Green & Sustainability Ankerkraut gehört nun zu Nestlé und das Netz geht auf die Barrikaden

Ankerkraut gehört nun zu Nestlé und das Netz geht auf die Barrikaden

Es ist wohl die Übernahmenachricht der Woche: Ankerkraut kündigte diesen Mittwoch an, ab jetzt zum Großkonzern Nestlé zu gehören. Und das sorgt sowohl bei Werbepartner:innen als auch Kund:innen für Unmut. Denn Ankerkraut zeichnete sich bisher vor allem durch ihre gelebten Werte aus.

Auf der Webseite gibt es dazu einen extra Menüpunkt, in dem auf die Unternehmenswerte aufmerksam gemacht wird. Man möchte „etwas für unseren schönen Planeten“ tun. Nachhaltigkeit, Umweltschutz und der Verzicht auf Zusatzstoffe sind für Ankerkraut elementar. Außerdem setzt sich das Unternehmen laut der Webseite für Bildung und Chancengleichheit für Afrika ein.

Nestlés Kritikpunkte

Das alles sind Werte, die auf den ersten Blick im krassen Gegensatz zum Nestlé-Konzern stehen. Das Unternehmen bezieht unter anderem Wasser aus dem Süden von Afrika, Pakistan und Äthopien, um es als Tafelwasser abgefüllt zu verkaufen. Die Kritik: Nestlé sorgt für Wasserknappheit in armen Ländern und verkauft ihnen das eigene Wasser für teures Geld.

Auch beim Thema Umweltschutz gibt es große Kritikpunkte am Unternehmen. Das genutzte Palmöl in Produkten wie KitKat würde die Abholzung von Regenwäldern fördern. Auch Tierversuche habe der Konzern in der Vergangenheit durchgeführt.

Fragt sich also, was genau das Startup mit Werten dazu bewegte, sich mit der „dunklen Seite“ einzulassen. Die Ankerkraut-Pressesprecherin sagt hierzu: „Wir haben uns gut und gründlich über Nestlé informiert und uns natürlich auch mit der öffentlichen Kritik an dem Unternehmen auseinandergesetzt. Wir sind uns klar darüber, dass es in der Vergangenheit Kritikpunkte gab – wie an jedem global agierenden Unternehmen. Wir haben jedoch Nestlé als ein Unternehmen kennengelernt, dass sehr verantwortungsbewusst und reflektiert mit dieser Kritik umgeht und stets das direkte Gespräch mit Kritikern sucht“.

Weiter heißt es von Seiten Ankerkrauts, es gehe bei der Entscheidung um weit mehr als nur Geld: „Es geht um Kompatibilität im Hinblick auf das Portfolio, um den gegenseitigen Nutzen und darum, dass beide Seiten profitieren. Es geht aber auch um die Marke Ankerkraut, den hohen Anspruch an Qualität, die unverwechselbare Unternehmenskultur: All das sollte der zukünftige Partner würdigen und wertschätzen, weiter pflegen und ausbauen wollen. Nestlé ist genau der Investor, der unseren Wünschen und unserer Vision von Wachstum entspricht und dieses gemeinsam mit uns vorantreiben kann“.

Werbepartner springen ab

Nachdem Ankerkraut über Social Media verkündete, ab jetzt zu Nestlé zu gehören, sprangen dem Unternehmen sofort einige Werbepartner ab. Vor allem Twitch-Streamer:innen und Youtuber:innen auf Twitter zeigten sich empört und erklärten ihre Zusammenarbeit zu beenden.

Auch unter dem LinkedIn-Post des Startups zeigen sich Kund:innen enttäuscht und schwören der Marke ab. Dabei stellt sich mal wieder die Frage, ob Purpose bei Startups nicht doch viel mehr Storytelling als ernsthaftes Business-Modell ist.

In einem kleinen hippen Kosmos mag Purpose als Wirtschaftsfaktor funktionieren. Aber in der Welt der wirklich relevanten Wirtschaftsplayer ist Purpose eben vielleicht doch nur ein guter Marketing-Move, aber nicht mehr. Ganz nach dem Motto: Wenn der Kuchen spricht, müssen die Krümel schweigen. Oder sich endlich eingestehen, dass es in der Weltwirtschaft immer noch um Gewinnmaximierung und nicht um B Corp Zertifizierung geht.

In unserem neuen Heft könnt ihr noch mehr zum Thema „Fuck Purpose“ lesen, erhältlich bei uns im Aboshop oder beim Kiosk eures Vertrauens.

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