„Ernährung, da werden Leute wahnsinnig“ – YouTuber Kurzgesagt im Interview

Der Kanal „Kurzgesagt – In a Nutshell“ knackte kürzlich die Marke von zehn Millionen Abonnenten auf Youtube und ist damit Deutschlands größter Youtube-Kanal. In den englischsprachigen Videos werden simpel die verschiedensten Sachverhalte erklärt. Wir waren bei der Verleihung des Diamanten-Play-Button im Berliner Youtube-Space dabei und haben mit dem Gründer Philip Dettmer gesprochen.

Wie hast du mit den Videos angefangen? Und warum?

Im Design-Studium bin ich Youtube-Fan geworden und habe wahnsinnig viel Youtube geguckt. Relativ früh bin ich auf die Bildungsszene gestoßen. Es gab diese großen Bildungscreator, die alle super unterhaltsam waren. Ich habe das als Unterhaltung konsumiert und wollte gar nichts lernen, wurde aber dann zu einem richtigen Fan.

Als sich mein Studium dem Ende zuneigte, habe ich mich relativ spontan entschieden, ein Video als Bachelorarbeit zu machen. Ich konnte nicht illustrieren, habe auch noch nie etwas geschrieben. Das war ein fürchterlicher Höllenprozess. Ich habe dafür einen Freund angehauen, der das alles animiert hat. Dann hat es irgendwie funktioniert.

Das Studium war zu Ende, ich hatte noch ein bisschen Erspartes über und keine Perspektive. Da habe ich mir gedacht: Wenn ich die Lebenskosten runterschraube, kann ich von dem Geld noch ein halbes Jahr leben. Also habe ich es nochmal mit einem Video probiert und einen anderen Freund angehauen, der animieren konnte.

Was hattest du studiert?

Ich habe zuerst Geschichte studiert, habe das aber nicht zu Ende gemacht. Dann bin ich zu Kommunikationsdesign gewechselt, mit dem Fokus auf Infografiken.

Wieviel Leute seid ihr in eurem Team?

Ich habe heute gelernt, dass wir 32 sind. Aber es schwankt immer ein wenig. Praktikant*innen kommen und gehen. Ich sage mal, wir sind 30 Leute.

Kannst du erklären, wie ihr euer Geld verdient?

Wir haben ganz viele verschiedene Einkommenssäulen. Wir haben natürlich Werbeeinahmen auf YouTube. Dann machen wir noch Crowdfunding über die Plattform Patreon, das ist so eine Art monatliches Crowdfunding, wo Fans ihre Lieblingscreator unterstützen können. Das ist eine wichtige Einnahmequelle für uns.

Außerdem machen wir Sponsorships. Unternehmen können, wenn sie zu uns passen – zu den meisten Angeboten sagen wir nein – Spots hinten im Video kaufen. Dazu verkaufen wir noch Merchandise. Da haben wir auch ein Leuchtturmprodukt, das machen wir einmal im Jahr, was einen Großteil unserer Merchverkäufe ausmacht.

Wir haben auch Förderungen wie die „Bill & Melinda Gates Foundation“, die einfach wollen, dass gewisse Themen im Internet mehr besprochen werden. Die letzte Säule ist die Partnerschaft mit Funk, die vor allem den deutschen Kanal finanziert, was uns aber auch insgesamt aushilft.

Wie bist du denn überhaupt auf die Idee gekommen, deine Videos auf Englisch zu machen?

Das weiß ich gar nicht mehr. Ich habe meine Bachelorarbeit auch schon auf Deutsch und Englisch gemacht. Deshalb hat sich das einfach richtig angefühlt. Ich hatte damals ja auch keine Ahnung von sowas. Zwei Sprachversionen auf einem Kanal hochzuladen, ist völlig bescheuert. Aber das wusste ich da noch nicht.

Wie fühlt sich das denn für dich an, berühmt zu sein und auf der Straße trotzdem nicht erkannt zu werden?

Ich bin ja nicht berühmt, das ist auch gut so, das will ich nicht sein. Das merkt man auch am Kanal: Wir haben nie Behind-The-Scenes gemacht, nie Gesichter gezeigt. Das ist auch Absicht. Wir wollen dieser Art von Fankult und parasozialen Beziehungen entkommen.

Ich muss auch zugeben, dass bevor wir fünf Millionen Abonnenten hatten, ich gar nicht begriffen hatte, dass wir ein großer Kanal sind. Weil wir in München in unserer Bubble sind und unsere Motivation intrinsisch ist. Wir motivieren uns quasi gegenseitig, weil wir auch geilen Content machen wollen.

Mittlerweile verstehe ich, dass viele Leute echt Fans sind. Aber wir treffen sie auch nicht oft. Deshalb: Fühlt sich mega weird an, um deine Frage zu beantworten.

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