Leadership & Karriere Pro & Contra: Darf ich bei Kolleg:innen schnorren?

Pro & Contra: Darf ich bei Kolleg:innen schnorren?

Katharina Boecker sagt Ja:

In meiner Abizeitung gab es eine Kategorie, die hieß: „Wer hat in der Schulzeit am meisten geschnorrt?“ Und was soll ich sagen: Ich wurde unter die top drei gewählt.

Reicht das als Antwort? Okay, mal ehrlich: Ich liebe Schnorren. Natürlich nur im liebevollen Sinne. Man muss es richtig machen, nämlich so: Holt Kolleg:in gegenüber die Snackbox raus, wird erst mal geluschert (luschern bedeutet heimlich gucken, das sagt man so im Norddeutschen). Dann picke ich mir einen Snack heraus und fokussiere ihn.

Ist der Kollege gerade in sein To-do vertieft, stehe ich auf, nähere mich dem Kollegen und mopse mir den Snack. Wichtig: Lächeln und einfach Danke sagen oder einen charmanten Spruch bringen. Wer dir den Snack jetzt nicht überlässt, ist kein:e wahre:r Kolleg:in! Darin sehe ich kein Problem – wer teilt denn nicht gerne mit dem Team? Ich gehöre nämlich im Gegenzug auch zu denjenigen, die regelmäßig Nervennahrung fürs Team mitbringen (was meistens einer Raubtierfütterung ähnelt).

Fazit: Seid ihr selbst großzügig zu euren Kolleg:innen, dürft ihr euch gerne hier und da ungefragt am Gut der anderen bedienen. Oder ihr seid doch einfach dreist und macht es wie Mister Räuber, der regelmäßig auf unsere Büroebene kommt, kurz alibimäßig „Hallo!“ sagt, um dann einen Abstecher in die Teamküche zu machen.

Dort wird dann in die Snackbox gegriffen – für deren Inhalt man eigentlich zahlen sollte(!!!). Oder es wird an den Hängeschrank geschlappt und sich die Tasse mit dem coolsten Aufdruck stibitzt, weil auf der eigenen Büroetage nur Ikea-Konferenztassen zu finden sind. Manchmal siegt eben die Dreistigkeit. Ich empfehle trotzdem die liebevolle Variante. Damit habe ich’s immerhin aufs Treppchen geschafft.

Nicole Plich sagt Nein:

Was mein ist, ist auch dein – pah! Dieser vor Romantik triefende Spruch gilt höchstens in der Honeymoon-Phase einer Beziehung. Wer sich an den Habseligkeiten der Kolleg:innen bedient, hat keine Ahnung, was er damit anrichtet.

Der Teamzusammenhalt wird auf eine undankbare Belastungsprobe gestellt. Ich spreche aus Erfahrung. Montagmorgen: Das Wochenende sitzt noch tief in den Knochen, für Frühstück war zu Hause keine Zeit, im Büro überkommt mich das Verlangen nach Zucker. Die Kollegin mit der Schublade voller Schokolade ist im Homeoffice. Soll ich?

Ein Stück – wird sie schon nicht merken. 15 Minuten später habe ich die Tafel vernichtet. Scheinheilig verschweige ich mein Vergehen im Teamchat. Ich fülle den Vorrat schließlich wieder auf. So der gute Vorsatz. Doch zwei Tage später ist besagte Kollegin im Büro zurück, die Schokolade noch im Supermarkt.

Es beginnt die Phase des peinlich berührten Lächelns meinerseits, wenn ich ihr doch zufällig begegne. Dann geht die Kollegin zum Gegenangriff über. Demonstrativ legt sie eine Tafel Schokolade auf ihren Schreibtisch. Sie hat ihren Vorrat selbst wieder aufgefüllt.

Mist! Wenn Blicke töten könnten, ich stünde kurz vorm Gnadenschuss. Aber Moment mal. Hat sie nicht noch meinen teuren Lippenstift, den sie, ohne zu fragen, für ein Event geliehen hat? Und wo ist eigentlich die Flasche Wein, die ich vorsorglich für Notfälle im Büro gebunkert habe?

Meine Lieblingstasse habe ich auch schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Also Schluss mit lustig und vorbei mit der Crew-Love. Ab sofort verriegele ich meine Schublade mit einem Hochsicherheitsschloss. Ich hoffe, die anderen tun es mir nach – um den Office-Frieden zu wahren.

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