Leadership & Karriere Mangelnde Produktivität im Home Office: Einsamkeit ist der wahre Grund

Mangelnde Produktivität im Home Office: Einsamkeit ist der wahre Grund

Gastbeitrag von Inga Mende, Co-Gründerin und CEO von cloopio, der Buchungsplattform für Company Events & Offsites

Die Zukunft der Arbeit ist da und sie ist hybrid. Auch wenn CEOs vieler Unternehmen ein “back to office” ausgerufen haben, gefolgt sind ihnen die Mitarbeitenden nicht, zumindest nicht ganz. 

Laut einer Studie von McKinsey bevorzugen 75% der befragten Arbeitnehmenden ein hybrides Arbeitsmodell. Dafür gibt es viele gute Gründe, allen voran flexibler zu sein und mehr Zeit zu haben. Die Wenigsten möchten morgens erst mal im Stau stehen oder zur Bahn hetzen, sondern lieber in Ruhe ihr Meeting vorbereiten, ihrer Morgenroutine nachgehen oder die Kinder entspannt in die Kita bringen. Diese neu gewonnene und von vielen Mitarbeitenden hart verteidigte Work-Life-Balance hat aber auch Nachteile. Nur sind das ganz andere als von vielen CEOs befürchtet: Was im Home Office leidet, ist nicht die Produktivität. Das Stereotyp vom Mitarbeitenden, der Zuhause unkonzentriert ist oder gleich die Beine hochlegt, statt fokussiert anzupacken, ist falsch. Viele Studien kommen inzwischen zu dem Schluss, dass es genau anders herum ist: Die Produktivität steigt, weil Mitarbeitende viel öfter in einen Flow-Moment kommen. 

Produktivitätskiller Nummer eins ist nicht das Home Office, sondern die Einsamkeit

Was Zuhause jedoch besonders auf der Strecke bleibt, ist das Gefühl von Gemeinschaft. Viele Mitarbeitende kommen auch deshalb gerne an einem oder zwei Tagen ins Office, weil ihnen der persönliche Austausch beim kurzen Gespräch in der Kaffeeküche sonst fehlt. Genau hier müssten CEOs ansetzen, die sich um die Produktivität ihrer Teams sorgen. Schluss mit Drohungen à la: “Wer keine Präsenz zeigt, wird nicht befördert.“ Stattdessen lieber Maßnahmen ergreifen, die auf das Zugehörigkeitsgefühl einzahlen und den Weg ins Büro attraktiv machen.

Die vollständige Rückkehr ins Office löst das Problem allerdings nicht. Hier fühlen sich Mitarbeitende genauso vernachlässigt wie die eine Büropflanze, die niemandem gehört und die niemand gießt. Wir stecken mittendrin in einer Krise der sozialen Bindungen am Arbeitsplatz: Laut einer Studie, die Arbeitnehmende in UK, Frankreich und Deutschland befragte, spürt über die Hälfte (51%) der Mitarbeitenden mit festem Arbeitsplatz kein Zugehörigkeitsgefühl mehr, 44% fühlen sich mit ihren Kolleg:innen nicht verbunden und fast jede:r Dritte (27%) pflegt keine Freundschaften im Team. Die Folgen gefährden den Unternehmenserfolg. Denn fehlende soziale Bindungen am Arbeitsplatz führen zu reduzierter Leistung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, depressiven Symptomen und einer schlechten psychischen Verfassung insgesamt. 

Fühlen sich Mitarbeitende zugehörig, steigt ihre Leistung um 56 Prozent

Investieren Unternehmen in Maßnahmen, die soziale Bindungen im Team stärken, zahlt sich das sofort aus: Die Produktivität steigt um 56 Prozent, die Fluktuationsrate sinkt deutlich (50%) und die Krankheitstage gehen ebenfalls enorm zurück (75%). Bleibt die Frage, welche Maßnahmen sich eignen. Klar ist: Technologie kann das Problem nur bedingt lösen. Es gibt inzwischen zwar viele Tools, die hybride Teams bei ihrer Arbeit gut unterstützen. Nur sind die meisten darauf ausgerichtet, die Arbeitsabläufe und Abstimmungen effizienter zu machen. Ein Gefühl von Zugehörigkeit entsteht aber erst dann, wenn Menschen merken, dass sie gesehen werden und es eine Rolle spielt, wie es ihnen gerade geht und wie sie zurechtkommen. Deshalb sind regelmäßige Check-ins besonders wichtig. Ein ehrliches “Was beschäftigt dich gerade?“ kann einen großen Unterschied machen. Wichtig ist, dass die Frage ernst gemeint ist und es in Meetings Platz für ehrliche Antworten gibt. Mitarbeitende spüren sofort, ob es wirklich gewünscht und sicher ist, sich mitzuteilen. Höflicher Smalltalk schafft keine Verbindung, Offenheit hingegen fördert das Vertrauen und die Nähe im Team und auch jeweils zu den Vorgesetzten.

Persönlicher Kontakt, vor allem beim Onboarding, ist entscheidend

Alle, die während der Pandemie den Job gewechselt haben und plötzlich “der oder die Neue” waren, haben es selbst erlebt: Ein digitales Onboarding kann noch so gut geplant und umgesetzt werden, an die Qualität eines persönlichen Kennenlernens kommt es nicht heran. Es ist wichtig, vor allem am Anfang darauf zu achten, dass neue Teammitglieder in hybriden Arbeitsumgebungen die Gelegenheit haben, mit ihren Vorgesetzten und Kolleg:innen zusammenzusitzen, mal einen Kaffee zu trinken und sich einfach kennenzulernen. Idealerweise hört das aber nach dem Onboarding nicht auf, sondern ist ein gelebter Teil der Unternehmenskultur. Für mich sind einige amerikanische Unternehmen da leuchtende Beispiele. Salesforce beispielsweise kaufte eine ganze Ranch für Teambuilding-Events und Schulungen und sorgt so dafür, dass alle immer wieder regelmäßig in einem sehr angenehmen Kontext zusammenkommen. Airbnb verfolgt eine ähnliche Strategie. Der Arbeitsplatz spielt hier keine Rolle, aber mindestens einmal im Quartal ist es Pflicht, dass sich die Teams für jeweils eine Woche persönlich treffen. 

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