Productivity & New Work Belgien will Vier-Tage-Woche einführen: Yay or Nay?

Belgien will Vier-Tage-Woche einführen: Yay or Nay?

In Belgien soll die Vier-Tage-Woche eingeführt werden. Aber: bei gleichbleibender Arbeitsstunden. Das sieht eine neue Arbeitsmarktreform vor. Die Regierung verspricht sich davon mehr Freiheit und Flexibilität für Arbeitnehmer:innen.

Unternehmen können allerdings die Vier-Tage-Woche verweigern, müssen dies aber schriftlich begründen.

Zusammengefasst heißt die Reform: Mehr Arbeit pro Tag = mehr Wochenende. In unserer Redaktion spalten sich die Meinungen:

Yay

Ja, die Reform hat einen Haken, aber sie bietet gleichzeitig auch viel Flexibilität. Wenn man sich nicht dauerhaft auf vier oder fünf Tage festlegen muss, kann man von Woche zu Woche switchen.

Man möchte ein verlängertes Wochenende? Dann zieht man vier Tage zehn Stunden am Tag durch. Reichen zwei Tage Auszeit, bleibt man bei 9-to-5. Ist doch praktisch. Spart Urlaubstage, macht die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben auch etwas einfacher – ist bedürfnisorientiert. Denn man kann die Vier-Tage-Woche planen oder auch spontan umsetzen.

Und wenn wir mal ehrlich sind: Wer macht keine Überstunden? Viele häufen sie an. Im schlimmsten Fall dürfen sie auch nicht mal nach Belieben abgebaut werden. Mit der belgischen Reform haben Mitarbeitende das Recht, sie direkt auszugleichen. So bleibt nach einer anstrengenden Woche direkt im Anschluss mehr Zeit zum Abschalten. Außerdem: Das Gehalt bleibt gleich. Das Modell hat also durchaus seine Vorzüge.

von Nicole Plich

Nay

Das Wochenende ist den meisten heilig, klar nimmt man dann gerne einen Bonus-Tag. Klingt erstmal super, aber ist es das wirklich?

Für viele ist der Acht-Stunden-Tag Normalität. Wir wissen alle, dass man nicht den ganzen Tag produktiv ist. Eine Studie aus Großbritannien besagt sogar, dass durchschnittlich nur 2 Stunden und 53 Minuten am Tag effektiv gearbeitet wird. Aus der Studie geht folgende Gleichung hervor: kürzerer Arbeitstag = höhere Produktivität. Warum also zehn Stunden am Stück arbeiten?

Na schön, dann ist man eben nicht die ganze Zeit produktiv, das bekommen Vorgesetzte ja sowieso nicht mit. Aber Routinen zu brechen, ist nicht so einfach, vor allem, wenn es um den Schlafrhythmus geht. Hier kommt die nächste Studie, dieses Mal von Phillips. Sie zeigt, dass Erwachsene an Arbeitstagen durchschnittlich 1 bis 2 Stunden zu wenig schlafen – und das bei einem Acht-Stunden-Tag.

Aufstehen, zur Arbeit fahren, dann zehn Stunden arbeiten, nach der Arbeit Essen, vielleicht auch noch Sport und dann hängt man noch die Lieblingsserie hinten dran. Und am nächsten Morgen das Ganze wieder von vorn. Die aus Schlafmangel resultierende Müdigkeit wird dann einfach mit Kaffee ausgeglichen, hat doch sonst auch funktioniert. Wenig und vor allem schlecht schlafen, hat aber langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit.

Außerdem: Alle Freizeitaktivitäten und Hobbys auf das Wochenende zu schieben, ist auch nicht die Lösung. Vor allem, wenn die Sonne den ganzen Tag ins Büro scheint, man aber erst in der Dunkelheit Feierabend macht. Vielleicht bietet ja aber die Flexibilität des Modells in diesen Punkten Abhilfe.

von Cedric Papendorf

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