Productivity & New Work KI und menschliche Kreativität: ein interessantes Duo im Praxistest

KI und menschliche Kreativität: ein interessantes Duo im Praxistest

Ein Gastbeitrag von Alexander de Lukowicz, Head of Creative Services von 27km. 

Dank ihrer Verbindung zu tiefen philosophischen und ethischen Fragen hat künstliche Intelligenz eine faszinierende und zugleich beunruhigende Anziehungskraft. Gerade in der Kreativbranche, wo Tradition auf Innovation trifft, spüren wir diese Spannung besonders. Motiviert von dieser spannenden Herausforderung haben wir beschlossen, intern unsere Grenzen zu testen und zu erweitern: wir wollten wissen, was passiert, wenn wir einen ganzen Film mit KI konzipieren und produzieren. Ein aufregendes Experiment, das zeigt, wir für uns die Grenzen des Möglichen verschieben können. 

Eine einst exklusiv dem Menschen zugeschriebene Domäne, die Kreativität, erfährt durch (generative) KI eine spannende Erweiterung. Texte, Bilder, Videos und Musik können jetzt mit den unterschiedlichsten KI-Tool entstehen, was unsere Vorstellung von Originalität und Einzigartigkeit herausfordert. Doch Kreativität bleibt ein Bereich, in dem der menschliche Geist unverzichtbar ist. Unser KI-Projekt hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass echte Innovation am Schnittpunkt von menschlicher Inspiration und maschineller Ausführung entsteht – ein Zeugnis dessen, dass unser kreativer Funken wahre Magie entfacht

Um zu testen, wie KI unseren Arbeitsalltag und unsere Kreativität verändert, wollten wir uns praktisches Wissen aneignen. Für unser Projekt wurden wir auf Gia Pham, einen lokalen Supermarkt im Herzen von Hamburg Altona, aufmerksam. Kleiner Laden, vielfältiges Angebot, gute Menschen und geringe Präsenz auf Social-Media. Perfekt. GPT lieferte uns auch prompt eine Strategie für die bevorstehenden Kampagne. Das Ziel: Dem Supermarkt helfen, lokale Reichweite zu generieren und auf diese Weise das Geschäft anzukurbeln. Wie die Kampagne zum Erfolg wird? Sie muss visuell ansprechen, emotional berühren und – interessanterweise – einen menschlichen „Touch“ haben. 

Letztlich bedeutet das Erarbeiten und Produzieren der Kampagne, dass sich an unseren gewohnten Arbeitsschritten zunächst nichts ändert. Lediglich die Techniken, mit denen wir diese umsetzen, mussten wir anpassen. Wobei die ersten Schritte schon fast Gewohnheit waren. Dass sich ChatGPT hervorragend für konzeptionelles Brainstorming eignet, ist kein Geheimnis. Und die Fähigkeiten von Midjourney haben sich ebenfalls rumgesprochen. 

Die Produktionsphase aber legte einige Schwachstellen offen. Tatsächlich war es uns wichtig, die benötigten Bilder nicht ausschließlich im Computer zu generieren, sondern zu erfahren, was wir beim Zusammenspiel zwischen gedrehtem Material und AI zu beachten haben. Die ersten Tests waren vielversprechend. Knifflig wurde es beim Style-Transfer. Unsere Darstellerin, konsistent über alle Welten und Schnitte hinweg zu integrieren, war herausfordernd. Letztlich konnten wir die AI trainieren, “den Menschen” im Bild gut zu erkennen. Irgendwann gelang der Style Transfer per Mausklick tatsächlich. Auf lange Sicht ist die Optimierung solcher technischen Schnittpunkte eine Möglichkeit, Konzeption und Produktion positiv zu beeinflussen. 

Aus dem Raster gefallen sind eigentlich nur die Ergebnisse für die musikalische Untermalung. Die per AI-generierte Musik entsprach unseren Ansprüchen nicht und wir haben hier auf die analogen Fähigkeiten unseres Komponisten gesetzt. Für das Voiceover konnten wir aber erfolgreich ein eigenes Model trainieren. Den per Voice-to-Voice von uns gelieferten Input konnten wir per Text-to-Voice mit Hilfe der KI erweitern. Von der Geschwindigkeit, Tonalität und Flexibilität des fertigen Models waren wir tatsächlich beeindruckend. 

Die aufgeführten Arbeitsschritte zeigen: Ausschließlich per KI erzeugter Content ist technisch noch nicht möglich. GPT liefert uns ein Konzept, Midjourney Bilder, aber die Kampagne konnte nur unter Aufsicht gelingen. Aktuell fehlen für alle Arbeitsschritte noch einige Prozentpunkte, um ein zufriedenstellendes und hochwertiges Ergebnis zu liefern. Als Inspiration oder intelligentes Tool dient KI allemal. Der Input, der durch generativen Content erstellt wird, ist schnell vorhanden und überzeugt im Brainstorming. Für ein erstes Mood- oder Storyboard liefert KI im Handumdrehen Ideen. Wer verschiedene Audio-, Video, Text- oder Bild-Tools trainiert, wird langfristig von der Zusammenarbeit mit KI profitieren. 

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