Productivity & New Work Erst Betroffener, jetzt Experte: Lukas Pohland vom Cybermobbing-Hilfe e.V. im Gespräch über den Status quo

Erst Betroffener, jetzt Experte: Lukas Pohland vom Cybermobbing-Hilfe e.V. im Gespräch über den Status quo

Lukas, ist aus deiner Sicht als Experte in den letzten Jahren beim Thema Cybermobbing eine Verbesserung eingetreten? Oder ist alles noch schlimmer?

Die Probleme sind sicherlich noch immer die gleichen wie vor Jahren. Es verschwinden Apps, es kommen aber auch Apps dazu – das verlagert sich lediglich. Aber die Grundproblematik ist immer noch dieselbe wie damals, als wir mit dem Verein gestartet sind.

Was sind denn die typischen Probleme beim Cybermobbing?

Das ist von Fall zu Fall individuell und hängt auch immer vom Alter ab. Häufig findet es erst mal in Whatsapp-Gruppen statt. Aber auch via Instagram, Snapchat und Co. Eigentlich auf allen sozialen Netzwerken, die Kinder und Jugendliche nutzen.

Die Social-App der Stunde ist Tiktok. Siehst du das als neue Quelle für Mobbing, oder herrscht dort mit den lustigen Tänzen eine positivere Stimmung?

Ich glaube, die friedliche Social-Media-Plattform bleibt erst noch ein Traum. Ich sehe da große Gefahren, auch weil sie schon lange nicht mehr nur für Tänzchen genutzt wurden, wie als es noch Musically hieß. Persönliche Angriffe kommen dort immer häufiger vor.

Wie macht ihr Betroffene auf euer Angebot aufmerksam?

Einerseits über unsere Präventionsarbeit, die über Medien stattfindet. Andererseits sind wir über Schulleitungen und Lehrer*innen vernetzt. Die machen für unser Beratungsangebot Werbung.

Der 16-Jährige hat sich als Geschädigter mit seinem Verein Cybermobbing-Hilfe e.V. als Experte etabliert (Foto: Stefanie Lategahn)

Wie bekommt man einen Kulturwandel zu mehr gegenseitigem Respekt hin?

Ich glaube, dass im geringen Maße etwas passiert, aber es ist zu wenig. Das kann nicht nur einmal kurz Thema sein und dann nicht mehr. Wir müssen klar an den Schulen ansetzen, weil die nun einmal ein Ort der Bildung sind. Und die sind letztlich verantwortlich, dass ihre Schüler*innen fit fürs Leben werden.

Da muss man ansetzen und für eine konsequente Medienkompetenz und -erziehung sorgen. Das kann nicht nur im Rahmen eines eintägigen Workshops passieren, sondern muss fortlaufend Thema sein.

Wie ist der Austausch mit den Social-Media-Companys selber?

Der Austausch ist schwierig. Ich war einmal bei Instagram zu einer Veranstaltung eingeladen. Wir erhoffen uns als Initiative aber deutlich mehr.

Die mögen vielleicht nicht für die Medienerziehung von Kindern und Jugendlichen verantwortlich sein, aber sie schaffen letztlich eine Plattform, die für Cybermobbing missbraucht wird.

Wie könnten da konkrete Lösungen aussehen?

Es gibt verschiedene Ansätze. Ein Beispiel ist eine Art Notfall-Button an präsenter Stelle, den ich als Betroffene*r klicken kann und direkt eine Unterstützung erhalte. Entweder wird man an Beratungsstellen verwiesen oder erreicht darüber direkt psychologisch geschultes Personal von der Plattform.

Und solche Vorschläge stoßen auf taube Ohren?

Wir sind etwa mit dem Notfall-Button an Instagram herangetreten. Der Sinn des Austauschs war auch, wie man Cybermobbing entgegentreten kann. Es wurde versprochen, dass man sich der Ideen annimmt – aber bislang haben wir davon nichts mitbekommen.

Vielleicht eine andere Idee: Was, wenn du selber mit einer Plattform an den Markt gehst?

Eigentlich nicht verkehrt. Man muss aber natürlich auch sagen, dass selbst die sicherste Plattform nichts bringt, wenn die Köpfe der Nutzer*innen nicht bereit sind.

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