Leadership & Karriere Kolumne: Beim Thema Feedback ist unsere Aufmerksamkeit ungerecht

Kolumne: Beim Thema Feedback ist unsere Aufmerksamkeit ungerecht

Achtet auch darauf, euer Gegenüber einzubeziehen, gebt möglichst früh im Gespräch die Möglichkeit zu einer Stellungnahme. So signalisiert ihr, dass ihre oder seine Meinung wichtig ist und stellt sicher, dass Missverständnisse über eure Botschaft gar nicht erst entstehen.

Übrigens will nicht nur die Kunst des kritischen Feedbacks gelernt sein. Auch positives Feedback ist nicht gleich positives Feedback. Sein Effekt steigt, je konkreter es ist. „Ich freue mich, dass du in meinem Team bist“, wirkt sich nicht so stark auf das Gefühl von Wertschätzung aus, wie die Aussage: „Deine Präsentation gestern war super, weil du interaktive Elemente eingebaut hast und so deine Zuhörer:innen besser einbinden konntest.“ Auch hier gilt es, konkrete Beispiele zu benennen, damit euer Gegenüber sich daran orientieren kann, wofür er oder sie wertgeschätzt wird und was in Zukunft beibehalten werden sollte.

Fehler lassen sich nicht ungeschehen machen

Und wie geht man nun mit kritischem Feedback um? Mir persönlich hilft es, mir klar zu machen, dass es nicht um mich als Person geht ,sondern um ein bestimmtes Verhalten. Und ich konzentriere mich darauf, dass es bei Kritik immer um Dinge geht, die in der Vergangenheit liegen und sich nachträglich in der Regel nicht mehr ändern lassen. Anstatt mich über Vergangenes zu ärgern, konzentriere ich mich darauf, dass mein Gegenüber mich mit Hilfe des Feedbacks unterstützen will.

Kolumnistin Dr. Hanne Horvath (Bildcredits: HelloBetter)

Vergesst nicht, dass ihr euch in der Regel Zeit nehmen könnt, um kritisches Feedback erstmal zu verarbeiten. Die Psychologin und Bestsellerautorin Tasha Eurich hat für ihr Buch Insight untersucht, wie besonders selbstbewusste Menschen mit kritischem Feedback umgehen. Dabei fiel ihr auf, dass viele von ihnen sich Tage oder sogar Wochen Zeit nahmen, um kritisches Feedback zu verarbeiten und sich davon zu erholen.

Erst nach einer Weile entschieden sie sich für die nächsten Schritte. Ein wirksames Mittel zur Aufarbeitung ist das Affect Labeling, also das Zusammenfassen unsere Gefühle in Worte. Wenn wir an Kritik zu knabbern haben, dann kann es helfen, sich bewusst vor Augen zu führen, welche Gefühle das in uns auslöst, zum Beispiel „Ich fühle mich überrumpelt und habe Angst“.

Eine andere Technik, die Tasha Eurich vorstellt, bezieht sich auf das Thema Selbstbestätigung. Wenn wir uns ein paar Minuten Zeit nehmen, um uns an einen anderen wichtigen Aspekt unserer Persönlichkeit und Identität zu erinnern, der nicht kritisiert wurde, dann verringert sich unsere körperliche Reaktion in der Regel und wir können kritisches Feedback mit mehr Offenheit annehmen.

Wer sich zum Beispiel von dem Feedback angegriffen fühlt, seinen Teammitgliedern nicht ausreichend Verantwortung zu übergeben, kann sich zum Beispiel daran erinnern, dass er ein:e unterstützende:r Freund:in, oder ein liebevolles Elternteil ist. Wenn wir uns das Gesamtbild vor Augen führen, dann kann es helfen, Feedback in die richtige Perspektive zu rücken und zu entscheiden, wie wir darauf reagieren wollen.

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