Green & Sustainability Diese beiden Gründer haben ein System geschaffen, das Küsten schützt und Riffe wiederbelebt

Diese beiden Gründer haben ein System geschaffen, das Küsten schützt und Riffe wiederbelebt

Ascencio: Am Ende schaden wir den Riffen aber von allen Seiten. Wir verschmutzen das Wasser mit Giftstoffen und Fäkalien. Wir betreiben Überfischung, werfen Anker auf die Korallen und haben zur Krönung noch den Klimawandel. Aber wenn wir den Riffen erlauben, sich langsam an die steigenden Temperaturen anzupassen oder sich weiterzuentwickeln, dann gibt es Hoffnung. In manchen Gebiete haben sich die Korallen angepasst und kommen mit den steigenden Temperaturen zurecht.

Haines: Wichtig ist dabei, den gestressten Riffen eine Pause von menschlichen Störungen zu verschaffen. Das Herzstück Ihres Systems sind die Reefy-Blöcke.

Wie helfen sie dabei, die Küsten zu schützen und Riffe wiederherzustellen?

Ascencio: Es gibt zwei Arten von Reefy-Blöcken. Die Basis ist der weiße, strukturelle Block. Doch da jedes marine Ökosystem an jedem Ort anders ist, reicht der allein nicht aus. Deshalb haben wir zusätzlich den Eco-Block entworfen. Er verfügt über ein Fächersystem, durch das wir verschiedene Hohlraumgrößen für bestimmte Spezies wie Hummer oder Jungfische schaffen können.

Haines: Durch die längliche Form unserer Blöcke und die vielen Löcher schaffen wir Räume und Unterschlupfbereiche, in denen sich Fische verstecken können. Durch das Verbinden der Blöcke entstehen weitere Spalten und Lücken, die Kleinstlebewesen ein Zuhause bieten. So schaffen wir vom ersten Tag an ein komplexes Riffhabitat. Im Laufe der Zeit beginnen dann Organismen, darauf zu wachsen, oder wir säen sie selbst aus.

Man kann also Korallenfragmente auf die Struktur pflanzen, um das Wachstum des Riff-Ökosystems in Gang zu setzen. Wie lange dauert es, bis es nach der Installation ein neues Korallenriff gibt?

Haines: Nach etwa fünf Jahren wird man schon gute Ergebnisse bei den Korallen sehen können. Normaler- weise brauchen Korallen ewig, um zu wachsen. Aber mit manchen Arten geht es schneller. Acropora-Korallen zum Beispiel wachsen etwa zehn Zentimeter pro Jahr.

Ascencio: Wichtig ist aber, dass der Strand sofort geschützt ist. Das ist die Idee der Reefy-Blöcke. Denn unsere Kunden brauchen alle Lösungen für gestern. Ihr Strand ist weg. Häuser, Resorts und Autobahnen werden vom Meer gefressen – sie brauchen Küstenschutz vom ersten Tag an. Das bieten unsere Blöcke, indem sie unter Wasser die Wellen aufhalten.

Neben dem künstlichen Riffsystem arbeiten Sie auch mit Seegras. Warum?

Ascencio: Seegras ist eine der wichtigsten Waffen gegen den Klimawandel, da es große Mengen an CO2 speichern kann. Zudem hilft es gegen Erosion und verbessert die Wasserqualität.

In welchen Gebieten sind die ersten Reefy-Riffe geplant?

Ascencio: Wir haben gerade die „Offshore Wind Innovation Challenge“ gewonnen und dürfen nun ein Pilotprojekt in der Nordsee umsetzen. Zudem sind weitere Projekte in Mexiko, in der Dominikanischen Republik und auf den Malediven geplant.

Wer sind Ihre Kund:innen?

Ascencio: Unsere potenziellen Kund:innen sind Häfen, Offshore-Windparks, Strandresorts, die Versicherungsbranche und natürlich Fischerei und Aquakultur.

Das Herzstück des Reefy-Systems sind die Reefy-Blöcke. © Reefy

Aus welchem Material sind die Reefy-Blöcke?

Ascencio: Wir arbeiten mit verschiedenen Materialien für verschiedene Anwendungen. Bei dem Nordseeprojekt ist es wichtig, dass die Blöcke biologisch abbaubar sind, so will es das Gesetz. Hier setzen wir Muscheln, Sand und Kies ein und Schalen, die sich über die Jahre zersetzen.

Wie tief ist das Wasser, in dem Ihre künstlichen Riffe platziert werden?

Ascencio: Unsere Küstenschutzprojekte werden normalerweise in fünf bis sechs Metern Wassertiefe platziert. Bei größeren Projekten kann man auf acht bis zehn Meter Wassertiefe gehen.

Was steht dieses Jahr für Reefy an?

Ascencio: Nun, man weiß nie so ganz, was passieren wird, wie wir durch Corona gesehen haben. Aber bis jetzt läuft es gut, und wir wollen in diesem Jahr unsere ersten Installationsprojekte angehen. Außerdem werden wir weitere Experimente zum Wachstum von Korallen auf verschiedenen Materialien durchführen und hoffentlich etwas finanzielle Unterstützung bekommen, um das Team zu vergrößern.

Dieser Text stammt aus unserer aktuellen Ausgabe. 148 druckfrische Seiten mit sieben Storys zum Dossier-Thema „Einfach Machen“. Außerdem: Lucid greift Tesla und Elon Musk an, der DJ Solomun grüßt mit seinem neuen Album vom Strand, Livebuy will mit Shopping-Video-Partys Deutschland in die E-Commerce-Gegenwart holen und Bochum entdeckt die Freude am Neuen und Digitalen. Und natürlich noch vieles mehr! Also ab zum Kiosk oder zum Aboshop.

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