Innovation & Future Geld über Sicherheit: Frances Haugen packt über Facebook aus

Geld über Sicherheit: Frances Haugen packt über Facebook aus

Frances Haugen: So heißt die Frau, die hinter einer jüngsten Reihe an Enthüllungen über Facebook im Wall Street Journal steckt. Bei einem Interview mit dem Sender „60 Minutes“ gab sie ihre Identität bekannt. Die 37-Jährige war zwei Jahre lang Produktmanagerin bei Facebook. Ihr Hauptanliegen? Gegen Hass und Missinformation vorgehen. Das konnte sie bei ihrem Job jedoch nur bedingt. Haugen sagt, Facebook lüge, was den Fortschritt gegen Hatespeech und Missinformation angehe. Schätzungen aus Facebooks eigenen Studien zufolge, bekämpfe das Unternehmen nur drei bis fünf Prozent der hasserfüllten Inhalte auf der Plattform. Warum?

Wut als Hauptauslöser für den Algorithmus

Haugen erklärt im Interview bei „60 Minutes“, dass wir im Newsfeed möglicherweise nur 100 Inhalte sehen, während Facebook durch den Algorithmus tausende Optionen hat, diese Inhalte auszuwählen. Soweit ist das nicht überraschend. Dass Algorithmen bestimmen, was wir zu sehen bekommen, ist keine neue Information.

Erstaunlich ist jedoch, dass eigens durchgeführte Studien von Facebook laut Haugen zeigen, dass hasserfüllte Inhalte und Missinformation Menschen am einfachsten zu Engagement animieren – und Engagement ist ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Auswahl der Inhalte durch den Algorithmus im Newsfeed. Kurzum: Facebook provoziert hohe Interaktionsraten auf Beiträge durch Wut, die werden wiederum am meisten verbreitet.

Warum? Weil Menschen möglichst lange auf der Plattform verweilen müssen. Zeit ist in diesem Fall tatsächlich Geld. Haugen sagt dazu im Interview: „Wenn Facebook den Algorithmus sicherer gestalten würde, würden Menschen weniger Zeit auf der Plattform verbringen, auf weniger Werbeanzeigen klicken und Facebook würde weniger Geld verdienen.“

Gefahren von Instagram

Eine weitere interne Studie von Facebook zeigt die Gefahren für junge Mädchen, die von Instagram ausgehen. „Super tragisch ist, dass Facebooks eigene Studien sagen, wenn junge Frauen anfangen, Inhalte zum Thema Essstörung auf Instagram zu konsumieren, werden sie zunehmend deprimiert und nutzen die App mehr“, sagt Haugen gegenüber „60 Minutes“.

Die Brisanz in Haugens bisherigen Informationen liegt darin, dass sich Facebook um die Auswirkungen der Plattformen sehr wohl bewusst ist und den gesellschaftlichen Konsequenzen, die sie verursachen. Das Geld ist dem Unternehmen jedoch wichtiger. Haugen spricht sich dafür aus, dass die Regierung in Zukunft Facebook regulieren sollte: „Facebook hat immer wieder demonstriert, dass es nicht unabhängig handeln kann. Es stellt Profit über Sicherheit.“

Am Dienstag muss Haugen sich Fragen vor dem US-Kongress stellen. Bei US-Behörden beantragte sie offiziell Schutz als Whistleblowerin.

Das könnte dich auch interessieren

Neue Kolumne: Micha Fritz über Greenwashing von Unternehmen Innovation & Future
Neue Kolumne: Micha Fritz über Greenwashing von Unternehmen
Wie ein russischer Nomade Telegram an die Börse bringt Innovation & Future
Wie ein russischer Nomade Telegram an die Börse bringt
Tickaroo-Chefin: Wie viel Automatisierung ist für Journos möglich? Innovation & Future
Tickaroo-Chefin: Wie viel Automatisierung ist für Journos möglich?
Iqos-Deutschlandchef Markus Essing über den Iluma-Roll-out Innovation & Future
Iqos-Deutschlandchef Markus Essing über den Iluma-Roll-out
Vom Strandparadies zur Tech-Oase: Rio de Janeiro will zum Tech-Mekka Lateinamerikas werden Innovation & Future
Vom Strandparadies zur Tech-Oase: Rio de Janeiro will zum Tech-Mekka Lateinamerikas werden