Fatoni: “Schon geil, wenn ich Kommissar im ‚Tatort‘ wäre“

Anton Schneider alias Fatoni ist einer der schlausten Rapper der deutschen Musikszene. Nun erscheint sein neues Album. Ein Gespräch über das An-sich-Glauben und seine Pläne als Schauspieler

Fatoni, dein neues Album heißt „Andorra“, damit spielst du auf den Andorra-Effekt an. Das musst du einmal kurz erklären.

Der Andorra-Effekt ist ein Phänomen aus der Soziologie und beschreibt, dass Menschen sich so verhalten, wie die Gesellschaft es von ihnen erwartet. Es ist also eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Und was genau hat das mit deiner Musik zu tun?

Auf dem neuen Album gibt es den Song „Die Anderen“, wo sehr viel davon drinsteckt. Da rappe ich: „Hör nur auf dich selbst, haben die anderen gesagt“. Wie sehen einen die anderen? Wie sieht man sich selbst? Will man so sein, wie es von einem erwartet wird, oder will man ausbrechen? Generell geht es auf der Platte viel um Identitätssuche und um Lebensentwürfe von anderen Personen und wie man die bewertet.

Das Plattencover hat die Künstlerlegende Klaus Voormann illustriert. In den 60ern hat er unter anderem das Artwork für das Beatles-Album „Revolver“ gemacht und dafür einen Grammy gewonnen. Eine ziemliche Ehre, oder?

Ja, das war der Hammer. Der Besuch bei ihm war das beeindruckendste Treffen meines Lebens. Der war ja nicht nur als Grafiker unglaublich erfolgreich, sondern auch als Bassist. Weil ich sehr involviert war in die Covergestaltung, habe ich eine Zeitlang jeden Tag mit ihm telefoniert. Wir haben jedes Detail durchgesprochen, und ich liebe das Ergebnis.

Wie hast du ihn überzeugen können, mit dir zusammenzuarbeiten?

Wir haben den einfach angeschrieben, und er hat sogar ziemlich schnell geantwortet. Man glaubt bei vielen Sachen immer, das wird eh nichts. Aber nur weil man das denkt, sollte man es nicht unversucht lassen.

Deine Musik unterscheidet sich stark von dem Deutschrap, der zurzeit im Mainstream angesagt ist. Zum einen wirkst du sehr reflektiert, hast gesellschaftskritische Texte. Zum anderen spielst du mit verschiedenen Genres, einige deiner neuen Songs kommen etwa komplett ohne typischen Rapbeat aus. Wo holst du dir die Inspiration, was für Musik hörst du dir an?

Ich bin eigentlich komplett rapsozialisiert, aber vor ein paar Jahren hatte ich einen Rap-Kollaps und habe das alles so sehr gehasst. Darum habe ich immer mehr Gitarrenmusik gehört, viel Lo-Fi-Folk, und auch immer mehr Indie. Ich habe einfach mal weiter über den Tellerrand geguckt und bin von vielen Bands Fan geworden.

Du hast vor knapp 20 Jahren als Teenager angefangen zu rappen, wurdest aber erst durch dein 2015 erschienenes Album „Yo, Picasso“ einem größeren Publikum bekannt. Wie hast du dich in der Zwischenzeit motiviert, weiterzumachen?

Na ja, man muss dazu sagen: Damals, als es nur nebenbei lief, war Rap insgesamt noch sehr viel kleiner in Deutschland. Es gab nur sehr wenige deutsche Rapstars. Aber ich habe das auch nie gemacht, um Geld zu verdienen. Klar war das mein Ziel, aber es kam eher aus einer inneren Notwendigkeit, Output zu generieren. Darum habe ich auch noch nie darüber nachgedacht, aufzuhören.


Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder