Life & Style Zara klaut Styles von indigenen Völkern: Über kulturelle Aneignung in der Mode

Zara klaut Styles von indigenen Völkern: Über kulturelle Aneignung in der Mode

Cultural Appropriation ist ein heiß diskutiertes Thema. Vielleicht denken wir hierbei an aufgebrachte Eltern der Boomer-Generation, die fassungslos darüber sind, dass ihr Sohn an Fasching nicht mehr als „Indianer“ gehen darf, obwohl ihm das so Spaß mache. Dem Armen. Doch es geht nicht nur um die Reproduktion rassistischer Bilder. Es geht auch um die Vermarktung von Errungenschaften fremder Kulturen.

Alejandra Frausto Guerrero sieht dem Ganzen nicht mehr tatenlos zu. Die mexikanische Kulturministerin geht gegen Modelabels vor, die sich offensichtlich dem kulturellen Erbe Mexikos bedienen. Beispiel: Blumenmuster oder geometrische Formen, die eindeutig indigenen Volksgruppen Mexikos zuzuordnen sind und die massentauglich vermarktet werden – ohne dass jene Gruppen einen müden Cent davon sehen.

Einer ihrer aktuellen Adressaten: das Modelabel Zara. Es geht unter anderem um ein Kleid, welches offensichtlich der Mixteken-Kultur entnommen wurde. Nicht nur Muster, sondern der gesamte Schnitt samt umliegenden Gürtel scheinen wie eine einzige Nachahmung. In einem offenen Brief fordert Frausto Guerrero nun eine Erklärung von Zara. Bis jetzt hat sich die Modekette hierzu öffentlich nicht geäußert.

Die mexikanische Kulturministerin Alejandra Frausto Guerrero setzt sich gegen Cultural Appropriation ein

Weiße mit Dreads?

Doch so offensichtlich wie in diesem Fall ist es nicht immer. Das Thema der kulturellen Aneignung ist sehr komplex. Wo fängt gegenseitige Inspiration an und wo hört einseitige Ausnutzung auf? Darf ich als Weißer zum Beispiel Dreads tragen, wenn ich diese einfach toll finde und meine Wertschätzung für die Schwarze Kultur zum Ausdruck bringen möchte – oder wäre dies auch Cultural Appropriation?

Für Malcolm Ohanwe, Journalist mit nigerianischen und palästinensichen Wurzeln, wäre es Letzteres. In einem Interview mit PULS erklärt er die Problematik hinter diesem Phänomen: „Für Menschen, wie mich zum Beispiel, ist dunkle Hautfarbe und wie man deswegen in der Welt wahrgenommen wird, eine tagtägliche Realität und kein Schmuck, den man tragen und dann wieder ablegen kann […] Das sind alles Sachen, mit denen Schwarze Menschen teilweise ganz schlimme, traumatische Erfahrungen gemacht haben“.

Die Frage nach Cultural Appropriation hat also mit den gegebenen Machtverhältnissen zu tun. Wenn ich mich als Weißer bestimmten Merkmalen der Schwarzen Kultur bediene, erfahre ich hierbei nicht die gesellschaftlichen Nachteile eines Schwarzen. Ich werte meinen Style lediglich auf.

Doch wie verhält es sich zum Beispiel mit Hip-Hop, immerhin die größte Jugendkultur, die es in Deutschland und weltweit zurzeit gibt? Sollten Weiße aufhören zu rappen? Zumindest ist Hip-Hop in der Schwarzen Community in den USA entstanden, als künstlerisches Sprachrohr gegen die rassistische Unterdrückung.

Im Februar dieses Jahres hat ARTE versucht, dieser Frage nachzugehen und dabei verschiedene Gesichter der Deutschrapszene interviewt. Eine klare Antwort ließ sich nicht finden. Das Thema ist eben komplex.

Von Aneignung zu Wertschätzung

Der Weiße Hamburger Rapper Disarstar beispielsweise, ist sich der Problematik bewusst, dass er sich fremde Kulturerzeugnisse aneignet. Es kommt jedoch für ihn darauf an, was man daraus macht. Reproduziert man gewissenlos, oder versucht man sein eigenes Ding draus zu machen – in steter kritischer Selbstreflexion? Das macht für ihn den Unterschied: „Der Künstler, der ich sein will, der ist ja von mehr Kultur beeinflusst als nur Hip-Hop-Kultur, und ich versuch ja am Ende mein eigenes Ding daraus zu machen. Und wenn ich das mach, dann muss es ja natürlich mit einer gewissen Wertschätzung und mit einer kritischen Auseinandersetzung mit mir selber passieren“.

Weg vom sturen Reproduzieren und Aneignen hin zu einem kreativen Weiterformen bei ständiger Wertschätzung der ursprünglichen Erfinderkultur also. Das leuchtet ein. Vielleicht wäre dies der Weg – weg von Cultural Appropriation hin zu Cultural Appreciation. Doch nicht in ignoranter, sondern in selbstkritischer Weise.

Die Frage nach dem Unterschied von Aneignung und Inspiration ist schwer zu beantworten. Im Falle von Zaras Kleid sollte den Betrachter:innen jedoch eindeutig ins Auge fallen, dass hier ein Stil mehr oder weniger komplett übernommen wurde um daraus Profit zu schlagen. Wir sind gespannt, ob sich Zara noch meldet.

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