99 Männer – „Forbes“ stellt 100 innovativste Leader*innen vor

Herrje, denkt man sich, als ob man das alles nicht schon mal gesagt, statistisch belegt, diskutiert, infrage gestellt hätte. Da könnte man direkt müde werden von diesem Gerede, Diversity im Unternehmen hin und her. Als ob nicht alle schön langsam Bescheid wissen müssten. Und dann, zack, veröffentlicht das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ eine neue Liste, die „America’s 100 Most Innovative Leaders“ vorstellt, und man scrollt

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und findet, wer hätte das gedacht, nur eine Frau zwischen 99 Begleitern wie Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Elon Musk, klar.

Diese einzige Frau heißt Barbara Rentler, ist CEO der Discounter-Kette Ross Store und hat es auf den stolzen Platz 75 geschafft. Das allerdings lässt sich nur vom Namen ableiten. Denn anders als ihre Kollegen hat Frau Rentler kein Profilbild mit ihrem Gesicht bekommen. Wahrscheinlich, vermutet ein User auf Twitter, hat „Forbes“ keinen Internetzugang. Denn online ist das Bild auf der firmeneigenen Page in kürzester Zeit auffindbar.

Nun leben wir aber im Jahr 2019 und damit auch zu einer Zeit, in der so ein einseitiges Weltbild nicht mehr unkommentiert bleibt. Zumindest nicht auf Social Media. Dort wurde die „Forbes“-Liste nämlich rege kritisiert:

Wie könnte man es in Zukunft besser machen? Bisher verbeißt sich Randall Lane, einer der Verantwortlichen für die fragwürdige Liste, in seiner öffentlichen Stellungnahme noch in die Ausrede, dass man eine Methode verwende, die es unter anderem auf die Reputation in den Medien, das soziales Kapital und die Investorenerwartungen absieht. Ebenfalls müssen die Gründer*innen der Unternehmen mindestens zehn Milliarden Dollar wert sein, in den vergangenen fünf Jahren an die Börse gegangen sein und unter den „Forbes“-Top 100 Most Innovative Companies sein. Frauen, stellt Lane in seinem Statement klar, hätten deswegen von Anfang an keine Chance gehabt.

Nun liegt es andererseits aber auch an der Jury, die die Unternehmen kürt und so eine Liste erstellt. Denn sie sind die Einzigen, die Einfluss auf die Richtlinien hat – und diese auch ändern könnte, um Frauen und deren Leistungen zu prämieren. Ein Anfang wäre es also zum Beispiel, die Jury nicht mehr nur mit zwei Business-Schulen-Professoren und einem Berater zu besetzen, wie es momentan der Fall ist. Dann klappts vielleicht demnächst auch mit der Reputation von „Forbes“ in den sozialen Medien.


Business Punk Redaktion

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