Bewerbergraus Telefoninterview: Tipps, wie man am Hörer überzeugt

Bewerbungen sind in der Regel etwas, das ziemlich stressig sein kann. Lebenslauf erstellen, Anschreiben verfassen – und gefühlt eine Ewigkeit warten. Für viele Bewerber ist es dann enttäuschend, wenn es sich bei der ersten Rückmeldung um die Einladung zu einem Telefoninterview handelt. Doch was genau bedeutet das und wie geht man jetzt vor? Wir haben das im Gespräch mit zwei Expertinnen herausgefunden.

Positive Attitude, bitte

“Eine Einladung zum Telefoninterview an sich ist super. Schließlich macht sich der Arbeitgeber die Mühe und investiert Zeit in einen. Als Bewerber darf man die Einladung also nicht negativ ansehen“, erklärt Jessica Wahl, Karrierecoachin und Gründerin vom Institut für Personal Performance in Berlin. “Für beide Seiten ist ein Telefoninterview vorrangig kostensparend. Schließlich muss man erstmal prüfen, ob man überhaupt matched. Vieles entscheidet sich nach den ersten Worten. Da hat man am Telefon einen klaren Vorteil: Man kann sich gut vorbereiten und zusätzlich Informationen bei der Hand halten, falls man ins Stocken gerät.“

Jessica Wahl, Gründerin vom Institut für Personal Performance/ ©WAHLUNIVERSUM®

Selbstvermarktung auch am Telefon

Die Wahl für ein Telefoninterview kann unterschiedliche Gründe haben. Warum man sich aber trotzdem freuen kann, erläutert Caroline Tillmann von Tillmann Consulting, die als Karrierecoachin sowohl Beratung für Bewerber als auch Unternehmen gibt: “Im Wort Bewerben steckt ja der eigentliche Sinn schon mit drin. Es geht ums Werben, um das Erreichen von Aufmerksamkeit und Interesse. Mit einer Einladung zum Telefoninterview hat man das bereits geschafft.“

Aber warum wollen viele Firmen erst einmal telefonieren? „Dies kann verschiedene Gründe haben. Entweder ist die Entfernung zwischen Bewerber und Unternehmen sehr groß oder es dient als klassisches Instrument, wenn noch Fragen offen sind. Beispielsweise wenn der Bewerber vergessen hat, Informationen wie die Gehaltsvorstellungen oder den Eintrittstermin zu nennen. Natürlich werden Telefoninterviews auch oft genutzt, um eine große Menge an Bewerbern im Vorhinein auszusortieren. Allerdings sollte man sich davon nicht verunsichern lassen“, erläutert Tillmann.

Raus aus den Federn

Ein Telefoninterview führt man bestens an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt. “Trotzdem bloß nicht im Café oder Bett“, warnt Wahl. “Die Stimme verändert sich mit der Haltung. In einer Businesssituation am Schreibtisch und richtig angezogen, spricht man viel professioneller als mit Jogginghose auf der Couch oder im Bett. Es hilft auch, sich zu Hause vorher ein wenig über den Personaler einzulesen. Sprich: erstmal googlen. So erkennt man, auf welcher Ebene man sich begegnet, und es hilft dabei, positiver und selbstbewusster ins Gespräch zu starten. Auch ein zweiter Blick auf das Ausschreiben ist meist nützlich. Welche Begriffe werden dort verwendet, was ist besonders prägnant?“

Vorentscheid oder Instrument?

“Vor allem in größeren Firmen gehört das Telefoninterview oft zum normalen Bewerbungsverfahren“, so Tillmann. “Man unterscheidet dabei zwischen den üblichen 20 bis 30 Minuten und einem langen Gespräch von 60 bis 120 Minuten. Das signalisiert mir, dass es als normales Bewerbungsverfahren angesehen werden kann und fordert dahingegen natürlich mehr Vorbereitung. Gerade in Zeiten der Digitalisierung möchte man die Möglichkeit haben, vorher in Kontakt zu treten. Außerdem kommt es auch auf die Position an. Handelt es sich um eine Stelle, bei der Kundenkontakt oder viel Arbeit am Telefon vorgesehen sind, ist ein Telefoninterview das ideale Medium, um die Kompetenz des Bewerbers zu prüfen.“

Caroline Tillmann, Inhaberin von Tillmann Consulting

Nicht verunsichern lassen

Aller Anfang ist schwer. Daher lautet auch hier die Devise: Nicht stressen oder verunsichern lassen. “Am Anfang kommt sowieso meist: Stellen Sie sich vor. Darauf sollte man gut vorbereitet sein. Kurzes Intro, nur nicht zu lange sprechen. Es soll schließlich ein Dialog sein und kein Monolog. Außerdem nicht beim Kindergarten anfangen. Der Personaler möchte natürlich möglichst schnell all seine wichtigen Informationen beisammen haben. Die sollten sich demnach auch Großteils an den Anforderungen für die angebotene Stelle orientieren“, rät Jessica Wahl.

Tillmanns Tipp: “Personaler möchten hinter die Fassade ihres Bewerbes blicken und nicht nur das hören, was die Person auswendig gelernt hat. Dafür kommen dann häufig Fangfragen zum Einsatz: Was würde Ihr Chef über Sie sagen? Was kritisieren Ihre Kollegen*innen an Ihnen? Damit soll der Bewerber aus der Reserve gelockt werden. Wichtig ist, dass es zielführend sein muss. Wenn eine solche Situation – ebenso wie die vom Personaler bewusst geplante Gesprächspause – auftritt, lohnt es sich, ein Stück weit reflektiert, aber auch spontan und ehrlich zu antworten.“

Die Zukunft der Bewerbung

Während früher die Bewerbungsgespräche oft im eigenen Ort stattfanden und man nicht national oder international kilometerweit unterwegs sein musste, hat sich das heute geändert. “Mit jeder Generation kommt Neues hinzu. Viele Personaler nutzen lieber das Telefon anstatt den Video-Chat, doch zukünftig könnte das trotzdem mehr in den Vordergrund rücken. Durch Hilfsmittel wie Skype oder Facetime können so schließlich nicht nur die Stimme, sondern auch Mimik und Gestik abgecheckt werden. Möglich sind auch Vorauswahlverfahren, die via Online Tests durchgeführt werden. Einige Unternehmen nutzen dieses Instrument ja bereits“, so Jessica Wahl.

Caroline Tillmann ist außerdem der Meinung, dass gerade jetzt in Zeiten des Fach- und Führungskräftemangels vor allem die Unternehmer selbst immer mehr zu Bewerbern werden. “Die Generationen X und Y sind mit Social Media aufgewachsen und können das als effektives Mittel nutzen. Der Mensch wird mehr in den Vordergrund gerückt. Es wird wichtiger, die Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ein harmonisches Arbeitsumfeld wird ein Grund zur Unternehmenswahl. Im Endeffekt wird das persönliche Kennenlernen sicher der Königsweg bleiben, doch auf neue Formate müssen sich sowohl Firmen als auch Bewerber einstellen.“


Kati Dirscherl

Kati studiert einen Mix aus Wirtschaft und Kommunikation und wusste eigentlich schon immer, dass es sie in die Journalismusrichtung treibt. Wenn sie sich nicht gerade im Schreibflow befindet oder als Meme-Meister fungiert, verbringt sie ihre Freizeit gern mit langen Spaziergängen, philosophischen Themen und absurden Dokumentationen über alle möglichen Kuriositäten dieser Welt.

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