Preisschilder für Immobilien: Wie Scoperty einen neuen Markt schaffen will

Stellt euch vor, eure Stadt ist ein gigantischer Supermarkt. Jede Straße ist ein Gang, doch anstatt Lebensmitteln werden da Wohnungen in den Regalen ausgepriesen. Falls ihr euch für eine Immobilie entscheidet, aber noch nicht wisst, wie ihr sie bezahlen sollt, könnt ihr Mitarbeiter*innen fragen, die euch beim Finanzierungsplan helfen. Ein zugegeben abstraktes Bild, aber so ungefähr funktioniert Scoperty, ein Proptech-Startup, dass 2019 in München gegründet wurde.

Durch Big Data und künstliche Intelligenz versieht Scoperty auf einer virtuellen Karte Immobilien mit Preisschildern, die eine möglichst genaue Schätzung sein sollen, wie viel die Objekte wirklich wert sind. So sollen potenzielle Käufer*innen und auch Verkäufer*innen motiviert werden, aufeinander zuzugehen. Immerhin sei Scoperty für Immobilien das, was Tinder für Partner*innenschaften ist, wie es CEO Dr. Michael Kasch auf den Punkt bringt. Also eine Plattform, auf der sich Kaufinteressent*innen und Eigentümer*innen treffen können.

Kasch hat uns im Gespräch außerdem erzählt, wie die angezeigten Immobilienwerte immer genauer werden, mit welchen drei Problemen Käufer*innen generell konfrontiert werden und wie Scoperty überhaupt Geld verdient.

Der Berliner Alexanerplatz (Screenshot via Scoperty.de)

Wie funktioniert Scoperty?

Der Markt heute ist absolut intransparent. Nicht einmal diejenigen, die in der Wohnung leben, wissen, was sie wert ist. Es ist relativ schwierig, diese Information zu bekommen. Wenn ich eine Immobilie besitze und sie verkaufen will, ist die erste Frage, die ich mir stelle: Womit kann ich rechnen? Auch auf der Käufer*innen-Seite fragt man sich: Was ist ein fairer Preis? Das kann man nur mit Zeit- und Kostenaufwand beantworten.

Scoperty will dieses Problem lösen. Der Markt soll transparenter, einfacher und zugänglicher werden, damit am Ende mehr Menschen ein eigenes Zuhause bekommen.

Mal ein konkretes Beispiel: Das Haus, in dem ich in einer Wohnung lebe, wurde laut euch 1900 gebaut und eine Wohnung darin soll rund 260.000 Euro wert sein. Allerdings wird mir angezeigt, dass dieser Wert erst zu einem Drittel vervollständigt ist. Welche Werte müssen noch einfließen, damit er möglichst genau und komplett ist?

Was auf der Karte sichtbar ist, ist ein initialer Schätzwert, der einen guten Richtwert vorgibt. Er ergibt sich aus einem Algorithmus, den wir nutzen und mit unserem Partner Sprengnetter weiterentwickeln. Die jeweiligen Eigentümer*innen haben die Möglichkeit, zusätzliche Angaben zu machen. Wenn wir beispielsweise eine Wohnfläche von 137 Quadratmetern schätzen und die Eigentümer*innen das dann auf 155 Quadratmeter korrigieren, ergibt sich ein präziserer Wert.

Mit diesen Informationen erhalten die Eigentümer*innen genauere Schätzungen. Wir sind überzeugt, dass wir den genauesten Wert produzieren, bevor jemand die Immobilie besichtigt hat.

Es kommt vor, dass ihr fälschlicherweise Wohnungen anbietet, also beispielsweise, dass Büroflächen als kaufbare Wohnungen deklariert werden, obwohl sie das nicht sind. Wie verbessert ihr eure Daten diesbezüglich? Seid ihr da auf manuelle Hinweise angewiesen?

In der Tat ist es so, dass wir Neuland betreten. Wir haben aktuell acht Millionen Immobilien transparent auf dem Marktplatz. Das Ziel ist es, alle 40 Millionen Wohnimmobilien Deutschlands verfügbar zu machen. Klar sind da in Einzelfällen Ungenauigkeiten dabei. Der Klassiker ist ein kleines Häuschen auf einem Grundstück, das so auch noch auf Online-Karten zu sehen ist. Mittlerweile steht dort in der Realität aber ein neu gebautes Doppelhaus.

Dr. Michael Kasch, CEO von Scoperty

Wir sind stetig dabei, die Daten zu aktualisieren, gleichzeitig freuen wir uns über die Mithilfe von Menschen, die Hinweise geben. Wir glauben daran, dass wir letztendlich ein lernendes System bieten, was dadurch besser wird, dass die Menschen es nutzen und mitmachen.

Welche drei Fehler machen Immobilienkäufer*innen am häufigsten?

Für die Käufer*innen ist es nicht einfach, ein Gefühl für einen fairen Preis zu bekommen. Häufig ist es schwer und zeitintensiv, an Immobilienpreise zu gelangen. Da setzen wir an. Durch eine breite Transparenz soll sich ein Gefühl für faire Marktpreise leichter einstellen.

Ein anderes Thema ist, sich mit dem eigenen Budget und den Finanzierungsmöglichkeiten zu beschäftigen. Unserer Erfahrung nach ist es den Beteiligten am Markt eine Hilfe, sich schon vor der Immobiliensuche damit zu beschäftigen, was sie sich leisten können. Beispielsweise durch Finanzierungszertifikate, die belegen, was eine Bank ihnen leihen würde. Diese Bestätigungen helfen in der Interaktion mit Makler*innen, aber auch mit Eigentümer*innen deutlich zu machen, dass ich mir als Käufer*in die Immobilie auch leisten kann. Meine Anfrage ist also relevant für sie.

Heute haben Käufer*innen häufig das Problem, dass es kein Angebot gibt. Viele suchen, aber es gibt nichts oder sie müssen innerhalb von Stunden reagieren, sonst ist das Angebot schon wieder weg. Wenn sie aber reagiert haben, stehen sie in einer langen Schlange von Menschen, die auch reagiert haben. Selbst wenn sie also die Zeit investieren, ist es nicht sicher, dass sie den Zuschlag erhalten. Wir beobachten daher schon in der Offline-Welt, dass Menschen Zettel an Laternenpfähle kleben oder in Briefkästen werfen, auf denen steht, dass sie Wohnungen suchen und kaufen wollen. Das sind Versuche, einen eigenen Markt zu kreieren. Wir bieten dafür jetzt die digitale Plattform.

Wie verdient ihr eigentlich daran?

Wir verdienen an der Vermittlung von der Finanzierung mit. Für Käufer*innen und Verkäufer*innen ist das Modell also kostenlos. Wenn Eigentümer*innen im Prozess Unterstützung von Makler*innen wollen, verdienen wir auch an der Vermittlung der geeigneten Makler*innen mit.

In welche Länder wollt ihr noch expandieren?

Aktuell sind wir in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt und der Nürnberger Region präsent. 2020 wollen wir ganz Deutschland verfügbar machen. Darüber hinaus gibt es erstmal keine weiteren Pläne, aber natürlich gibt es dieses Modell in anderen europäischen Ländern bisher noch nicht.

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