Life & Style Dieses Startup baut eine Plattform für personalisierte Star-Videobotschaften

Dieses Startup baut eine Plattform für personalisierte Star-Videobotschaften

Das Prinzip funktioniert so: Jeder Promi hat seinen eigenen Preis. Während es das Video von Schauspieler Ralf Richter für 95 Euro gibt, ist das von Ex-Profifußballer Jens Nowotny für 40 Euro zu haben. Boxweltmeister Arthur Abraham nimmt 65 Euro, für die personalisierte Botschaft von Sängerin Ella Endlich geht mal eben ein Hunderter drauf. Tine Wittler nimmt 90 Euro, die Botschaft von MC Fitti gibt’s für 79 Euro.

Ein Preismuster ist nicht so richtig erkennbar, am Grad der Bekanntheit oder Länge der erreichten Karriereerfolge orientiert sich der Preis offenbar nicht – die Promis legen ihn schlicht selber fest.

Die Website ist in Kategorien unterteilt, etwa Sport, Musik und Film & TV. Jeder Star ist mit einer Art Setcard, Foto und Preis aufgelistet. Dann einfach buchen und Namen und Wunschtext für die Videobotschaft angeben. Die Anfrage landet anschließend in der App des Promis. Der wiederum wird per Mail und Push-Benachrichtigung auf die Anfrage hingewiesen. Die App dient dann dazu, diese Anfragen einzusehen, zu bearbeiten, Videos aufzunehmen und Änderungen an ihrem Profil vorzunehmen.

Nach der Aufnahme bekommen die Kund:innen eine E-Mail mit dem Link zum Video. Dieses können sie sich downloaden und so oft anschauen, wie sie wollen. „Was machen die Kund:innen noch mit ihrem Video? Sie leiten es an ihre Freund:innen weiter. Die schicken es dann ebenfalls weiter. Das hat natürlich einen Werbeeffekt für uns“, sagt Schulze.

25 Prozent der Einnahmen gehen an Wewave, 75 Prozent an die Promis. Einzige Bedingung: Ein Teil der Einnahmen muss an ein Charity-Projekt gespendet werden. „Wie viel Prozent der Einnahmen an welches Charity-Projekt geht, entscheidet der Promi selbst“, sagt Schulze. „Außerdem hat jede:r die Möglichkeit, im laufenden Prozess monatlich ein anderes Projekt zu unterstützen.“

Ronja Forcher. Foto: Marcus Mainz

Schauspielerin und Sängerin Ronja Forcher sagt: „Ich fand es schwierig, den Preis auszuwählen. Am Anfang bin ich mit einem niedrigeren Preis reingegangen. Jetzt liegen wir bei 90 Euro. Es ist ja auch etwas Besonderes, und ich versuche, es immer sehr individuell zu gestalten.“ Forcher ist seit November letzten Jahres auf Wewave aktiv, bekannt geworden ist die 25-Jährige durch ihre Rolle in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“.

Auf Instagram hat sie über 100 000 Follower:innen. Eine große Community, die mit ihr interagieren will: „Ich bekomme über Instagram viele Anfragen von Fans für Videobotschaften. Am liebsten würde ich alle beantworten, aber das sprengt irgendwann den Rahmen.“ Und wo anfangen? Welche Anfrage beantworten, welche ignorieren?

Vielleicht ist das die Chance für Wewave, im großen Stil das Geschäft um die Kommunikation mit Stars zu übernehmen – und zu monetarisieren. Forcher geht den Wewave-Gig jedenfalls professionell an: „Meistens warte ich, bis sich sechs, sieben Anfragen ansammeln, und dann drehe ich die hintereinander weg“, sagt sie.

Dabei spielen auch Setting und Timing eine Rolle: Am meisten würden sich die Fans über Videos bei den „Bergdoktor“-Dreharbeiten in Tirol freuen. Sonst sucht sich Forcher zumindest einen Hintergrund, der mehr zu bieten hat als eine weiße Wand. Etwa eine Ecke ihrer Wohnung, was Nähe vermittelt. Oder sie erledigt den Wewave-Dreh bei einem Waldspaziergang.

Wewave-Videos seien dabei keine große Herausforderung, die einen vor zeitintensive Probleme stellen, besonders für Menschen, die wie Forcher viel sprechen und mit Text arbeiten, handwerklich eher ein Selbstläufer. „Oft haben die Menschen eine sehr genaue Vorstellung davon, was ich sagen und wen ich grüßen soll“, sagt Forcher. „Die eingeblendeten Texte in der App sind dafür sehr hilfreich.“ Von den 90 Euro für eine Videobotschaft spendet sie 15 Prozent an Viva con Agua.

Ebenfalls dabei ist der ehemalige Fußballprofi Erik Meijer. Seit zwei Monaten können Fans des Fußballers und „Sky“-Experten sich von ihm per Video grüßen lassen. Eine Videobotschaft des 52-Jährigen kostet 77 Euro, und auch Meijer hat anhand der vielen Anfragen auf Instagram gesehen, dass sich dieses Modell lohnen könnte. „Ich habe mir angeschaut, wer schon alles dabei ist und was es für Preise gibt. Ich habe mich erst am unteren Drittel orientiert.“

Erik Meijer

Anfängerfehler, wie sich herausstellte, weil der niedrige Preis die Schleuse mit den Anfragen weit aufgerissen habe: „Es gab Tage, da hatte ich 20 Anfragen. Deshalb musste ich mit dem Preis leider etwas hochgehen“, sagt Meijer. Der Star behält nichts von den Einnahmen, spendet alles: „Ich möchte an Wewave kein Geld verdienen“, sagt er.

Begünstigte der Zeit und Energie, die er für Fans in die Botschaften steckt: die Stiftung Golf und Humor mit Sitz in Maastricht und Aachen, die sich laut Website seit 2007 für Kinder einsetzt – normalerweise mit den Erlösen aus dem jährlichen Golf-Cup, der wegen der Pandemie ausfallen musste. Zum Glück hat Meijer einen neuen Topf aufgetan.

Wie Forcher wechselt auch Meijer die Orte für die Aufnahme: „Ich nehme die Videos immer spontan auf. Mal auf dem Parkplatz, mal am Flughafen. Ich glaube, genau das ist der Reiz. Dass die Fans sehen, dass ich in einer natürlichen Umgebung bin.“ Wewave erzeugt durch diese ungefilterten, schnellen, im Vorbeigehen entstandenen Grüße für Fans eine Hyper-Relevanz und Unmittelbarkeit.

Der Effekt, der beim Gegrüßten entsteht: Da ist jemand, der nimmt sich Zeit für mich, obwohl er die laut Standing und Terminplan gar nicht hat. Jemand Wichtiges schneidet sich für mich ein paar Minuten aus seinem Tag. Meijer formuliert es so: „Ich versuche immer, Stimmung reinzubringen. Die Fans müssen das Gefühl haben, dass ich sie kenne.“

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