Personal Finance Vreni Frost im Interview: „Finanzen sind keine Raketenwissenschaft“

Vreni Frost im Interview: „Finanzen sind keine Raketenwissenschaft“

Das mit dem Geld ist so eine Sache: Wir alle wollen es vermehren – doch niemand redet da so wirklich drüber, denn das Thema ist sehr komplex und gefühlt nur ein kleiner Teil der Menschheit kennt sich damit so wiiirklich gut aus.

Doch ist es alles echt so kompliziert? Oder scheint es uns nur so, weil wir nicht wirklich den Zugang dazu haben? In ihrem neuen Buch „COIN STRESS“ stellt Vreni Frost, erfolgreiche Podcasterin, Autorin und Moderatorin, genau die Fragen, die wir alle im Kopf haben aber irgendwie nie wirklich beantworten können (oder uns zumindest nicht die Zeit nehmen wollen, diese Antworten zu suchen).

Was an ihrem Buch besonders ist und wann der Moment kam, an dem sie selbst anfing, über Finanzen nachzudenken, erzählt sie uns im Interview.

Vreni, in deinem neuen Buch „COIN STRESS“ schreibst du: „Finanzcoaching ist das neue: In 14 Tagen zur Traumfigur“, sprich: Es gibt bereits einiges zu dem Thema, von Bücher über Podcasts, bis hin zu Workshops etc. Was lernt man in deinem Buch, was man bei den anderen zahlreichen Angeboten nicht lernt?

Ich stehe vielen Finanz-Coaches skeptisch gegenüber, Coaches sind in den letzten Jahren so inflationär aus dem Boden geschossen, alle reden sie über Mindset und Co. und wollen Menschen, vor allem Frauen weismachen, dass sie das Coaching unbedingt brauchen. Deshalb vergleiche ich das auch mit „in 14 Tagen zur Traumfigur“. Da wird Menschen vermittelt, dass sie ohne Produkt XY nicht ans Ziel kommen. Es werden Coachings verkauft, die mehrere Tausend Euro kosten. Dabei tun es auch die 20 € für mein Buch.

Und darauf will ich hinaus: Finanzen sind keine Raketenwissenschaft. Aber uns Frauen wurde jahrelang eingetrichtert, dass Finanzen nicht Frauensache sind. Deswegen fehlt hier das Wissen hinten und vorne. Mein Buch soll auf lustige, liebevolle und informative Weise ein Grundwissen aufbauen, dass dazu ermutigt, eigenständig am Finanzthema dran zu bleiben und die eigenen Finanzen zu managen. Das tun andere Bücher auch, aber vielleicht nicht so einfach, nicht aus der Perspektive einer Anfängerin und wahrscheinlich auch nicht ganz so humorvoll. Und vor allem ohne Stress.

Dein Buch unterteilst du in fünf Teile, unter anderem „schlau investieren“ und „nachhaltig investieren“. Wo hast du selbst denn mal nicht schlau und nachhaltig investiert?

Ich habe noch gar nicht so lange die Möglichkeiten, um überhaupt zu investieren. Glücklicherweise musste ich daher auch noch keine schlechten Erfahrungen machen. Ich habe in zwei Startups investiert, das ist immer sehr risikoreich und es wird sich zeigen, ob sich das rentiert. Des weiteren investiere ich wahnsinnig gerne in Kunst, weil es hier für mich keinen Wertverlust gibt: Das Werk hängt in meinen vier Wänden und erfreut mich jeden Tag, wie könnte das eine schlechte Investitionen sein (selbst wenn die Künstlerin nicht den internationalen Durchbruch schafft).

Vreni Frost
COIN STRESS
Ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit Geld

Du konntest laut eigenem Angaben früher nicht so gut mit Finanzen umgehen. Was war denn für dich der Turning Point bzw gab es einen bestimmten Moment für dich, der dies änderte?

Meine Selbstständigkeit hat das alles verändert. Als Angestellte habe ich jeden Monat mein Gehalt bekommen, das war konstant. Als Selbstständige habe ich gemerkt, dass der Geldfluss sehr sehr unterschiedlich ist. In einem Monat verdiene ich vielleicht sehr viel, in einem anderen gar nichts. Da ist gut Haushalten angesagt!

Außerdem kümmere ich mich selbst um alle Versicherungen, die sonst über die Arbeitgeberin laufen. Die Steuererklärung war auch noch mal ein Turning Point. Mein Vater hat Jahr für Jahr mit mir die Steuer gemacht. Er ist kein Steuerberater, sondern Arzt, fuchst sich aber immer wieder gerne in das ein oder andere Thema rein. Und so hat er es mir Schritt für Schritt beigebracht. Mittlerweile helfe ich Familie und Freund:innen bei der Steuer. Auch alles kein Hexenwerk. Man lernt unglaublich viel dabei, die eigenen Finanzen komplett im Blick zu behalten. Ist nervig, ich weiß, aber macht auch sehr selbstbewusst im Umgang mit dem eigenen Geld.

Was war bei deiner Recherche für das Buch die krasseste Erkenntnis oder das krasseste Learning?

Ich finde es richtig schlimm, was die meisten Banken mit unserem Geld anstellen. Ein Beispiel: 2019 investierten deutsche Banken knapp 12 Milliarden USD (ja, Milliarden!) in Atomwaffen. Im Zuge meiner Recherchen bin ich als allererstes zu Tomorrow, einer nachhaltigen Bank gewechselt. Ich glaube vielen Kund:innen ist überhaupt nicht bewusst, dass ihr Geld dafür verwendet wird, um unter anderem Lebensräume von Menschen und Tieren zu zerstören, den Klimawandel voranzutreiben oder den ein oder anderen Diktator zu supporten. Deswegen gibt es in meinem Buch auch direkt einen Vordruck für einen Abschiedsbrief an die bisherige Bank. Denn solange wir das alles stillschweigend mitmachen, warum sollten die konventionellen Banken irgendetwas ändern?

Was ist dein persönliches Role Model, wenn es um das Thema Finanzen geht?

Mit vollem Stolz sage ich: Das bin ich selbst. Ich hätte es früher niemals für möglich gehalten, dass ich einmal ein Buch zum Thema Finanzen schreibe, mich geschweige denn dafür überhaupt interessiere. In den letzten zehn Jahren habe ich mich das ein oder andere Mal selbst überrascht damit, wer ich eigentlich bin und was ich drauf habe. Deswegen bin ich in vielen Punkten tatsächlich mein eigenes Role Model.

Eine schöne Erkenntnis. Letzte Frage: Was ist dein Lieblingssatz aus deinem Buch?

Na, welcher wohl: Bloß Coin Stress bitte!

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