Gastbeitrag: Warum wir uns auf KI freuen, anstatt vor ihr Angst haben sollten

Ein Gastbeitrag von Fabian Westerheide, Founder der „Rise of AI“-Konferenz 

In letzter Zeit nehme ich vermehrt an Debatten teil, die in Pro und Kontra Künstliche Intelligenz aufgeteilt sind. Es erweckt den Anschein, als hätten wir eine Wahl. Als könnten wir uns gegen Künstliche Intelligenz entscheiden und diese nicht zulassen. Diese Debatten sind oftmals emotional. Der Metabegriff Künstliche Intelligenz weckt bestimmte Emotionen bei den Menschen, nämlich Angst, Befürchtungen, Sorgen bis hin zur Furcht. Nur selten löst Künstliche Intelligenz bei den Menschen Hoffnung, Freude und Begeisterung aus. Dies ist ein deutsches Problem. Das Land der Ingenieure denkt oftmals linear. Wir mögen keinen rasanten Wandel und wollen lieber, dass alles bleibt wie es ist.

Jedoch bleibt die Zukunft nicht stehen. China investiert 130 Milliarden Euro in die nationale KI-Industrie. Damit werden Universitäten gefördert, Studenten ausgebildet, Firmen finanziert, Städte gebaut und Daten freigeben. Bereits heute nutzt China ihren technologischen Vorsprung zur Wahrung chinesischer Interessen in der Innen-, Außen-, Wirtschaft- und Sicherheitspolitik.

Europa darf nicht nur passiv an der Seite stehen

Nur zum Vergleich: Olaf Scholz hat die geplanten 3 Milliarden Euro der Deutschen KI-Offensive auf 500 Millionen Euro reduziert. Unsere politische Vertretung hat den Ernst der Lage nicht begriffen. Deutschland, als Teil Europas, liegt zwischen zwei Machtblöcken, die ohne Skrupel Künstliche Intelligenzen zu ihren Vorteilen nutzen. Europa, unter Federführung Deutschlands, darf nicht nur passiv an der Seite stehen und mit den Schultern zucken. Wir müssen selber handeln und den Fortschritt in unserem Sinne gestalten.

Dabei müssen wir einen Europäischen Weg finden. Das zentralistische Chinesische System funktioniert nicht im vielfältigen Europa. Das militärische System der Amerikaner wollen wir auch nicht. Derzeit debattiert Europa nur. Die High-Level „Expert Group for Artificial Intelligence“ der Europäischen Kommission entwickelt keine Wirtschaftsförderung, sondern bewahrt Interessen. Die Enquete Kommission des Bundestags ist zu einer Ethikdiskussion verkommen. Derzeit arbeiten keine staatlichen Institutionen daran, wie wir die wichtigste Technologie des 21. Jahrhunderts aufbauen, kontrollieren, beherrschen und zum Wohle unserer Bürger nutzen.

Wenn also unsere politischen Vertreter den Ernst der Lage nicht verstanden haben, müssen wir selber handeln. Unsere Wirtschaft muss digitalisieren. Der Mittelstand braucht Hilfe beim Transfer von Wissen und Erfahrungen. Wir müssen 20 Jahren verpasste Digitalisierung nachholen. Unsere Unternehmen müssen Daten getrieben werden. Wir brauchen eine gewissenhafte Begeisterung, wie wir unsere Daten sammeln, auswerten, schützen und damit Geld verdienen. Der Staat könnte als Beispiel vorangehen und nicht-sensitive Daten freigeben. Statt Innovation mit GDPR zu unterdrücken, sollten wir den Austausch an Daten fördern. Künstliche Intelligenzen brauchen diese und für uns entsteht daraus ein unermesslicher Mehrwert.

Akzeptanz und Vorfreude statt Befürchtungen

Dabei möchte ich betonen, dass unsere Daten uns Europäern gehören. Die Zeiten, wo ausländische Konzerne fast steuerfrei mit unseren Daten Milliarden verdienen – die sollten wir beenden. Wenn jemand unsere Daten nutzt und verwendet, dann doch bitte Europäische Unternehmen und Intuitionen. Die Debatte um Künstliche Intelligenz ist vielfältig. Wenn die Menschen Angst vor der Zukunft haben, dann sollten wir eine positive Vision zeichnen. Mit jedem technologischen Sprung ist die Lebenserwartung und der Wohlstand aller gestiegen. Lasst uns Künstliche Intelligenzen verwenden, damit wir Menschen noch länger und glücklicher leben. Dabei sollten wir die Herausforderungen immer beachten. Künstliche Intelligenzen sind derzeit emotionslose Maschinen. Sie wissen nicht, was richtig oder falsch ist. Wenn wir Künstliche Intelligenzen entwickeln, müssen wir auch immer eine ethische Perspektive dabei bedenken. Zudem hat der Aufstieg der Maschinen eine Vielzahl von Folgen für den Arbeitsmarkt, Bildung, Sozialsysteme, Sicherheit, Geschäftsmodelle, Demokratie und das gesellschaftliche Leben mit sich zieht.

Doch statt dem Fortschritt mit Befürchtungen entgegen zu treten, plädiere ich für Akzeptanz und Vorfreude. Stell dir eine Zukunft vor, in der du weniger krank bist, Leid reduziert wird, Armut verschwindet und wir in Sicherheit, glücklich mit unseren Familien leben können. Wenn wir Künstliche Intelligenzen richtig einsetzen, werden alle davon profitieren. Ich bin daher für Deutschland der Hoffnung und Perspektive, für die jetzigen und späteren Generationen.

Rise of AI-Konferenz

Aus diesem Grund laden wir jedes Jahr zur Rise of AI Konferenz nach Berlin ein. Wir haben Vertreter der Regierung, Industrie, Investoren, Forscher, Kirchen, Verbände, Unternehmer und Autoren auf unseren vier Bühnen. Gemeinsam arbeiten wir daran, wie wir Künstliche Intelligenzen in Deutschland zum Wohle aller verwenden können. Zusätzlich helfen wir jungen Firmen zu Kapital, Talenten zu neuen Tätigkeiten und geben Firmen Lösungen zur Hand, damit diese digitalisieren können. Wir haben verstanden, dass wir nur im Dialog, gemeinsam die Zukunft gestalten können. Ich freue mich daher auf einen inspirierenden und vielfältigen Austausch. Lasst uns gemeinsam für eine bessere Zukunft einstehen.

 

 


Fabian Westerheide

Der Unternehmer und Investor gibt seit Jahren Vorträge über Künstliche Intelligenz. Ob bei TEDx oder bei der Europäischen Kommission – Fabian erklärt seinem Publikum, warum KI definitiv The Next Big Thing ist. Mit seiner Investmentfirma Asgard investiert er in Unternehmen, welche KI unter anderem für Drohnen und Roboter entwickeln. Außerdem ist Fabian Koordinator für KI beim Bundesverband Deutscher Startups und organisiert jährlich die Konferenz "Rise of AI" in Berlin, bei der Business Punk Medienpartner ist.

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