Leadership & Karriere Post von Czaja: Eine wichtige Business-Lektion in Sachen Realkeeping

Post von Czaja: Eine wichtige Business-Lektion in Sachen Realkeeping

Kolumne von Dominic Czaja

Als Co-Gründer der Kreuzberger Agentur DOJO hat unser Kolumnist maßgeblich daran teilgehabt, dass Marken in den vergangenen Jahren eine überraschendere, ehrlichere und mutigere Kommunikation verfolgten.

Liebe Lesende, wann sind Sie das letzte Mal nicht Sie selbst gewesen? War es in einem Bewerbungsgespräch, für das Sie Ihren CV ein bisschen getunt haben, weil Crossfit sich einfach besser anhört als Netflix? War es in einem Meeting mit Ihrem Boss, dem Sie euphorisch zustimmten und gleichzeitig innerlich die Augen verdrehten? Oder war es vielleicht nur auf Instagram, wo Sie ein bearbeitetes Foto von sich mit dem Hashtag #liveauthentic posteten, um ein paar Follower*innen zu beeindrucken, die Sie selbst gekauft haben?

Wir alle versuchen, jemand zu sein, der wir nicht sind, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, weil sie nicht so wie wir sind. Und auch für Unternehmen, die sich den sich ständig ändernden Bedürfnissen des Marktes anzupassen haben, scheint es nicht immer leicht zu sein, sich selbst treu zu bleiben.

Eine wichtige Lektion in Sachen Realkeeping haben wir im Jahr 2010 gelernt. DOJO war noch ein zarter Bonsai-Baum, an dessen Ästchen circa zehn Mitarbeiter hingen. Die Jahre davor haben wir uns mit kleinerem Projektgeschäft in der Agentur durchgeschlagen und haben viel Zeit in unser Street-Label Muschi Kreuzberg investiert, das wir unter allen Umständen vor unseren Geschäftspartnern verheimlichten, um nicht unseriös rüberzukommen.

Und so war es schon eine größere Sache, als wir durch einen Kontakt zu einem Treffen mit einer AG eingeladen wurden. Nach dem Meeting, zu dem wir im zur damaligen Zeit sehr angesagten Hero-Chic in Karohemd und Chucks aufkreuzten, stellten wir uns die Frage, ob das AG eine Abkürzung für Angemessen Gekleidet war. Die Manager des Konzerns, dessen Bestattungsunternehmen wir bewerben sollten, empfingen uns im klassischen Business-Dreiteiler und begruben damit schnell unsere Hoffnung, als Partner auf Augenhöhe ernst genommen zu werden.

Nach dem ungleichen Treffen beschlossen wir, unsere Pitch-Fee direkt im nächstgelegenen H&M auf den Kopf zu hauen und in Sakko, Mantel, Hemd und Pullover mit V-Kragen zu investieren. Das sah völlig falsch aus, fühlte sich aber richtig an. Kleider machen Beute. Beim nächsten Meeting holten wir uns den Deal. Während ich mich zum Abschied etwas unbeholfen in meinen schlecht sitzenden Mantel zwängte, fragte mich der Vorstandsvorsitzende: „Sagen Sie mal, dieses Muschi Kreuzberg, das gehört doch zu Ihnen, oder?“ Noch bevor ich meinen Kopf demütig senken und mich für mein Leben entschuldigen konnte, ergänzte ein anderer: „Das scheint ziemlich cool zu sein.“ Mein Partner und ich guckten uns verstört an, öffneten unseren Hemdkragen ein letztes Mal und fuhren zurück nach Kreuzberg.

Am nächsten Tag schickten wir unseren neuen, untypischen Fans ein Paket voller Woll­-Bea­nies aus der aktuellen Kollektion, mit denen auf dem Kopf sie uns beim nächsten Meeting begrüßten – natürlich modisch kombiniert mit klassischem Dreiteiler.

Mein Sakko von damals hängt seit diesem Tag in meinem Schrank als Erinnerung daran, dass wir sind, wo wir sind, weil wir sind, wie wir sind. Und weil wir mit Menschen arbeiten, die das zu schätzen wissen. Wir haben damals sehr gute Arbeit für den Kunden gemacht. Aber mindestens genauso wichtig war die Erfahrung für uns. Seitdem wissen wir: Begegnung auf Augenhöhe und der Mut, zu sein, wer man ist, sind für uns die Grundlage einer ehrlichen Geschäftsbeziehung. Bleiben Sie sich treu. Und mir gerne auch.

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