Personal Finance Vom Pioniergeist zur Pleite: Wie Entrepreneure in Deutschland mit Bürokratie-Wahnsinn umgehen

Vom Pioniergeist zur Pleite: Wie Entrepreneure in Deutschland mit Bürokratie-Wahnsinn umgehen

Die deutsche Wirtschaft hat sich immer wieder als Motor für Innovation und Unternehmertum erwiesen. Doch in den letzten Jahren scheinen Selbstständige, Unternehmer und Gründerinnen vermehrt mit unüberwindbaren Hürden konfrontiert zu sein, die ihre Ambitionen ausbremsen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage von Statista im Auftrag von Lexware beleuchtet die tiefgreifenden Herausforderungen, vor denen Gründer und Unternehmerinnen in Deutschland stehen.

Pandemie und Energiekrise – ein Dämpfer für die Wirtschaft

Die COVID-19-Pandemie hat nicht nur die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt, sondern sorgte auch für erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. So wurden Unternehmer und Unternehmerinnen durch die Pandemie, die Energiekrise und die hohe Inflation stark beeinträchtigt.

Das ist an den Neugründungen klar zu erkennen. So ist die Anzahl der jährlichen Unternehmensgründungen zwischen 2019 und 2023 um fast 100.000 auf rund 510.000 gefallen. Obwohl es in diesem Jahr eine leichte Zunahme gibt, besteht die dringende Notwendigkeit einer Trendumkehr. Denn immerhin beschäftigen genau diese Unternehmen zwölf Millionen deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Finanzielle Engpässe: Ein unüberwindbares Hindernis?

Die Ergebnisse der Umfrage legen nahe, dass finanzielle Hürden die größte Barriere für Gründungswillige darstellen. 42 Prozent der 300 befragten Unternehmerinnen und Unternehmern gaben an, dass ihnen bei der Gründung die notwendigen finanziellen Mittel fehlten. Die Frage, wie man das benötigte Startkapital auftreiben kann, stellt also fast jeden zweiten vor große Probleme.

Sieben von zehn Befragten finanzierten ihre Gründungen am Ende hauptsächlich durch Eigenkapital. Das wirft die Frage auf, ob die Gründung eines Unternehmens in Deutschland nur für diejenigen mit beträchtlichem Eigenkapital zugänglich ist. Ein weiteres Viertel (24 Prozent) setzte auf Bankkredite, während nur sechs Prozent staatliche Fördermittel in Anspruch nahmen. Und das liegt nicht einmal an fehlenden Initiativen vonseiten der Länder. Denn tatsächlich gibt es zahlreiche gute Förderprogramme für Gründungsinteressierte. Doch stößt man auch hier an Grenzen, denn an einer zentralen Datenbank mangelt es und das macht es für Gründerinnen und Gründer schwer, den Überblick über alle Programme zu behalten.

Hohe Bürokratie und fehlendes Know-how

Neben finanziellen Engpässen stehen Gründerinnen und Gründer auch vor einem Dilemma unübersichtlicher Gesetzesvorgaben, beispielsweise im Steuerrecht. Für 30 Prozent der Befragten sind diese Vorschriften ein Hindernis, das oft schwer zu überwinden ist. Die Bürokratie erschwert zusätzlich den Weg zum eigenen Unternehmen. Termine bei der Stadt oder der Kommune, dem Finanzamt und einem Notar sind bei der Unternehmensgründung meist unvermeidlich. Zwar handelt es sich dabei um standardisierte Prozesse, doch der Verwaltung fehlt es an ausreichender IT-Infrastruktur, um sie zu digitalisieren. Deutsche Unternehmerinnen und Unternehmer werden hier extrem in ihrem Vorhaben behindert, während in Estland die Gründung ganz einfach online erfolgen kann – und damit nur 18 Minuten dauert.

Auch das Fehlen des entsprechenden Know-hows, insbesondere im finanziellen und betriebswirtschaftlichen Bereich, betrifft 21 Prozent der Befragten. Hier stellt sich die Frage, wie eine bessere Ausbildung und Unterstützung für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer umgesetzt werden kann, um dieses Defizit zu überwinden.

Mentale Herausforderungen von Gründerinnen und Gründern

Doch die Selbstständigkeit ist nicht nur deshalb ein anspruchsvoller Weg, weil er finanzielle und bürokratische Hürden birgt. So führt er oft auch zu erheblichen mentalen Belastungen. Gründerinnen und Unternehmer stehen oft unter dem großen Druck des Erfolgs, fürchten das Scheitern und müssen mit ständiger Unsicherheit umgehen, insbesondere in Zeiten wie der Corona-Pandemie. Die Angst vor der großen Verantwortung, vielleicht sogar für Mitarbeitende, die Last der Entscheidungsfindung und der Mangel an sozialem Rückhalt machen die Reise oft einsam. So wird seit einiger Zeit verstärkt beobachtet, dass Selbstständige und Gründerinnen und Gründer zunehmend mit mentalen Belastungen und ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen haben.

Ist die Selbstständigkeit in Deutschland ausgeträumt?

Die Umfrageergebnisse zeichnen ein herausforderndes Bild für Gründer und Unternehmerinnen in Deutschland. Trotz dieser Herausforderungen gibt es aber einen Hoffnungsschimmer. Die leichte Zunahme von Gründungen könnte ein Anzeichen für eine mögliche Trendumkehr sein. Doch dafür sind Veränderungen in der Finanzierungspolitik, Vereinfachung von bürokratischen Prozessen und verstärkte Bildungsinitiativen für angehende Unternehmerinnen und Unternehmer notwendig. Die Selbstständigkeit in Deutschland mag vor Herausforderungen stehen, aber mit den richtigen Maßnahmen könnte sie auch neue Wege für Erfolg und Wachstum eröffnen.

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