Facebook hat keinen Bock auf Brüste – Brustkrebskampagne hin oder her

Sie sind klein oder groß, einige haben funktionierende Milchdrüsen, andere eher verkümmerte, manche haben eine oder zwei oder keine und sie sind die ärgsten Feinde der sozialen Netzwerke: Brüste. Also, zumindest einige davon. Denn nicht für alle Brüste, die gepostet werden, gelten dieselben Regeln. Facebook zum Beispiel ist der Meinung, dass manche Brüste – also: die von Männern – weit weniger Schaden in der Welt anrichten als andere – nämlich die von Frauen. So weit, so dubios. In der Konsequenz werden deswegen Bilder von Frauenbrüsten von der Plattform gelöscht, Männerbrüste nicht. Das wurde nun einer Brustkrebskampagne eines australischen Netzwerks zum Verhängnis, wie australische Medien berichten.

Die Kampagne des Breast Cancer Network Australia will Aufmerksamkeit für die Krankheit schaffen und Spenden sammeln. Damit das gelingt, bildet sie neun Frauen und einen Mann oben ohne ab, die sich Dinge vor ihre Nippel halten. Alles in allem: komplett harmlos. Das Problem: Facebook, der härteste Türsteher des Internets, behauptet, die Bilder verstoßen gegen die hauseigene Nacktheitsrichtlinie und können deswegen nicht auf der Plattform gezeigt werden. Klassischer Mittelalterstyle, aber nicht unbedingt überraschend: In den letzten Jahren wurde Facebook dafür häufig kritisiert, welche Bilder sie zulassen und welche nicht. Das betrifft nicht nur Nacktheit, sondern auch Gewaltdarstellung.

Jede achte Frau ist betroffen

Tatsächlich täte Aufmerksamkeit Not. Denn Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen: Etwa jede achte Frau ist im Laufe ihres Lebens davon betroffen, in Deutschland allein sind es jährlich circa 69.000 Frauen. Wird der Krebs frühzeitig entdeckt, besteht Hoffnung auf Heilung. Eine der Beteiligten sagte in einem Interview: „Mit 35 wurden mir beide Brüste abgenommen und nach 15 Chemotherapien wieder rekonstruiert. Ich finde die Posts von uns nicht offensiv. Was auch immer notwendig ist, damit ihr regelmäßig eure Brüste checkt – ich mache mit“, wird sie von ABC zitiert.

Einige User*innen haben bei Instagram – das auch zu Facebook gehört – schon vor einiger Zeit mit einem Account darauf aufmerksam gemacht, wie blöd es ist, auf gegenderten Nippeln zu beharren und die eigenen Richtlinien davon abhängig zu machen, an wessen Körper sie zufällig dran sind. „Genderless Nipples“ zeigt Bilder von Nippeln, die, egal von wem sie „getragen werden“, genau eine Aufgabe haben: Nippel zu sein. In Nahaufnahme fotografiert, tricksten die Mechanismen des Netzwerks aus, das dann nicht mehr zuordnen kann, zu welchem Körper der Nippel gehört. Und dann kann natürlich noch Photoshop Abhilfe schaffen, um die Augen der Welt vor dem weiblichen Nippel zu schützen. Einfach den weiblichen Nippel rausschneiden und den männlichen einfügen. Die perfekte Vorlage gibt es schon:

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