Life & Style Künstler Tim Bengel macht teuersten Avocado-Bagel der Welt – aus Gold

Künstler Tim Bengel macht teuersten Avocado-Bagel der Welt – aus Gold

Tim Bengel ist einer der Jungkünstler unserer Zeit. Bekannt geworden ist der 29-Jährige durch seine Collagen aus Gold und Sand – und dafür, dass er auf Social Media seine Kunst und die Prozesse dahinter, mit der Öffentlichkeit teilt. Allein auf Instagram hat er mehr als 300.000 Follower. Sein neuestes Projekt? Eine Hommage an die Millennials – in Form eines goldenen Avocado-Bagels.

Im Interview erzählt uns Tim, wie er auf die Idee gekommen ist, was dahinter steckt und wie der Bagel entstanden ist.

Tim, was ist Kunst für dich?

Das Spannende ist, dass es darauf keine universelle Antwort gibt. Für mich persönlich hat Kunst immer etwas mit Innovation zu tun, sprich mit dem Drang Neues erschaffen zu wollen. Natürlich darf man Kunst auch anders definieren. Kunst ist immer auch ein Zeuge seiner Zeit und kann „den Zeitgeist“ einfrieren – und genau das möchte ich mit meiner ersten Skulptur machen.

Wieso willst du die Generation der Millennials verewigen?

Der Begriff umfasst Menschen, die zwischen Anfang der 80er bis in die späten 90er geboren wurden und in der Jahrtausendwende großgeworden sind. Das ist eine sehr spannende Generation, die eine weitgehend analoge Kindheit und Jugend hatte und nun komplett ins Digitale eintaucht. Es ist die letzte Generation, die beide Seiten kennt.

Wie bist du auf Avocado als Pflanze gekommen und speziell auf den Bagel?

Die Avocado ist, wie die Millennials, um die Jahrtausendwende großgeworden. Vor 30 Jahren haben bei uns die wenigstens Menschen gewusst, was eine Avocado ist. Erst durch die Adaption des Internets und durch Social Media, hat die Avocado einen weltweiten Hype erlebt. Die jährliche Nachfrage hat sich seit 1995 in den USA mehr als versiebenfacht, und in Nordeuropa in den vergangenen zehn Jahren allein verfünffacht.

Die Frucht steht häufig in der Kritik. Steht aber auch für Gesundheit, Schönheit, Veganismus, kulinarischen Genuss, ist aufgrund ihres Preises Statussymbol und wegen ihrer Farbe Hinweis auf den „grünen Lebensstil“. In Kombination mit dem Bagel, der einen ähnlichen Hype erlebt, ist das für mich eins der Symbole meiner Generation.

Wieso ist er ausgerechnet aus Gold?

Seit Jahrtausenden wird Gold von den Menschen mit Bedeutung aufgeladen. Ob als Tränen der Götter, wie bei den Azteken, oder als Quelle ewigen Reichtums wie bei König Midas im antiken Griechenland. Natürlich hat Gold und vor allem dessen Abbau auch erhebliche Schattenseiten – Da gibt es Parallelen mit der Avocado, dem „Green Gold“ einer neuen Industrie. Um die kulturelle Bedeutung der Avocado festzuhalten, wäre kein Material passender als Gold.

Wie war der künstlerische, beziehungsweise handwerkliche Prozess hinter der Skulptur?

Der goldene Avocado-Bagel basiert auf einem echten Avocado-Bagel, den ich belegt habe. Mit einem Team der Firma Bernd Kussmaul, die unter anderem für Bugatti und Rolls Royce arbeitet, habe ich die Einzelteile meines Bagels 3D-scannen lassen. Also: Bagel, Tomaten, Rucola, Zwiebelringe und Avocado-Scheiben. Nach den digitalen Modellen entstanden Gussformen in die zehn Kilo Gold im Wert von circa 500.000 Euro gegossen wurde. Nach dem Gießen wurde jedes der 27 Teile von Hand poliert. Nun kann ich den Bagel für jede Ausstellung frisch „belegen“.

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Ist die Skulptur eine Kritik an der Generation?

Es soll keine Kritik sein, eher eine Dokumentation. Die Avocado hat ihre schlechten Seiten, aber auch ihre Guten. Für mich ist es faszinierend, wie eine Frucht in so kurzer Zeit so einen Hype erfahren kann. Die Avocado ist ein Kind der Werbeindustrie, von Social Media und einer globalisierten Welt. Aus meiner Sicht wird man in Zukunft die Geschichte der Millennials nicht ohne die Avocado und deren Hype erzählen können.

Das Konzept dahinter lautet „Who wants to live forever?“ Wie ist das gemeint?

Der Titel spielt einerseits auf den Turbokapitalismus an, in dem man soviel Kapital wie möglich horten möchte. Als würde man für die Ewigkeit vorsorgen müssen. Dabei werden gerade durch dieses Hamstern von Buchwerten, echte Lebensgrundlagen zerstört, die dann das Leben der Nachfahren erschwert. Da könnte man von der Geschichte um König Midas lernen, der fast verhungerte, weil alles, was er anfasste, zu Gold erstarrte.

Andererseits spielt der Titel auch auf den durch Social Media ausgelösten Trend der „Ewigen Jugend“ an. Durch Face-Filter kann heute jeder für immer jung wirken. Es soll sogar Menschen geben, die sich nach dem Vorbild gewisser Filter umoperieren lassen. Die Avocado spielt also sowohl auf Social Media als auch in der Health-Bewegung eine Hauptrolle. Sie gilt als Superfood und verspricht eine lange bis ewige Jugend.

Wölltest du für immer leben, wenn du könntest?

Gerade durch die Endlichkeit bekommen die Tage ihren Wert. Daher versuche ich achtsam zu leben und bin bereit irgendwann zu sterben, um Platz für die nächsten Generationen zu machen.

Noch ist die Skultpur während der Berlin Art Week zu sehen. Wo soll der Bagel überall ausgestellt werden?

Aktuell ist die Skulptur im Avocado Club Berlin zu sehen. Ich habe knapp zwei Jahre mit der Galerie Rother an diesem Konzept gearbeitet, um dieses aufwendige Projekt zu realisieren. Man kann sich vorstellen, welche Ansprüche allein von der Versicherung bei so einem Goldwert gestellt werden.

Die Galerie Rother ist schon im Gespräch mit einigen Sammler:innen und Museen für eine potenzielle „Road-Show“. Ziemlich sicher ist eine Folge-Ausstellung in den USA. Ich hoffe die Skulptur geht um die Welt, wie es die Avocado vorgemacht hat.

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