Productivity & New Work Bestandsaufnahme: Unser Kolumnist Nico Rose über Zufriedenheit im Job

Bestandsaufnahme: Unser Kolumnist Nico Rose über Zufriedenheit im Job

Unser Kolumnist Nico Rose spürt diesmal dem Phänomen nach, wie unterschiedlich Zufriedenheit im Job sein kann – und was Organisationen daraus lernen

Starten wir mit einer Frage in die erste Kolumne des Jahres: Bist du zufrieden mit deiner Arbeit? Und falls du Menschen führst oder ein Unternehmen leitest: Sind deine Mitarbeiterinnen zufrieden? Die Antwort auf diese scheinbar triviale Frage ist gar nicht so leicht.

Denn immer mehr Unternehmen erkennen, dass diese Fragen wichtig sind. Sie gehören inzwischen zu den Grundlagen guter Personalarbeit. Folglich gibt es derweil auch eine Heerschar von Startups, die Unternehmen helfen, entsprechende Feedbacksysteme einzurichten – gerne per App. So weit, so gut. Doch was bedeutet es überhaupt, wenn ein Mensch sagt: „Ich bin zufrieden mit meinem Job“?

Die aus der Sicht von Organisationen beunruhigende Antwort: Es kann viele verschiedene Dinge bedeuten – und nur einige davon sind wünschenswert. Dazu muss man Folgendes verstehen: Der Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Leistung ist wenig eindeutig. Die eigentliche „Magic Bullet“ für den Unternehmenserfolg ist Arbeitsengagement. Hier gibt es eine enge Verbindung zu verschiedenen Aspekten der Leistung von Personen und Teams. Nun könnte man meinen, dass es doch auch einen engen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Engagement geben müsse. Doch genau an dieser Stelle wird es „bunt, klein und komisch“ – um einmal „Auf dem Highway ist die Hölle los“ zu zitieren, den besten schlechten Film aller Zeiten.

Verschiedene Arten von Zufriedenheit

Schon vor rund 50 Jahren stellte die Psychologin Agnes Bruggemann ein Modell vor, welches verschiedene Varianten der Arbeitszufriedenheit unterscheidet. Verkürzt gesagt beruht ihre Idee auf folgender Annahme: Menschen nehmen zur Einschätzung der Arbeitszufriedenheit einen Soll-Ist-Vergleich vor. Je nachdem, wie dieser Vergleich ausfällt und wie die Person auf das Resultat reagiert, ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen. Im Überblick:

Progressive Arbeitszufriedenheit: Der Vergleich fällt aus Sicht der Person positiv aus. Gleichzeitig erhöht sie das Anspruchsniveau und sagt: „Ich will mehr!“ Dies ist aus Sicht des Unternehmens wünschenswert.

Stabilisierte Arbeitszufriedenheit: Auch hier fällt der Vergleich positiv aus. Doch der Anspruch bleibt gleich, die Person sagt: „Für den Augenblick passt das so.“ Aus Sicht des Unternehmens ebenfalls wünschenswert. Resignative Arbeitszufriedenheit: Hier fällt der Soll-Ist-Vergleich negativ aus. Die Person senkt ihr Anspruchsniveau, Stichwort: „Das Leben ist halt kein Ponyhof.“ An diesem Punkt wird es für die Organisation haarig, denn solche Personen sagen, dass sie zufrieden sind, allerdings bei niedrigem Engagement.

Pseudo-Arbeitszufriedenheit: Auch hier fällt der Vergleich negativ aus, der Anspruch bleibt aber unverändert. Die Person versucht, die Situation durch die rosarote Brille zu betrachten. Auch an diesem Punkt wird ein Mensch in einer Umfrage mitunter hohe Zufriedenheit äußern, ohne wirklich engagiert zu sein.

Fixierte Arbeitsunzufriedenheit: Wiederum negativer Vergleich, das Anspruchsniveau bleibt unverändert. Zudem wird auf Lösungsversuche verzichtet. Es gilt: „Bleibt mir doch weg mit eurem Sch…“. Vorteil: Sie sagen es einem auch meist recht direkt.

Konstruktive Arbeitsunzufriedenheit: Der Soll-Ist-Vergleich fällt negativ aus, der Anspruch bleibt unverändert. Im Gegensatz zur vorigen Situation sucht die Person jedoch aktiv nach Lösungen. Aus der Sicht der Organisation ist das natürlich weniger wünschenswert als progressive oder stabilisierte Zufriedenheit – aber wenigstens kann das Unternehmen auf Wunsch mit entsprechenden Maßnahmen reagieren.

Vielleicht hat das Aufdröseln des Konzepts Arbeitszufriedenheit ja einen Anstoß gegeben, die persönliche Situation zu reflektieren. Das Jahr ist noch jung, man könnte noch so einiges ändern. Als Führungskraft oder Unternehmerin lautet das Fazit: Wer (zu) einfache Fragen stellt, erhält mitunter (zu) einfache Antworten. Genauer hinschauen und hinhören lohnt sich (fast) immer.


Dies ist ein Text aus unserer Ausgabe 1/2022: In unserem Dossier beschäftigen wir uns mit dem Comeback des luxuriösen Lifestyles: reisen, speisen, residieren. Wir haben außerdem die Königsklasse der Fin-Meme-Bubble Papas Kreditkarte und Hedgefonds Henning zum Doppelinterview getroffen. Und mit Sony Musics GSA-CEO über seine Wurzeln gesprochen, über Dante Alighieri und darüber was ein Plattenlabel ausmacht, wenn es gar keine Platten mehr gibt. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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