Green & Sustainability Better Stream: „Uns geht es nicht um Berieselung“

Better Stream: „Uns geht es nicht um Berieselung“

Die beiden Filmemacher Henning Krosigk und Donald Houwer bieten mit Better Stream eine Plattform, auf der aus­schließlich das Thema Nachhaltigkeit stattfindet. Im Interview erzählen sie uns, warum sie das neue Anti-Netflix sind.

Herr Houwer, Better Stream im Elevator-Pitch, bitte.

Eine nachhaltige Streamingplattform mit dem Ziel, zur größten grünen Mediathek im deutschsprachigen Raum zu werden. Wir wollen Zuschauer:innen für den Zusammenhang von Streaming und CO2-Ausstoß sensibilisieren und bieten ihnen eine Möglichkeit, ihren eigenen CO2-Fußabdruck beim Streamen auszugleichen.

Binge-Watching ist umweltschädlich?

Ja, die Daten für Filme und Serien müssen auf Servern gespeichert werden. Die verbrauchen viel Energie.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Der Begriff ist bei uns weiter gefasst. Wir meinen mit Nachhaltigkeit auch Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftlichen Wandel. Wenn es nur um das Thema Naturschutz ginge, wäre Better Stream für den täglichen Gebrauch etwas eingeschränkt.

©Better Stream

Also eine Art neues Anti-Netflix?

In gewisser Weise schon. Bei uns ziehen keine Algorithmen im Hintergrund die Fäden. Bei uns werden kostenlose Inhalte im Internet redaktionell zusammengestellt. Außerdem sind die Inhalte anspruchsvoller als eine Romcom auf Netflix. Uns geht es nicht um Berieselung, sondern darum, etwas für den Geist zu tun. Wir haben den Anspruch an Erwachsenenbildung. Das hat uns bei bisherigen Streamingdienstanbieter:innen gefehlt.

Ein Mix aus Mediathek und Streamingplattform?

Ja, wir sind aber auch eine Art Community. In der App gibt es einen „Mitmach-Button“, so können Leute uns Programmvorschläge schicken. Damit verfolgen wir den Gedanken der Interaktion zwischen Sendeplattform und Nutzer:in. Das wollen wir auch noch weiter ausbauen, indem wir unter den Inhalten noch einen Discuss-Button einfügen. Dann kann man sich mit anderen Nutzer:innen über Filme, Serien und Dokumentationen austauschen. Das fehlt bei anderen Anbieter:innen total. Das Wichtigste nach dem Film ist, sich mit anderen darüber zu unterhalten, um Anregungen für sich selbst mitzunehmen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Eigentlich wollten wir eine Plattform über Elektromobilität aufbauen. Dabei haben wir festgestellt, dass es nicht einfach ist, sich über umweltpolitische Themen mit Bewegtbild auf einen Blick zu informieren. Man muss sich alles mühsam im Internet zusammensuchen. Dann haben wir angefangen, das Projekt größer zu denken.

Die beiden Gründer: Henning Krosigk und Donald Houwer. ©Better Stream

Wenn ich Better Stream nutze, dann verbrauche ich aber auch Strom.

Wenn man uns mit Spenden unterstützt, investieren wir zehn Prozent in Kompensationsprojekte, die die Artenvielfalt erhalten. Aktuell geht das Geld an ein Projekt vom Naturschutzbund in der Sahelzone. Da wird aufgeforstet. Damit ist ein Grundbeitrag für die Kompensation geschaffen. Die genaue Kompensation können wir noch nicht berechnen, weil wir bisher fast ausschließlich auf andere Inhalte verlinken. Daher wissen wir nicht, wie viel Zeit die Leute auf den einzelnen Seiten mit Streaming verbringen. Irgendwann wollen wir aber genau ausrechnen können, wie viel über unser Programmangebot gestreamt wurde und wie viel CO2 das zur Folge hat.

Sind für die Zukunft auch eigene Inhalte für die Plattform geplant?

Wir haben bereits die Rubrik „Originals“. Dafür produzieren wir momentan nur Filme mit Monats- und Jahresrückblicken für Good News. In Zukunft möchten wir aber auch Produktionen lizenzieren und Eigenproduktionen zur Verfügung stellen.

Wie soll das erste von Ihnen produzierte Original aussehen?

Es gibt eine Serienidee, an der ich gerade gemeinsam mit einem Regisseur arbeite. Es geht um das Prinzip Cradle-to-Cradle, sprich Produkte in eine Kreislaufwirtschaft zu integrieren.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Wir bereiten momentan einen Antrag für einen Gründerbonus beim Berliner Senat vor und versuchen so, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen, um das Streamingangebot auch auf Laptops und Tablets zu erweitern.

Dieser Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe 1/21.132 druckfrische Seiten mit acht Storys über die Zukunft der weltweiten Gesundheitsindustrie. Außerdem: Start unserer neuen Serie Personal Finance, ein Besuch im ehrgeizigen Gründer-Hotspot Ostwestfalen-Lippe und die Geschichte von zwei Gründerinnen in Kolumbien, die ein weltweit agierendes Fashionlabel aufbauen. Also ab zum Kiosk oder zum Aboshop.

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