Leadership & Karriere Warum Pragmatismus wichtig ist und wie Führungskräfte ihn wiederfinden

Warum Pragmatismus wichtig ist und wie Führungskräfte ihn wiederfinden

Pragmatismus scheitert oft an Zauderern und Ränkespielen

Dass es gewinnbringende Anwendungsszenarien für pragmatische Entscheidungsprozesse gibt, zeigen zahlreiche Beispiele aus Unternehmen: Da gibt es Prozessketten, die die Einbindung unterschiedlicher Ebenen vorsehen (Stichwort: „Ober sticht Unter“), sodass die Entscheidungen zwar an höherer Stelle gefällt wird, diese die praktischen Auswirkungen wiederum aber oft nicht kennt. Dadurch entsteht neben einer potenziell schlechten Lösung häufig auch noch eine schlechte Stimmung im Team.

Oder Projekte werden in verschiedenen Abteilungen aufgehängt und haben dadurch teilweise geteilte Verantwortungen. Keiner gibt dann so recht die Richtung vor, beide wollen beim Erfolg gefeiert werden, bei Misserfolg wird jedoch mit den Fingern aufeinander gezeigt. Ganz nach dem Motto: Der Erfolg hat viele Mütter oder Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind.

Oder Entscheider:innen sind von Zauder:innen und Mahner:innen umgeben, die Sorge haben, eine falsche Entscheidung könnte ihre Karriere ruinieren. Das hat oft zur Konsequenz, dass entweder in vorauseilendem Gehorsam eine Idee abgelehnt oder der größtmögliche Kompromiss mit dem geringstmöglichen Risiko gewählt wird.

In all diesen Momenten wäre ein pragmatischeres Vorgehen im Sinne der Lösung hilfreich. Doch allzu oft stehen pragmatischen Entscheidungen politische Dimensionen im Wege. Wie kann eine Führungskraft wieder zu pragmatischen Denkmustern zurückfinden und damit Innovationen ermöglichen?

Pragmatismus
Peter Borchers, Affiliate Professor an der ESCP Business School und Mitbegründer der dort angesiedelten U-SCHOOL, einem Executive Programm für unternehmerische Führungskräfte (Credits: Robert Lehmann)

Wie Führungskräfte pragmatischer werden können 

Entscheidend ist erstens das Selbstverständnis: Man sollte sich selbst als Verantwortungsträger:in und potenzielle Innovator:in verstehen.

Statt also schon vorab die Schere im Kopf zu haben und zu denken „das wird bei uns sowieso nichts werden“, sollte man die Gedanken zulassen und weiterspinnen; sie also im besten Sinne unternehmerisch weiterdenken. Und wenn es nur dazu dient, die eigene Innovationsbereitschaft nicht einrosten zu lassen, lohnt es sich, weiterzumachen.

Zweitens ist das Umfeld zentral. Es ist wichtig, sich ein innovationsfreundliches Umfeld aufzubauen, in dem ein pragmatisches und ein nicht „zerdenkendes“ Mindset gelebt werden kann. Dafür kann es nötig sein, auch über die eigene Hierarchieebene hinauszublicken und sich bewusst im Zuge von abteilungsübergreifenden Projekten und Task Forces neue Kontakte zu knüpfen. 

Und drittens ist die Sichtbarkeit der eigenen pragmatischen Erfolge wichtig. Es lohnt sich, für die eigenen Überzeugungen einen Real-Life-Proof zu bauen.

Das muss keine fertige und absolut finale Fassung sein (Stichwort: 80/20), sondern womöglich erstmal ein „Minimum Viable Product“, das jedoch die eigenen Gedankengänge greifbar macht. Auch damit erzielte schnelle Erfolge sollten immer berichtet werden. Das Sprechen über die eigenen kleinen Erfolge macht diese erst wirklich sichtbar – und auch den darin gesteckten Pragmatismus.

Für Führungskräfte und die dahinterliegenden Organisationen ist es immer herausfordernd, mit Mustern zu brechen. Vorauseilendem Gehorsam zu widerstehen und selbst schnell Entscheidungen zu treffen – das muss gelernt und gelebt werden. Nur so lässt es sich verinnerlichen. 

Es lohnt sich. Denn das unternehmerische Denken und Handeln wird dazu beitragen, dass die Rahmenbedingungen für Innovationen sich verbessern und schneller gute Ergebnisse erzielt werden können. 

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