Tabea Mewes: “Menschen mit Behinderung werden vom Staat bevormundet“

„Notjustdown“ ist ein Blog, der über das Down-Syndrom informieren möchte. Klingt erstmal nicht außergewöhnlich, aber irgendwie ist er es doch. Tabea erzählt darin über ihr Leben mit ihrem Bruder Marian, der das Down-Syndrom hat, und will damit zeigen, wie bunt, lustig und vor allem normal es sein kann.

Ihre Geschichten teilt Tabea Mewes im Blog und via Instagram – und erreicht damit viel mehr Menschen als andere Blogs, die es zu dem Thema bereits gibt. Seit Kurzem vertreiben die beiden T-Shirts – von Marian designt. Anfang des Jahres haben sie den Goldenen Blogger Award in der Kategorie „Newcomer“ gewonnen. Wir haben mit Tabea über den Blog, aber auch über ihre Forderungen an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gesprochen, damit Inklusion im Alltag gelingen kann.

Auf der Bestellseite für eure T-Shirts steht, dass ihr gerade etwas überarbeitet seid und sich deshalb die Lieferzeiten verzögern können. Seid ihr Opfer eures eigenen Erfolges geworden?

Auf jeden Fall hat er uns ein wenig erschlagen. Wenn man so etwas startet, kann man nie wissen, wie es ankommt. Wir haben den Shop im November gestartet und jetzt an die 700 T-Shirts verkauft. Und da wir alles selbst machen – beziehungsweise das meiste davon ich alleine – ist das alles ein bisschen viel. Also wollte ich etwas Druck rausnehmen.

Du betreibst den Blog gar nicht als Hauptberuf, sondern nur als Nebenprojekt.

Das sollte man meinen. Der Zeit-Einsatz spricht leider eine andere Sprache. Eigentlich habe ich eine Stelle an der Universität Bielefeld, das ist mein Hauptjob. Das Projekt mit den T-Shirts ist für mich komplett non-profit. Alles, was wir einnehmen, kommt auf ein Konto für Marian. Der verdient nämlich nur 80 Euro im Monat.

Wie kamst du überhaupt auf die Idee für den Blog?

Ich habe Medienwissenschaft studiert, und das Projekt ist im Rahmen meiner Masterarbeit entstanden. Da habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, wie man Social-Marketing betreiben kann. Also die Frage, wie man für Einstellungsveränderungen „werben“ und welche Plattformen man dafür nutzen kann. Da ich Instagram einfach mag, habe ich überlegt, wie man das nutzen kann – für die Themen Inklusion und Rechte von Menschen mit Behinderung.

Aber gibt es nicht schon viele Menschen, die Blogs über ihr Leben mit Angehörigen mit Behinderung führen?

Ja, es gibt viele Eltern-Initiativen, aber wenig von Geschwistern. Und ich glaube, mit meiner Art der Kommunikation kann ich eine andere Zielgruppe erreichen. Als junger und moderner Mensch mit einem gewissen Tonus. Unsere Analyse zeigt, dass unsere Follower mehrheitlich unter 30 sind, und ich finde es sehr cool, genau solche Leute mit einer Botschaft zu erreichen, über die sich sonst eher Eltern, beziehungsweise werdende Eltern Gedanken machen.

Im Zentrum des Projekts steht die Frage: Wie gestaltet sich das Leben, der Alltag, wenn man einen Bruder mit Down-Syndrom hat. Wie ist es denn?

Total normal. Niemand muss glauben, dass das Leben ganz andere Richtungen einschlägt, wenn man ein Kind mit Down-Syndrom bekommt. Unsere Beziehung ist genauso lustig, humorvoll und cool wie die anderer Geschwister. Da muss man keine Angst vor haben. Diese Selbstverständlichkeit überrascht die Leute. Und ich glaube, darin liegt das Potential von sozialen Medien.

Was genau meinst du damit?

In sozialen Medien kann man Einblicke in Lebenswelten gewähren, zu denen du eigentlich gar keine Verbindung hast. Du trittst plötzlich in Kontakt, und zwar auf einem sehr niedrigschwelligen Niveau. Bei Fragerunden können uns Leute direkt Fragen stellen, da sind die Barrieren im Alltag viel höher.


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