Out of Germany: Weshalb Jenny Zegenhagen sich in Tiflis sesshaft machen will

In unserer Serie „Out of Germany“ stellen wir Expats vor, die mit ihrem Beruf in die Ferne gezogen sind. Über das Wie und Warum sprechen wir diesmal mit der Texterin Jenny Zegenhagen, die bald gänzlich in Georgien leben wird.

Jenny Zegenhagen, 34, kommt ursprünglich aus Berlin und arbeitet freiberuflich im Kundenservice als Texterin. Vor einem Jahr hat sie sich komplett aus Deutschland abgemeldet und pendelt seither zwischen Tiflis in Georgien und Nordthailand. Bald will sie sich mit ihrem Partner ganz in Georgien sesshaft machen.

Jenny, warum hast du dich entschieden, in einem anderen Land zu arbeiten?

Mein Job ermöglicht es mir, von überall aus der Welt zu arbeiten, wobei ich diese Möglichkeit erst während einer längeren Reise gezielt gesucht habe. Nach sechs Monaten im Ausland wollte ich 2017 nicht mehr nach Deutschland zurück und habe mich dann gezielt nach Remote-Jobs umgesehen. Das hat dann auch gut geklappt und nun kann ich von Georgien oder Thailand aus arbeiten – in diesen beiden Ländern habe ich bis jetzt die meiste Zeit verbracht.

Was ist in Tiflis besser ist als in Deutschland?

Größtenteils sind die Menschen hier einfach freundlicher und offener, auch Fremden gegenüber. Immer, wenn ich wieder nach Deutschland komme, fällt mir auf wie mürrisch und negativ alle sind. Das ist für mich mittlerweile schwer auszuhalten. Zudem gibt es so viele Regeln, Normen, Steuern, Versicherungen, Ruhezeiten, Verträge und „so geht das aber nicht“ oder „das machen wir hier schon immer so“. Es ist befreiend zu erkennen, dass man nicht immer alles so machen muss wie es einem die Gesellschaft aufdrückt.

In Georgien sind die Menschen sehr gastfreundlich und an Fremden interessiert. Es ging sehr schnell, dass wir uns integriert und zuhause gefühlt haben. An Tiflis gefällt mir zudem, dass hier gerade eine große Aufbruchstimmung herrscht – das Land war geprägt von Unruhe und Kriegen – und die vor allem jungen Menschen sind motiviert Dinge zu transformieren. Die Kultur, Kunst und Clubszene ist gerade dabei groß zu werden. Hinzu kommt, dass Georgien landschaftlich unheimlich schön ist. Der Kaukasus ist atemberaubend. Vom guten Essen und dem Wein will ich gar nicht anfangen.

Und natürlich sind die Lebenshaltungskosten hier deutlich geringer als in Berlin – dort könnten wir uns keine 3-Zimmer Wohnung mehr leisten oder mehrere Reisen im Jahr machen.

Und was sind die Pain Points dort?

Wir versuchen, die Sprache zu lernen, was nicht gerade einfach ist, aber auch nicht unmöglich. Zum Glück kommt man mit Englisch gut zurecht. Auch die große Armut kann man hier teilweise noch sehen, gerade in den ländlichen Gebieten. Aber ich hoffe und denke, dass Georgien auf einem guten Weg ist, sich als Land weiter zu transformieren.

Dein „favorite place to work“ in Tiflis?

Am liebsten arbeite ich an von daheim aus, aber die „Fabrika„, eine Art Kultur-Bar-Shop-Hostel-Begegnungsstätte, hat schnelles Wifi und gute Plätze zum Treffen und Arbeiten. Aber auch der Coworking-Space „Vere Loft“ gefällt mir gut.

Und wo trifft man spannende Leute zum Netzwerken?

Das wäre auch die „Fabrika“, denn hier kommen Expats und Georgier wirklich zusammen. Es gibt auch andere Meetups, wie zum Beispiel die monatliche „Power Point Karaoke“ im Coworking-Space „Terminal“, wenn man wirklich beruflich Netzwerken will. Ansonsten kommt man wirklich in vielen Bars mit den Leuten leicht ins Gespräch, man ist aneinander interessiert.

Was vermisst du aus Deutschland?

Am meisten natürlich meine Familie und Freunde und dass ich in Deutschland gleich alles ganz schnell lesen und verstehen kann. Ab und an fehlt mir auch ein bisschen das Büroleben meines alten Jobs, aber dass kommt nur ganz selten vor.

Business Do’s und Dont’s in Tiflis?

Ich bin nicht so der klassische Business- oder Netzwerker-Typ. Ich versuche einfach, bei Meetups oder auf Konferenzen offen und positive auf die Leute zuzugehen und intensiv zuzuhören. Business in anderen Ländern läuft unterschiedlich ab und ich bin noch dabei zu lernen, welche Do’s und Dont’s es so gibt.

Könntest du dir vorstellen wieder nach Deutschland zurückzukommen?

Vorstellen schon, Berlin ist meine Heimat. Aber ich habe keine Pläne, wieder zurückzukommen. Ein jährlicher Besuch muss aber natürlich sein!


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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