Leadership & Karriere Becoming CEO – unsere Kolumnistin über einen riesigen Schritt

Becoming CEO – unsere Kolumnistin über einen riesigen Schritt

eine Kolumne von Kristina Walcker-Mayer

Was, wenn sich morgen die Verantwortung verzehnfacht? In ihrer ersten Kolumne für Business Punk widmet sich Kristina Walcker-Mayer einem riesigen Schritt.

Plötzlich CEO. Von einem auf den anderen Tag? Ja, doch. Quasi. Ende 2020 war ich gerade mal drei Monate bei Nuri (das damals noch den Namen Bitwala trug). Ich war Chief Product Officer und wurde eines Morgens gefragt, ob ich nicht die Rolle der CEO übernehmen wolle.

Von dem Moment an war mein Arbeitsalltag nicht mehr derselbe. Fragen über Fragen rannten wie verrückt durch meinen Kopf. Hier ein unvollständiger Auszug aus dem Katalog: Wieso ich? Ich hab so was doch noch nicht gemacht. Was passiert, wenn ich Nein sage? Wie wird so eine Rolle mein Leben verändern? Was bedeutet das in der Dynamik zu meinen Kolleg:innen? Was sind dann meine Aufgaben? Kann ich in dieser Rolle genauso erfolgreich sein? Ist es eine aufregende oder anstrengende Herausforderung? Bin ich bereit? Und natürlich die zusammenfassende Frage: Soll ich es machen?

Da mein Visionboard bisher keine CEO-Position beinhaltete, ging ich zuerst einige Zeit in die Selbstreflexion und hörte in mich selbst hinein, ob ich diese Herausforderung annehmen möchte. Gleichzeitig sprach ich mit sehr vielen anderen Menschen (ehemaligen Kolleg:innen, Freund:innen, anderen CEOs) darüber, um mir eine externe Sichtweise einzuholen.

Die externen Stimmen waren klar: Go for it und Vollgas. Meine innere Stimme war zumindest damit d’accord, es auszuprobieren. Nur so würde ich herausfinden, ob es mir Spaß macht und ich meine Zeit am effektivsten einsetzen kann und die Aufgabe zu meinen Superkräften passt.

Andererseits natürlich der Zweifel: Was passiert, wenn es dir keinen Spaß macht oder du keinen Erfolg hast? Antwort: Girl, aber was passiert, wenn du die Bude rockst und es erfolgreich wird? Dieser Satz wurde zu meiner täglichen Affirmation.

Die Erkenntnis: CEO wird man tatsächlich von einem auf den anderen Tag. Und zwar ab dem Moment, in dem man sich entscheidet, diese Rolle zu übernehmen. All-in or nothing. Kurze oder lange Übergabe- und Einarbeitungszeit? Eigentlich egal. Mit der Entscheidung ist man schon mittendrin, denkt nach, analysiert und strukturiert. Klopft jede Aktion auf kurz-, mittel- und langfristige Auswirkungen ab. Man fängt an, die Rolle zu definieren, und setzt sich Fokusthemen. Für mich war es wichtig, meine Rolle auf drei oder vier Teilbereiche herunterzubrechen und mir in diesen einen klaren Fokus zu setzen. Und fast noch wichtiger: Was derzeit überhaupt nicht mein Fokus ist.

Ich nehme an, dass es nicht ganz uninteressant ist, welche vier Bereiche mir einen groben Rahmen gaben. In meinem Fall waren es Strategy, People, Fundraising und Product.

Da ich einen Produkthintergrund habe, dachte ich naiverweise, dass ich damit bereits ein Problem gelöst hätte. Denn ich könnte meine bisherige Rolle als CPO einfach weiterhin mitmachen. Eine Idee, die ich dann aber schnell verwarf, sodass ich mich nach drei Monaten in Doppelfunktion als CEO und CPO auf die Suche nach einem Nachfolger/einer Nachfolgerin für diese Rolle machte.

Schweren Herzens musste ich einsehen, dass es keine gute Idee war – schon allein deswegen, da sich CEO und CPO auf gesunde Weise regelmäßig in den Haaren liegen sollten. (Das taten übrigens auch mein innerer CEO und CPO ständig – und meist gewann der innere CEO dann doch.)

Für die oben genannten vier Bereiche wählte ich mir jeweils ein Fokusthema, und los ging es. In den folgenden Teilen dieser Kolumne werde ich tiefer in diese Teilbereiche einsteigen und offen, ehrlich und transparent darüber berichten, wie ich an diese Themen herangegangen bin und wie ich sie für Nuri definiert habe; was mir hierbei wichtig war und welche Learnings ich bereits nach einem Jahr in der Rolle teilen kann.

Darüber hinaus schneiden wir natürlich auch die externen Aufgaben einer CEO-Rolle an. Denn externe Kommunikation gegenüber Kund:innen, Presse und Investoren ist eben genauso wichtig wie Kommunikation und Führung nach innen. Bis zum nächsten Mal!

Kristina Walcker-Mayer: Die CEO von Nuri gibt hier in ihrer Kolumne quasi in Echtzeit Einblick in die Arbeit, die Aufgaben und den Alltag an der Spitze eines jungen und ehrgeizigen Digitalunternehmens.

Illustration: André Gottschalk

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 3/22. In unserem Dossier dreht sich dieses Mal alles um das Thema Climate-Tech. Auch mit dabei: Wie der Head of Hiphop dem Streamingriesen Apple Music endlich eine junge Zielgruppe zuführen soll. Außerdem: Was passiert im Super Startup Adventure Camp Barcelona? An welcher veganen Alternative arbeitet das Food-Tech-Startup Perfeggt? Und noch vieles mehr…

Das könnte dich auch interessieren

Fünf Tipps fürs Bewerbungsgespräch Leadership & Karriere
Fünf Tipps fürs Bewerbungsgespräch
Haftbefehl: „Jeder, der fleißig ist und etwas wirklich möchte, schafft es auch“ Leadership & Karriere
Haftbefehl: „Jeder, der fleißig ist und etwas wirklich möchte, schafft es auch“
„Bei mir läuft alles zusammen“ – Melanie Allgaier über den Job als Festivalveranstalterin Leadership & Karriere
„Bei mir läuft alles zusammen“ – Melanie Allgaier über den Job als Festivalveranstalterin