Female Entrepreneurship Diversität an der Börse? Es gibt mehr Christians und Stefans als Frauen

Diversität an der Börse? Es gibt mehr Christians und Stefans als Frauen

Wenn ihr wissen wollt, wie oft wir noch über Gleichberechtigung und Diversität in (börsennotierten) Unternehmen sprechen müssen, dann fragt am besten die Christians und Stefans an der Börse. Die sind schließlich öfter vertreten als Frauen. Ob sie das Problem erkennen, ist die andere Frage. Aber von vorne.

Die deutsch-schwedische Stiftung AllBright setzt sich dafür ein, auf die fehlenden Frauen in Führungspositionen hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen. Nun hat sich die Stiftung die Unternehmen an der Frankfurter Börse mal genauer anschaut – beziehungsweise die Vorstände. Gestern wurde der entsprechende Bericht mit dem Titel „Börsenneulinge sind die neuen Alten: Wachstum ohne Frauen“ veröffentlicht.

Fakt ist: Es hat sich in den letzten Jahren wenig verändert.

Kaum bis keine Diversität in den neuen Unternehmen

Bei den 30 Unternehmen, die seit 2016 neu dazugekommen sind, wird deutlich: Hier herrscht kaum bis keine Diversität. Der Frauenanteil beträgt lediglich 10,2 Prozent. Bei vier der Unternehmen sind Aufsichtsrat und Vorstand sogar nur mit Männern besetzt.

Es wird deutlich, dass es vor allem Christian und Stefan sind, die die Führungsriege dominieren. Insgesamt sind es 13 Männer mit diesen Namen. Im Vergleich dazu sind es insgesamt nur elf Frauen.

Die AllBright Stiftung schreibt in ihrem Bericht:

„Bis auf fehlende Doktortitel und fehlende Schlipse erscheinen die Vorstände der Jungunternehmen wie jüngere Kopien der Vorstände in den alten Konzernen.“

Das ist kein neues Phänomen. So gibt es bei den insgesamt 160 Unternehmen an der Frankfurter Börse vor allem Männer mit dem Namen Thomas. Alle gleich. Mitte 50 und „Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieur aus Westdeutschland“.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Fränzi Kühne, Gründerin und selbst Aufsichtsrätin, erklärt das im Bericht so: „Wenn junge Männer ins Arbeitsleben starten, merken sie bald, dass sie in den männlich geprägten Strukturen nur weiterkommen, wenn sie sich verhalten wie die alten Hasen, die den Ton vorgeben und die Entscheidungen treffen. Und werden bald schon Teil dieses Systems.“

Die ohnehin schon weitestgehend männlich besetzten Positionen werden also auch mit Männer nachbesetzt. Dem Bericht zufolge liegt das unter anderem daran, dass die Rekrutierung oft innerhalb des eigenen Netzwerks erfolgt. Wenn dort keine Frauen sind, bekommen sie auch die Jobs nicht.

Wir brauchen unterschiedlichen Input für unterschiedliche Lösungen

Das Problem ist also ein strukturelles. Lösen kann man es nur, wenn man das eigene Tun hinterfragt und ändert. Vor allem Männer sollten auf ein diverses Netzwerk setzen. Denn dabei geht es nicht immer nur um Jobs, sondern auch um Perspektiven und Lösungen bei Problemen. Wenn ohnehin alle gleich sind, ist es auch schwerer, neue Ideen und Lösungsansätze zu finden. Am Ende können alle davon profitieren, dass nicht nur die Netzwerke, sondern auch die Besetzung der Führungspositionen divers sind.

Sven Hagströmer, Stifter der AllBright Stiftung, sagt dazu: „In einer hochentwickelten Gesellschaft wie unserer sollte nicht der Gesetzgeber in diese Prozesse eingreifen müssen. Eigentlich sollte hier der Selbsterhaltungstrieb der Unternehmen greifen, Vielfalt ist wichtig für Innovationskraft und Profitabilität.“

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