Leadership-Coach Peter Kleinau: „Frauen schneiden oft besser ab als ihre Kollegen“

Um Frauen in Führungspositionen ist es schlecht bestellt. Das sagen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die im September 2018 über das vorherige Jahr veröffentlicht wurden. Im Jahr 2017 lag der Frauenanteil unter Führungskräften in Deutschland bei gerade mal 29, 2 Prozent. Aber wieso ist das so? Peter Kleinau beschäftigt sich als Mediator und Leadership Coach bei Executive Mediation GmbH mit Vorurteilen, denen vor allem Frauen in Führungspositionen immer noch begegnen.

Frauen sind emotional, haben kein Selbstbewusstsein, weibliche Vorgesetzte können sich nicht durchsetzen und die Karriere steht hintenan, sobald Kinder kommen – alles Mythen?

Das sind jedenfalls die Vorurteile, gegen die Frauen im Berufsalltag immer noch zu kämpfen haben und die sie in der Karriere behindern können. Dabei schneiden sie in der beruflichen Praxis oft besser ab als ihre männlichen Kollegen. Feststellen lässt sich erstens, dass Frauen sowohl emotionale als auch rationale Kompetenzen bei Entscheidungen miteinfließen lassen. Bei Männern sind das oft nur rationale. Zweitens spielt Flexibilität im Hinblick auf die eigene Karriere eine immer größere Rolle – nicht nur bei Frauen. Und drittens wird auch immer klarer, dass Unternehmen Frauen gezielt fördern müssen, wenn vorhandene Strukturen aufgebrochen werden sollen.

Das heißt? Was raten Sie den Frauen, die zu Ihren Coachings kommen und Probleme in Führungspositionen haben?

Sind Frauen im Berufsalltag speziell mit Geschlechtervorurteilen konfrontiert, sollten sie unternehmensintern Beziehungen zu anderen Frauen in hierarchisch vergleichbaren Positionen aufbauen. So entstehen Netzwerke, die auf Kooperationsbasis funktionieren und den offenen Informationsaustausch fördern. Dabei können letztlich alle Jobthemen zur Sprache kommen, nicht nur genderspezifische Probleme, sodass Frauen sich gegenseitig auf ihren Karrierewegen unterstützen.

Frauenquote, top oder flop?

Ich war jahrelang Gegner, weil ich der Meinung war, Frauen werden schon da ankommen, wo sie ankommen wollen. Aber das lässt sich als junger Studierter leicht behaupten. Mittlerweile – mit mehr Lebens- und Berufserfahrung – muss ich sagen, dass das bei Weitem nicht selbstverständlich ist, dass Frauen nachrücken. Mir scheint es eher so, als ob viele den Nachwuchs als verlorene Söhne anerkennen und nachwachsen lassen möchten. Meiner Meinung nach können wir dem nur mit einer Quote entgegenwirken.

Wirtschaftlicher Erfolg hin oder her – was ändert es an strukturellen Problemen im Arbeitsalltag, schlechter Führung und so weiter, wenn eine Frau im Chefsessel sitzt?

Nichts. In meiner Wahrnehmung gibt es genauso viele schlechte weibliche wie männliche Führungskräfte. Denn ob jemand gut oder schlecht führt, hat mit dem Geschlecht erst mal nicht viel zu tun. In unseren Coachings erfahren wir oft, dass es vielen Menschen grundsätzlich schwerfällt, in Führungspositionen authentisch zu bleiben. Das bedeutet, sich nicht zu verstellen und zu wissen, wo die eigenen Stärken liegen, gleichzeitig aber die persönlichen Schwächen zu akzeptieren. Bei vielen liegt es daran, dass sie in der neuen Position nicht unbedingt glücklich sind – und das zu spät festgestellt haben.

 

 


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