Productivity & New Work 42-Stunden-Woche? Schwachsinn – Wie Richard David Precht die Zukunft der Arbeit sieht

42-Stunden-Woche? Schwachsinn – Wie Richard David Precht die Zukunft der Arbeit sieht

Ein Kontinent, zwei Arbeitswelten: Während in anderen Ländern in Europa wie Spanien und Belgien die 4-Tage-Woche getestet wird, diskutiert Deutschland aktuell die 42-Stunden-Woche. Das schlug ​​Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie vor. Grund: So soll dem Fachkräftemangel hierzulande entgegengewirkt werden. 

Auch Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Chef, ist dem Vorschlag einer 42-Stunden-Woche nicht abgeneigt. Die Mehrarbeit sei notwendig, um den Wohlstand in Deutschland halten zu können. „Wollen wir Menschen nicht lieber wieder mehr verdienen lassen, indem wir etwas länger arbeiten?“, sagte Gabriel gegenüber der Bild am Sonntag.

Dieser Vorschlag geht gegen einen Trend, der in der Arbeitswelt momentan zu beobachten ist – nicht mehr arbeiten, sondern smart. Nicht für das Geld arbeiten, sondern für die Selbsterfüllung. Das sagt auch Autor und Philosoph Richard David Precht im Podcast „How To Hack“ von Business Punk. 

Sinn statt Arbeit

Seine These: „Wir bewegen uns weg von einer Arbeitergesellschaft hin zu einer Sinngesellschaft. In einer Sinngesellschaft mehr zu arbeiten ist Blödsinn.” Die Arbeitsgesellschaft wie wir sie kennen, werde es bald nicht mehr geben. Vielmehr wolle jeder Mensch, egal in welcher Berufsschicht, egal welche Tätigkeit einen Sinn in seiner Arbeit verspüren. „Impact“ lautet hier das große Stichwort. 

Laut Precht kommen Umfragen von Gewerkschaften zu dem Ergebnis, dass nur 25 Prozent der Arbeitnehmer ihren Beruf gerne ausüben. „Man kann natürlich sagen: In einer Sinngesellschaft keinen Sinn zu finden, ist schlimmer als in einer Arbeitergesellschaft keine Arbeit zu finden“, sagt Precht. „Viele Leute haben eine Vorstellung von dem, was sie gerne tun möchten. Nur ist das im Zweifelsfall etwas, wofür man kein Geld bekommt. Das ist das Problem unserer Gesellschaft.“

Es braucht das Bedingungslose Grundeinkommen

Precht sagt aber auch, dass die Zeiten für ein wirtschaftliches Umdenken auf dem Arbeitsmarkt bereits da sind, bedingt durch aktuelle Krisen wie Corona und Fachkräftemangel. Arbeit werde wertvoller, Arbeitgeber seien gezwungen, Arbeitsplätze attraktiver zu gestalten, um gutes Personal zu halten. Die Aussicht mehr zu arbeiten, sei da nun mal eben keine Lösung. 

Mehrarbeit sei laut Precht nur dazu da, um das aktuelle Rentensystem zu erhalten. „Da sollten wir doch das Rentensystem verändern”, sagt Precht. „Und da landen wir relativ schnell beim Bedingungslosem Grundeinkommen.“

Für Precht ist der Gedanke nicht unrealistisch. Er schätzt, dass in 20 Jahren das Modell Bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden könnte. 

Welche Skills man braucht, um in der Zukunft der Arbeit bestehen zu können? Laut Precht sind das eine hohe Motivation, eine große Neugier, eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und Ziele, für die es sich einzusetzen lohnt.

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