Productivity & New Work Kolumne: Ideen sind gut,  Execution ist besser

Kolumne: Ideen sind gut, Execution ist besser

von Lea-Sophie Cramer

Wenn es schnell gehen muss: von der ersten Idee bis zur Gründung — eine Kolumne als Turbo-Ratgeber 

Eigentlich habe ich drei Kinder. Einen Sohn, eine Tochter und eine Firma. Als ich vor ein paar Wochen in der Beiratssitzung von Amorelie saß, wurde mir wieder klar: Ich hänge an dem Unternehmen und will ihm beim Großwerden zusehen. Den Wunsch, eine Berufung und nicht einen Beruf zu finden, haben immer mehr Menschen. Diese Kolumne soll einen Impuls zum Start geben. 

Wie kommt man auf neue Ideen?  

Mir sind vier erprobte Wege bekannt. Denn entweder (1) man löst ein eigenes Problem, (2) kopiert bereits irgendwo anders Funktionierendes oder (3) setzt sich auf einen entstehenden Megatrend. Unsere Idee mit Amorelie besetzte damals die vierte Variante (4): „Lösungen verbessern“ – das war unser Erfolgsrezept.

Natürlich gab es bereits Sexshops wie zum Beispiel Beate Uhse, die ebenfalls versuchten, ihre Produkte online zu verkaufen. Nur hatten die keine zukunftsfähige Zielgruppe, passende Produktauswahl, Marke, Story und außerdem ein abschreckendes Design. Fakt: Fast zehn Prozent aller Unicorn-Ideen kommen aus der Optimierung bereits bestehender Geschäftsmodelle. 

Die Idee bewerten 

Es gibt unzählige Bewertungskriterien für die Zukunftsfähigkeit einer Idee: etwa Marktgröße, Wettbewerb, Innovationsgrad, Finanzierungsbedarf und, und, und … Ich glaube aber, der Ausgangspunkt für die Ideenbewertung muss ich als Gründerin sein. Auch hier wieder vier Schritte. Erstens die Vision: Was will ich erreichen und warum? Dann: Welche Assets – also Fähigkeiten, Kapital, Zugang zu Talenten – bringe ich mit? Und wie helfen sie mir bei der konkreten Idee?  

Außerdem ist das Ambitionsniveau wichtig: Wie schnell will ich skalieren, wie viel Risiko kann ich tragen, wie groß will ich denken? (Das definiert dann auch die Finanzierung.) Letztlich die Ernsthaftigkeit: Möchte ich die Firma in Vollzeit aufziehen, und ernährt sie meine Familie? Oder ist es meine kreative Verwirklichung nebenher? 

Groß denken und sein persönliches Warum kennen 

Mit Amorelie ging es uns darum, Sexualität in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Für mein nächstes Gründungsbaby brauche ich ein ähnlich klares Warum. Was ist der Purpose? Was bringt mein Produkt der Welt? Diese Frage stelle ich nicht nur für mich, sondern auch fürs Business.

Wieder spannend: Organisationen mit Purpose weisen laut einer Studie von EY um 42 Prozent bessere Finanzergebnisse auf. Außerdem hilft es, ein Why zu haben, um durch schwere Zeiten zu kommen. Vor allem aber: groß denken. Wie helfen dein Produkt und deine Gründung der Welt? Was würde sich ändern, wenn du mit der Gründung erfolgreich sein würdest? 

Der rabiate Ideentest 

Reid Hoffman, Gründer und Chairman von Linkedin, hat mal gesagt: „If you’re not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.“ Ein Minimum Viable Product (MVP) reicht zum Start. Bei Amorelie haben wir am Anfang im Sexshop nebenan offline Toys zum UVP gekauft und sie dann weiterverschickt. Nicht günstig, aber ein guter Test.

Feedback ist essenziell. Denn die Kunden voten mit dem Einkaufszettel. Und Investoren voten, indem sie eine Idee finanzieren – oder auch nicht. Daher sollte man früh pitchen (selbst wenn man kein Geld braucht) und hartnäckig nach echtem, hartem Feedback fragen.  

Ideas are everywhere … it’s the execution that’s rare 

Eine Idee für ein Unternehmen, das mich auch die nächsten zehn bis 15 Jahre begeistern soll, zu finden ist eine große Herausforderung. Was den Druck nimmt: die Überzeugung, dass Ideen wichtig sind, es aber für den Erfolg vor allem auf die Umsetzung ankommt. Zehn Prozent ist die Idee, 90 Prozent die Umsetzung im Day-to-day.

Dazu ein Zitat von Annie Dillard: „How we spend our days, is how we spend our lives.“ Ich kann noch so viel über die beste Idee nachgrübeln, aber irgendwann heißt es dann einfach: Springen! Und dann gilt es, all-in zu sein und das Maximum zu lernen und zu bewegen. 

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