte sich Böselager, fehlt eine Partei, die Europa wirklich ernst meint, und gründete mit Freunden aus ganz Europa Volt. Schon heute arbeiten knapp 15 Leute in Brüssel, Berlin und anderswo in Europa für die nach dem Vorbild von Macrons En Marche strukturierte Partei. Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2019 will Volt das erste Mandat erringen – 300.000 Stimmen sollten reichen, hat Böselager errechnet.

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#2 Sebastian Gallander, Nebenan.de-Stiftung

Das schnelle, laute Leben hat auch Nachteile: Wer kennt zum Beispiel noch seine Nachbarn? Die Stiftung des sozialen Netzwerks Nebenan.de hat daher einen Tag der Nachbarn und einen Preis für Projekte gegen die Einsamkeit und Anonymität initiiert – und Sebastian Gallander an Bord geholt, um das Programm auszubauen. „Im Kern geht es uns um die Förderung von freiwilligem Engagement“, sagt Gallander.

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#1 Carolin Silbernagl, Betterplace Lab

Noch gehen in der Ohlauer Straße 43 in Berlin-Kreuzberg nur Handwerker ein und aus, noch gilt die Aufbauarbeit Kabelschächten und Beleuchtungssystemen, und noch sind die einzigen großen Pläne hier schnöde Baupläne. Aber schon im April 2019 sollen in der Generatorenhalle des früheren Umspannwerks am Paul-Lincke-Ufer Pläne zur Verbesserung der Welt und der Gesellschaft erdacht und erprobt werden. Hier werden dann Workshops und Pressekonferenzen stattfinden und visionäre Ideen auf großer Bühne präsentiert – zum Beispiel im Rahmen einer Gala?
Carolin Silbernagl hat, so viel ist klar, einen Haufen Ideen, was in dem alten Industriegebäude alles passieren könnte. Dass es überhaupt dazu kommen wird, hat viel mit Kreuzberg, seiner Punk-Vergangenheit und Google zu tun. Und damit, dass Silbernagl von Betterplace zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.
Denn nachdem es in Kreuzberg fast fünf Jahre lang zu massiven Protesten gekommen war, hat Google Abstand von seinem Plan genommen, das Gebäude in den kommenden fünf Jahren für Networking und Lobbying in eigener Sache zu nutzen und dort ein Café für gewinnorientierte Startups zu betreiben. Nun also überlassen die Kalifornier die Kreuzberger Generatorenhalle dem Thinktank von Betterplace, dem sogenannten Betterplace Lab, sowie dem Verein Karuna – Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not. Und das ist natürlich eine irrsinnige Chance für das Social-Startup-Ökosystem in Berlin, das durch die steigenden Mietpreise und schwindende Freiräume in den vergangenen Jahren auch immer mehr unter Druck geraten war. Das Betterplace Lab selbst wird mit 15 Mitarbeitern in einen Kubus in der Generatorenhalle ziehen, Karuna sechs Schreibtische erhalten und hier eine Straßenzeitung produzieren.
Die 160 Arbeitsplätze und Meetingräume im 2500 Quadratmeter großen Untergeschoss des Gebäudes sollen aber an soziale Startups, Verbände und Vereine vergeben werden und das alte Umspannwerk so zu einer Art Inkubator für Impact-Unternehmen machen. 30.000 Menschen, sagt Silbernagl, sollen jährlich von den Räumlichkeiten profitieren, und mindestens 300 Veranstaltungen würden hier künftig stattfinden. „Das passt eigentlich gut zu Betterplace“, sagt Silbernagl. „Unser Ziel war es ja schon immer, sozialen Akteuren dabei zu helfen, Gutes besser zu tun.“
Dass Google weiterhin der Hauptmieter im Hintergrund bleibt und der Zeitrahmen auf fünf Jahre beschränkt ist, stört Silbernagl nicht, im Gegenteil. Die Uhr läuft, und es gibt viel zu tun. „Unsere Aufgabe ist es, in den nächsten fünf Jahren zu zeigen, dass unsere Arbeit wichtig ist, dass unser Konzept funktioniert und dass wir tatsächlich etwas verändern“, sagt sie. „Wenn wir das nicht schaffen, wozu brauchen wir dann das Gebäude?“

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Das Ranking stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. Darin stellen wir 100 Gründer, Macher und Kreative vor, von denen wir 2019 Großes erwarten. Auf dem Cover: Aya Jaff. Die 23-Jährige ist Deutschlands bekannteste Programmiererin. Weitere Themen im Heft: NSFW, ein Sexklub für die Generation Instagram. Außerdem: Dan Palami. Der philippinische Unternehmer will die Fußball-Nationalmannschaft des Landes an die Spitze der Fifa-Tabelle führen – und viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.

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