Unternehmenserfolg: Warum es auf die (richtige) Kommunikation ankommt

Peter Michael Bak, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Fresenius in Köln, sieht in Slack und Co. erst einmal Vorteile. Slack ermögliche eine schnellere Kommunikation und eine bessere Abstimmung, so Bak. Gleichzeitig sieht der Psychologe aber auch Risiken: „Es ist wichtig, Informationen auch mal sacken zu lassen und eine Nacht darüber zu schlafen. Medien wie Slack haben aber einen besonderen Aufforderungscharakter, dass wir sofort zurückschreiben.“

Den einen oder anderen erinnert das sicher an eigene unangenehme Erfahrungen. Die Versuchung, direkt auf eine Nachricht zu reagieren, ist bei digitalen Nachrichtendiensten hoch. Nicht selten denken wir uns im Nachhinein: Hätte ich mir doch lieber etwas mehr Zeit für meine Antwort genommen. Dann klänge sie jetzt nicht so beleidigt.

Redet miteinander!

Für den Professor, der zu Kommunikation am Arbeitsplatz geforscht und publiziert hat, ist klar: Die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters und der Erfolg eines Unternehmens hängen fest mit der Art und Weise zusammen, wie wir miteinander kommunizieren. „Jede Erfolgsvariable hat mit Kommunikation zu tun“, sagt Bak und ergänzt: „Erfolgreiche Kommunikation ist die Voraussetzung für Kreativität und Innovation, für Engagement und Commitment, für Zufriedenheit und für die Bindung an ein Unternehmen.“

Die Gretchenfrage lautet also: Wie schafft man im eigenen Unternehmen eine ideale Kommunikationskultur? Wie garantiert man, dass alle zu Wort kommen und sich ausreichend einbringen können?

Isabel Garcia sieht wenig Spielraum, wenn es beispielsweise darum geht, extrovertierte und introvertierte Mitarbeiter auf ein gleiches Mitteilungs-Level zu bringen. „Sie werden einen Introvertierten nie dazu bringen, Brainstorming zu betreiben.“ Introvertierte neigen in der Regel dazu, erst dann einen Gedanken zu äußern, wenn dieser zu Ende gedacht ist, so Garcia. Ist eine Idee bereits angesprochen und diskutiert worden, verzichten Introvertierte ganz auf eine Wortmeldung. „Ein Introvertierter redet meist dann, wenn es sinnvoll ist“, bringt es Garcia auf den Punkt.

In unserem Podcast „How to Hack“ kommen Gründer und Macher zu Wort und geben uns hilfreiche Tipps für Jobs und Karriere (Link via Foto).

Was in der Theorie super klingen mag, stellt sich in der Praxis etwas schwieriger da. Denn häufig fehlt Introvertierten auch der Mut, eine Idee einzubringen und sie gegen Einwände zu verteidigen. Wenn eine Führungskraft dann noch autoritär wie ein Alpha-Boss auftritt, nehmen sie den schüchternen Mitarbeitern komplett den Mut, sich vor dem ganzen Team zu äußern.

Also nochmal: Wie schafft man Bedingungen, unter denen sich alle aufgehoben fühlen?

„Das kann man nicht von oben herab verordnen. Das muss man vorleben“, erklärt Bak. Wer Offenheit fordere und Mitarbeiter für ihre Offenheit kritisiere, darf sich nicht wundern, wenn das nächste Mal geschwiegen wird. Darüber hinaus ist Kommunikation entscheidend für alles Zwischenmenschliche, sagt der Wirtschaftspsychologe. „Kommunikation ist auch eine Frage der Beziehungsgestaltung.“ Das bedeutet: Ich muss mich selbst infrage stellen.“ Wenn man mit einer rechthaberischen Haltung in ein Gespräch gehe, sei das keine günstige Voraussetzung dafür, dass man sich versteht, so Bak.

Dass gerade Startups Gefahr laufen, das Thema Kommunikation etwas aus dem Fokus zu verlieren, sieht Bak durchaus. Oftmals ergreifen Gründer nur oberflächliche Maßnahmen, damit sich Mitarbeiter aufgehoben fühlen. „Wenn es um das Gefühl der Anerkennung geht, darum, dass Mitarbeiter sich wohlfühlen, dann reicht eine Erholungszone oder ein Tischkicker nicht aus. Hier ist Kommunikation zentral.“

Was also tun? Auf die schönen neuen Office-Gagdets verzichten will niemand. Und auch die flexiblen Arbeits(-ort)modelle möchte niemand abschaffen. Daher muss beides Hand in Hand gehen. Wie wäre es deshalb, beim nächsten Tischkicker-Game offen über Probleme im Team zu sprechen? Oder Casual-Meetings in Kneipen abzuhalten? Das wäre echter Dialog in spielerischer, unkomplizierter Atmosphäre.

New-Work und Remote sind gut, eine gepflegte Kommunikationskultur aber ist besser.


René Krempin

René Krempin hat Kultur- und Medienwissenschaften studiert und über mehrere Stationen bei Print- und Online-Medien den Weg in die Agentur gefunden. Bei OSK arbeitet er als Online- und Social-Media-Redakteur. Mit großem Interesse verfolgt er unter anderem die Entwicklungen in der eSports-Szene. In seiner Freizeit ist er aber auch gerne analog unterwegs: mit Freunden auf dem Bolzplatz.

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